Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Alles schon mal dagewesen

Die folgende Marktbeschreibung ist aktuell. Sie liest sich indes wie die Kopie eines alten Kommentars.

Die Konjunktur rund um den Globus befindet sich im Erholmodus. Asien, die USA und Europa melden positive Wirtschaftsdaten. Daraus schließen Analysten, dass die Ölnachfrage steigen wird. Die Erwartung wird durch eine gemessene Nachfragesteigerung bei Ölprodukten im Verlauf der letzten Woche für die USA bestätigt. Auf der Angebotsseite muss mit Problemen bei Lieferungen aus Nordafrika gerechnet werden. Als Folge der Geiseltragödie auf einem algerischen Gasfeld rufen europäische Regierungen dazu auf, Landsleute von libyschen Produktionsanlagen abzuziehen. Ihre Sicherheit sei im höchsten Maß gefährdet. Die Produktion wird unter der Terrorgefahr leiden. Ungünstig wirken sich darüber hinaus der mangelhafte Fortschritt bei den Verhandlungen um das iranische Atomprogramm und die explosive Lage im Nahen Osten aus.

Finanzjongleure haben Freude an derartigen Marktbeschreibungen. Sie treiben Ölnotierungen in die Höhe. Aus dieser Konstellation werden seit Jahren kräftige Gewinne generiert. Aber trotz aller Ähnlichkeit der Marktlage zu den vergangenen Jahren liegt heute eine andere Situation vor. Die Wirtschaftsentwicklung teilt die Gesellschaften erheblich mehr als früher in Habende und Nichthabende. Ein breiter, Nachfrage produzierender Aufschwung ist nicht wirklich denkbar. In den alten Industrienationen wird er allenfalls durch Teile der Gesellschaft erzielt. Dadurch stößt er schneller an strukturelle Grenzen. Auf der Angebotsseite fallen dagegen lange festgeschriebene Grenzen. Durch moderne Techniken und hohe Investitionen werden neue Ölquellen erschlossen. Damit kommen unerwartete Mengen auf den Markt, die den globalen Ölzirkus heftig durchmischen. Derzeit scheinen die USA ein großer Gewinner der Veränderung zu sein. Seit einigen Monaten lassen sie sich in Berichten und Prognosen zum Öl- und Energiemarkt feiern. Die jüngste Publikation zum Thema ist der BP Energy Outlook 2030, in dem die Gesellschaft dem Ölreichtum der USA huldigt. Ob derartige Beschreibungen lange Bestand haben werden, ist ungewiss. Gewiss ist nur, dass alles, was scheinbar wissenschaftlich daher kommt, in Wirklichkeit höchst spekulativ ist. Wie beliebig jedwede längerfristige Aussage aus scheinbar berufenem Mund ist, lässt sich an folgendem Satz von BP-Chef Robert Dudley ermessen. „Die Angst, dass uns das Öl ausgeht, eine Angst, die wir bei BP eigentlich nie geteilt haben, erweist sich als zunehmend grundlos.“ Dieser Optimismus steht konträr zu der von den eigenen Marketingleuten neu entwickelten Bedeutung des Unternehmenskürzels BP. Es steht für beyond petroleum (jenseits des Öls).

De facto hat die Erde nicht mehr Öl zu bieten als früher. Wir Menschen nehmen uns das Öl lediglich aus komplizierter zu erreichenden Lagerstätten. Das führt dazu, dass für einige Jahre mehr Öl verfügbar ist, als früher angenommen wurde, und dass dieses Öl tendenziell teurer werden muss. In den wöchentlich veröffentlichten US-Bestandsberichten treten die Mengen in Zahlen zutage. Die Vorräte befinden sich auf einem jahreszeitbezogenen Langzeithoch. Auch für die letzte Woche werden von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) wieder Nettogewinne gemeldet. Die Daten lauten wie folgt:

Rohöl: +2,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,6 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 1,6 (DOE) bzw. 2,9 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt 84 Prozent. Das ist sehr gering. Der Wert spiegelt eine schwache US-Binnennachfrage wieder.

Die Preisbildung entspricht nicht der physischen Marktlage. Sie ist seit einigen Wochen bullischer ausgerichtet als angemessen wäre. Das war auch gestern der Fall. Heute Morgen setzt sich die Tendenz fort. Für die Tonne Gasöl werden 974,25 Dollar bezahlt. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 96,16 Dollar und in London zu 113,33 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 74,57 Eurocent.

Unsere Heizölpreise halten sich angesichts steigender Ölnotierungen an den Börsen recht wacker. Dank eines nachgebenden Dollars und vor allen Dingen dank des Margendrucks der schwachen Binnennachfrage bleiben sie noch auf Seitwärtskurs. Es ist gut möglich, dass sie in den nächsten Wochen ein wenig anziehen werden. Für den weiteren Jahresverlauf erwarte ich aber keine nennenswerte Preissteigerung. Im Gegenteil, nach meiner Meinung sollte die gute Versorgungslage zu moderat rückläufigen Preisen führen. Darauf zu spekulieren und einen nötigen Kauf immer weiter herauszuschieben, ist allerdings nicht ratsam. Aktuell sind die Heizölpreise in jedem Fall akzeptabel. Sie befinden sich auf dem Niveau des Vorjahres. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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