Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Angriff ist die beste Verteidigung

Spekulanten fuhren gestern einen Überraschungsangriff auf den Ölpreis. Er war erfolgreich. In der Spitze erreichten sie eine Preissteigerung von fast sieben Prozent. Charttechnisch war eine Gegenreaktion auf den letzten Preisrückgang seit einigen Tagen zu erwarten. Die Härte dieser Reaktion ist verblüffend. Der Moment der Reaktion ist es auch, denn fundamental hätte die Lage kaum schlechter sein können. Neuste Wirtschaftsdaten aus den USA sind negativ, die Aktienmärkte geben nach, die Nachfrage kommt selbst in den Prognosen nicht in Schwung, die Lager sind randvoll und sogar eine eventuelle Auseinandersetzung mit dem Iran wegen des Atomprogramms, die schlimmstenfalls zum Ausfall der Öllieferungen führen könnte, würde keine negative Auswirkung auf die Versorgung haben, weil die Reservekapazitäten Saudi Arabiens größer sind als die Lieferkapazitäten des Irans. In dieser für Bullen aussichtslosen Lage ereignete sich das, was man einem angezählten Kämpfer raten würde, um eine sichere Niederlage zu vermeiden, angreifen statt verteidigen. Die Bullen griffen an. Sie sind wieder im Spiel. Nach fundamentaler Lage der Dinge dürften sie sich dort nicht halten können. Deshalb rechnet man in der Szene mit einer nicht minder heftigen Gegenreaktion auf den gestrigen Preisaufstieg. Diese Rechnung ist nach unserer Einschätzung eine ganz unsichere Wette. Zwar ist die argumentative Situation der bullisch eingestellten Finanzspekulanten in der Tat lausig. Ihre Kriegskasse ist indes nach wie vor prall gefüllt. Sie verfügen über gewaltige Mengen an Liquidität, die sie zur Manipulation der Preise in den Ring werfen können. Die Regeln, die genau das verhindern sollen, sind noch nicht scharf geschaltet.

Der Angriff zur Verteidigung ist aus bullischer Sicht auch aus über den Tag hinausreichenden Motiven gelungen. Der mittelfristige Preistrend ist seit einem Monat leicht abwärts gerichtet. Die Gefahr einer stärkeren Abwärtsgeschwindigkeit lag in der Luft. Mit der gestrigen Attacke bekam der Abwärtstrend eine Beule. Charttechnisch hat sich die Situation für die Bullen definitiv aufgehellt. Da die fundamentale Lage keine Besserung erwarten lässt, rechnen wir dennoch nicht mit einer Rückkehr zu einem mittelfristigen Aufwärtstrend. Wir halten an der Hypothese der Seitwärtsbewegung mit stärkeren Ausschlägen fest. Dabei sollten sich immer wieder interessante Momente mit angemessen tiefen Preisen ergeben.

Verblüffend ist der Moment des Preisanstiegs auch, weil die aktuellen US-Bestandsdaten, die häufig heftige Preisreaktionen hervorrufen, bärisch sind. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) legten Daten zur wöchentlichen Veränderung vor, die sowohl eine Zunahme der Bestände als auch eine auf Plausibilität hindeutende Nähe der Aussagen zeigen:

Rohöl: +2,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,8 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,7 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 1,5 (DOE) bzw. 3,4 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind höher als in der Vorwoche und geringer als im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf 85 Prozent zurück gegangen. Die gesamten Lagerbestände sind 17 Prozent höher als im Vorjahr. Die Heizölbestände haben die Vorjahresvorräte um 40 Prozent überschritten. Einzig der Rückgang der Benzinbestände kam unerwartet. Möglicherweise war dieser für die Gesamtlage unerhebliche Umstand die Fanfare zur Attacke der Bullen.

Heute Morgen ist eine moderate Tendenz zur Gegenbewegung zu erkennen. Ein Angriff gegen die gestrigen Gewinne der Bullen ist das nicht. Die Tonne Gasöl kostet 558,75 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 69,87 Dollar. Der US-Dollar wird zu 68,67 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise sprangen gestern in die Höhe. Der Weltmarkt erzwang den Anstieg. Er wurde von institutionellen Spekulanten initiiert. Der Rückgang der Heizölpreise seit dem letzten Hoch im August wurde durch den Sprung in weiten Teilen Deutschlands erheblich dezimiert, teilweise sogar annulliert. Eine derartig heftige Preisbewegung hat häufig einen über Tage anhaltenden Schwung. Einen solchen vermuten wir in diesem Fall nicht. Die Argumente gegen eine Fortsetzung des Preisanstiegs sind zu stark. Wir halten an unserer Prognose der seitwärts gerichteten Bewegung fest, wobei wir ein Potenzial für immer wieder auftretende günstige Kaufmomente zu erkennen meinen. Die Preisspreizung von Norden nach Süden bleibt aufgrund der eingeschränkten Transportmöglichkeiten zu Wasser mindestens noch über eine Woche hinaus erhalten. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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