Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Aktien ziehen Ölpreis hoch

Die Amerikaner fahren wieder Auto. Das berichten nicht nur Korrespondenten. Das zeigen auch die sinkenden Benzinbestände. Überhaupt sind die Amerikaner ganz gut drauf. Ihr Vertrauen in die Wirtschaft und in ihren neuen Präsidenten ist trotz Krise gewachsen. Gewachsen sind auch die Kurse an den Aktienmärkten. Gestern nahmen sie den Ölpreis mit. Also, alles wird gut? Wohl kaum. Denn was da wächst, hat nicht viel mit der Realwirtschaft zu tun. Die bekommt weltweit schlechte Prognosen. Handel und Wandel zwischen den Menschen klemmen. Die Aussichten auf Wohlstand für alle sind schlecht. Wohlstand erfahren nur die, die ihn bereits haben. In den USA erfreuen steigende Aktienkurse immerhin eine breitere Bevölkerungsgruppe als anderswo auf der Welt. Deshalb können sie den Konsum ein wenig anstoßen. Da die Kurse aber im Wesentlichen durch eine Verbesserung der Liquiditätslage im Bankensektor steigen, sind sie eben kein Indiz für die Heilung der Wirtschaft sondern nur für die Heilung von Big Finance. Öl braucht die Finanzwelt allenfalls zum Spekulieren. Der reale Bedarf an Öl sinkt weiter, weil die reale Wirtschaft weiter sinkt. Es ist nicht zu erwarten, dass der Ölpreis nachhaltig steigt. Die Bewegung der letzten Tage verlief tendenziell abwärts. Das sollte so bleiben, wobei der übergeordnete Trend seitwärtsgerichtet ist. Der Ölpreis hat im Bereich von 40 Dollar pro Barrel einen Boden gefunden, den er aus heutiger Sicht nicht mehr durchbrechen wird.

Die Gefahr, dass die Finanzwelt auf einen steigenden Ölpreis spekuliert und diesen dann auch realisiert, ist solange gering, wie der reale Bedarf an Öl fällt. Denn ein wenig realitätsnahe Phantasie gehört schon zur Spekulation. Phantasie ist auch gefragt, um den Abwärtstrend der Wirtschaft zu brechen. Die bisherigen Rezepte laufen mehrheitlich auf ein „Weiter so“ hinaus. In der Energie- und Umweltpolitik schienen neue Ansätze vor der Krise eher durchsetzbar zu sein als jetzt. Dabei ist genau das widersinnig. Für das Neue ist der Mensch in der Krise offener als während einer gesetzten Lebensphase. Auf diese Erkenntnis setzt Barack Obama. Er will eine neue Energie- und Umweltpolitik. Sie ist in den Plänen zwar nicht mehr als ihr deutsches Pendant. Sie hat aber wegen der schieren Größe mehr Strahlkraft. Es sieht so aus, als folgte das Volk dem Präsidenten in der Sache. Big Oil folgt ihm allerdings nicht. Die Ölkonzerne investieren immer noch lieber in fossile Energieprojekte als in erneuerbare Energien. BP nennt ihr Kürzel seit neun Jahren „Beyond Petroleum“. Es wurde in der Tat einiges für eine Welt nach dem Öl getan, indem kräftig in alternative Projekte investiert wurde. Damit ist aber seit zwei Jahren Schluss. Nun kümmert man sich fast ausschließlich um Öl und Gas. Ähnlich sieht es bei Shell aus. Seit 2004 wurde viel Geld in Wind und Sonne gesteckt. Nun geht man zu den Ölwurzeln zurück. Gerade wurde eine Beteilung an einem Offshore-Windvorhaben in der Themsemündung aufgegeben. Der Chef von ExxonMobil, der größten und gemessen am Gewinn erfolgreichsten nichtstaatlichen Ölgesellschaft der Welt, hält die Pläne Obamas für unrealistisch. Unrealistisch ist es, an die Heilung der Wirtschaft und die Verbesserung der Lebensumstände breiter Bevölkerungsschichten zu glauben, wenn Manager an den alten Rezepten festhalten. Es sind die Rezepte, die Wohlstand derart ungleich verteilten, dass dieser nun in Gänze einzubrechen droht.

Die US-Bestandsdaten zeigen weiterhin, dass tendenziell mehr Öl angeboten als nachgefragt wird. Daran ändert der Spitzenwert im Benzinabgang nichts. Im Gegensatz zum Aufbau der Lagerbestände ist der aktuelle Rückgang eine Momentaufnahme, die in der kommenden Woche bereits vollkommen anders aussehen kann. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) legten zur wöchentlichen Veränderung in den Lagern folgende Daten vor:

Rohöl: +4,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,6 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: -4,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,6 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 1,2 (DOE) bzw. 3,6 (API) Mio. Barrel. Die Importe waren geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit bleibt bei 83 Prozent. Das ist für amerikanische Verhältnisse ein akzeptabler Wert. Hierzulande wäre er lausig schlecht. Die Vorräte insgesamt sind die zweithöchsten in unserer fast 20 Jahre zurückreichenden Datenbank.

Heute Morgen zeigen die Ölpreise immer noch Aufwärtsdrang. Die Tonne Gasöl kostet 424,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 51,80 Dollar. Der US-Dollar wird zu 74,88 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise ziehen ein wenig an. Der Weltmarkt gibt die Richtung vor. Die Preisbewegung im Binnenmarkt verläuft deutlich ruhiger als an der Börsen. Die Tendenz einer kurzfristigen Abwärtsbewegung ist besser ausgeprägt. Insgesamt gilt auf allen Ebenen, dass der übergeordnete Trend seitwärts verläuft. Daran wird sich in absehbarer Zeit wohl nichts ändern. Verbraucher sollten sich kein Beispiel an den Mineralölgesellschaften nehmen, die, wie im Tageskommentar beschrieben, von einmal eingeschlagenen neuen Wegen der Energieausrichtung zurückkehren. Es macht allemal Sinn, sich mit der Reduzierung des eigenen Energieverbrauchs durch eine Umgestaltung des Hauses auseinanderzusetzen. Hierbei helfen wir mit www.esytrol.com.

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