Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Abwärtstrend wackelt

Heizöl bleibt ein Problemfall für die Preisentwicklung. Der vor dem Winter nötige Aufbau der Vorräte will nicht gelingen. Gestern reagierten die Marktteilnehmer heftig auf enttäuschende Zahlen und schickten den Brennstoffpreis bis zu 6% in die Höhe. Die zuletzt entspannte Stimmung an den Terminmärkten war verfolgen. Rohöl und Benzin wurden in kollektiven Preisauftrieb genommen. Lediglich der Dollar blieb seinem Trend treu und markierte ein neues Rekordtief.

Wirklich unerwartet kam der Gefühlsausbruch mit Preisfolge nicht. Dass Heizöl für Ärger sorgen kann, schwebte seit Wochen über dem Abwärtstrend der Preise. Der wurde durch gute Zuflüsse und eine entspannte Marktlage beim Rohöl getragen. Für die Produkte sieht die Lage anders aus. Die Raffineriekapazitäten waren und sind ein Engpass, der im Herbst beim Heizöl und im Frühjahr beim Benzin sichtbar wird. Und er war während der letzten vier Wochen in den Heizölbeständen sichtbar. Allerdings beherrschte die Szene die Hoffnung, dass sich das schlechte Vorratsbild wie vorher beim Rohöl auch beim Heizöl ändern wird. Darauf gründete ein Teil der gefallenen Preise.

Die Hoffnung zerplatzte gestern. Die auslösenden Fakten von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) sehen folgendermaßen aus:

Rohöl: +0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich im Zahlenwerk des DOE ein Bestandsabbau von 0,6 Mio. Barrel. Das API sieht dagegen einen Bestandsaufbau von 1,6 Mio. Barrel. Die Situation beim Heizöl beschreiben beide Institute negativ. Die Importe sind etwas geringer als in der Vorwoche aber höher als vor einem Jahr. Insbesondere die Heizölimporte konnten das hohe Niveau nicht halten. Die Raffinerieverfügbarkeit wuchs abermals an und lässt Platz für etwas Hoffnung, dass sich die Lage doch noch bereinigen lässt.

Viel wird in den nächsten Tagen und Wochen vom Wetter abhängen. Wenn den USA eine Kältewelle erspart bliebe, könnten sich die Wogen noch glätten. Sollte es aber kalt werden, gäbe es kaum ein Entrinnen vor einer neuen Teuerungswelle.

Die gestrige Reaktion der Märkte kommt in einem charttechnisch durchaus kritischen Moment. Die Preise haben in den letzten Wochen ihr mögliches Potential einer Gegenbewegung zum übertriebenen Niveau des Oktobers ausgeschöpft. Sie befinden sich wieder in der Mitte eines Trendkanals, der seit 14 Monaten aufwärts verläuft. Es steht die Entscheidung an, ob eine Rückkehr zum Aufwärtstrend folgt, der abermals Übertreibungen bringen könnte, oder ob ein endgültiger Trendbruch mit einem neuen Bewegungsmuster eintritt.

Heute Morgen bestätigt der Gasölpreis die gestrige Teuerung. Die Tonne kostet 435,50$. Gestern Früh waren es 407,00$.

Der Dollar setzt seinen Abwärtstrend fort. Stimmen über mögliche Interventionen der europäischen oder japanischen Zentralbanken werden lauter. Erfahrungsgemäß bringen solche Maßnahmen keinen nachhaltigen Erfolg. Da Experten mit einer weiteren Verschlechterung der US-Handelsbilanz und des Staatsdefizits rechnen, sollte der Trend fortbestehen. In den USA nimmt man die Entwicklung mit dem Verweis auf die erste Hälfte der 1990er Jahre gelassen. Damals war der Dollar noch billiger.

Unsere Heizölpreise schnellen aufwärts. Sie können sich dem Preissprung am Weltmarkt nicht entziehen. Der ist so heftig, dass die dämpfende Wirkung des Dollars vernachlässigbar wird. Das gestern genannte Risiko für einen weiteren Preisrückgang, schlechte US-Vorratszahlen, ist eingetreten. Damit ergibt sich als Folgerisiko eine Rückkehr zu Preisübertreibungen für die kommenden Wochen. Endgültig ist der Stab über den kurzfristigen Abwärtstrend nicht gebrochen. Aber er wackelt heftig.

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