Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Ansichtssache

Seit Wochen wird von der Erwartung fallender Preise gesprochen. Seit Wochen bewegen sich die Rohölpreise aber lediglich seitwärts. Dennoch bleibt die Meinung vieler Analysten unverändert bearish. Womit begründen diese Leute ihre Erwartung?

Nicht-OPEC-Länder wie Russland steigern ihre Förderkapazitäten und bringen mehr Öl auf den Markt. Für Russland wird die Steigerungsrate zum zweiten Quartal des Vorjahres mit 10,4% angegeben. OPEC-Länder müssen um ihre Marktanteile fürchten. Es könnte der Tag kommen, da Saudi Arabien den Konkurrenten den Kampf ansagen wird, so die Spekulation der Analysten. Die Scheichs könnten versuchen, den Markt mit Öl zu überschwemmen und dadurch einen Preisverfall bis in die Region um 15$ pro Barrel herbeiführen. Zu diesem Preis können die meisten Nicht-OPEC-Länder nicht mehr kostendeckend produzieren. Sie müssten, so der Fortgang der Spekulation, ihre Förderung einstellen. Eine solche Aktion würde 1,5 bis 2 Jahre andauern, um die gewünschten Effekte zu erzielen. Danach würde der Ölpreis natürlich wieder steigen.

Das Szenario wäre zwar ein kurzzeitiger Spaß für Verbraucher. Es wäre aber eine Katastrophe für viele Lieferländer, insbesondere für einige OPEC-Staaten. Denn denen drohte durch die Auswirkungen eines Preisverfalls der Ruin, an dem sie ohnehin täglich entlangschrammen. So hätte beispielsweise der Irak bei einem Ölpreis von 15$ pro Barrel keine Chance, das Geld für den Wiederaufbau zu erlösen.

Diesem phantasievollen Szenario steht eine Realität gegenüber, die anders aussieht. Die angebliche Überversorgung des Marktes wird in den Vorratstanks nicht sichtbar. Im Gegenteil, sie sind so leer wie lange nicht mehr. Viele Lieferstaaten kämpfen mit großen Problemen, die ihre Produktionsfähigkeit schwächen. Zum Teil haben die ihren Ursprung in sozialen und politischen Spannungen wie beispielsweise in Nigeria und Venezuela. Jetzt scheint sich auch Ecuador in diese Reihe zu stellen. Das Land meldet die Einstellung der Vertragslieferungen. Der Irak als großer Hoffnungsträger für gewaltige Ölströme wird den Erwartungen nicht gerecht werden. Die Ölanlagen sind heruntergewirtschaftet. Es sind riesige Investitionen nötig, um sie wieder leistungsfähig zu machen. Sowohl die politische als auch die wirtschaftliche Unsicherheit werden diese Investitionen derzeit verhindern.

Um andererseits dem auf fallende Preise eingestellten Lager das Wort zu reden, ließ das US-Energieministerium gestern verkünden, dass es sowohl für das zweite als auch für das dritte Quartal eine Überziehung der erhöhten OPEC-Quoten um ca. 1,3 Mio. Barrel täglich oder gut 5% erwartet.

Davon ließen dich die Händler gestern allerdings nicht beeindrucken. Sie nahmen statt dessen eine Explosion auf einem US-Kriegsschiff im Persischen Golf, über deren Hintergründe nichts bekannt ist, zum Anlass, die Preise wieder kräftig aufwärts zu treiben. Die bewegen sich nun gegen den oberen Rand der seitlich verlaufenden Handelsspanne.

Heute Morgen legt der Gasölpreis immer noch leicht zu. Die Tonne kostet derzeit 217$.

Unsere Heizölpreise entwickeln sich prächtig. Gestern stiegen sie zwar gegen den Trend. Aber grundsätzlich profitieren sie enorm von der Talfahrt des Dollars. Sie haben vorgestern ein neues 12-Monats-Tief durchlaufen und sehr weit entfernt von einem absoluten Tief unserer 3-Jahres-Charts sind sie auch nicht mehr. Wie auch immer die Preisentwicklung weitergeht, sollte es niemanden reuen, zu diesen Preisen zu kaufen.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen