Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Andere Länder, andere Sitten

Nachdem am Freitag bekannt wurde, dass der Ölarbeiterstreik in Norwegen per Gesetz beendet ist, änderten die Preise ihre Richtung. Der am Vortag auf Grund der streikbedingten Gefahr eines Totalausfalls der norwegischen Förderung einsetzende Aufwärtsimpuls war damit beendet. Im Preischart ergibt sich nun die Aussicht auf einen Bruch des langfristigen Aufwärtstrends.

Rund 200 Ölarbeiter auf zwei norwegischen Ölplattformen drehten am weltumspannenden Preisrad. Ihr Streik für Rentenansprüche und Arbeitssicherheit drohte zu eskalieren, nachdem die Arbeitgeber Aussperrungen ankündigten. Dem wollte Wirtschaftsminister Dagfinn Hoybraaten nicht tatenlos zusehen. Er beendete den Streik per Anordnung und begründete diesen Schritt mit der Prävention vor negativen sozioökonomischen Folgen. Weiter sagte er: ?Wir sind ein sehr großer Akteur auf dem internationalen Energiemarkt. Unsere Handelspartner könnten Schaden nehmen, die von unseren Lieferungen abhängig sind".

Norwegen ist der drittgrößte Öllieferant der Welt nach Saudi Arabien und Russland. Deutschland ist mit 20% seiner Ölimporte der wichtigste Abnehmer norwegischen Öls.

Die Anordnung wurde von den Ölarbeitern und ihrer Gewerkschaft mit Bedauern aufgenommen, aber umgehend befolgt. Es ist nicht das erste Mal, dass die Regierung in Streiksmaßnahmen der Ölbranche eingreift. Die letzte Intervention fand im Jahr 2000 statt.

Neben der preisdrückenden Meldung aus Norwegen verhalf der Umstand, dass die Öllieferungen aus dem Irak wieder fließen, den Preisen in die Knie. Die Versorgungslage insgesamt ist z.Z. sehr gut. Die OPEC pumpt aus allen Rohren. Das zeigt sich u.a. an den stetig steigenden Rohölvorräten. In den USA haben sie das höchste Niveau seit August 2002 erreicht.

Trotz der für Verbraucher positiven Nachrichten bleibt die Gesamtlage nicht ohne Anspannung. Die sehr hohe Terrorgefahr sorgt für latenten Preisauftrieb. In Saudi Arabien bewachen 30.000 Sicherheitskräfte die Ölanlagen. Doch selbst diese Armee vermag Bombenangriffe nicht komplett zu verhindern. Die Sorge, dass Saudi Arabien als Lieferant und damit 10% der Weltversorgung ausfallen könnten, bleibt groß.

Es ist eine weitverbreitete Meinung, dass die Preise wenig Aussicht haben, deutlich zu fallen. Sie spiegelt sich an der Zahl im Umlauf befindlicher Kontrakte auf steigende Kurse wider. Die hat in der letzten Woche leicht zugenommen. Möglicherweise wittern die Fonds wieder eine Chance ins Geschäft zurückzukehren.

Der Dollarkurs gibt sich seit einiger Zeit eher richtungslos. Für stärkere Ausschläge in eine ausgewiesene Richtung sehen Analysten derzeit keinen Grund.

Der Gasölpreis gibt heute Morgen leicht nach. Er folgt damit den jüngsten Einflüssen aus Norwegen und dem Irak. Die Tonne kostet aktuell 316,50$.

Unsere Heizölpreise zeigen wenig Veränderung. Wir gehen davon aus, dass sie zu Wochenbeginn leicht nachgeben werden. Einen deutlichen Preissprung nach unten erwarten wir nicht. Die Einstellung vieler Verbraucher, dass die Preise für eine Kaufentscheidung im Mittel bei einer 3000 Literpartie unter 0,35 EUR pro Liter sinken müssen, kann damit enden, dass sie erheblich mehr bezahlen werden. Wer wartet, bis der Tank leer ist, und eine Sofortlieferung in Anspruch nimmt, muss mit Mehrkosten von 3-8% rechnen. Wenn der Kaufzwang ab Herbst zu einem Boom führen sollte, was angesichts der aktuellen Zurückhaltung zu befürchten ist, kann das einen weiteren marktbedingten Aufschlag von 5-10% zur Folge haben. Vorbeugen ist also besser als zahlen.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen