Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Arabisch ist der Ölmarkt überall

Der Vertrauensbereich von Ölmarktdaten lässt seit jeher zu wünschen übrig. Daten zu ein und demselben Sachverhalt variieren stark. Erklärungen bleiben oft unplausibel. Insbesondere ist das Problem aus den Schätzungen der Ölreserven in den OPEC-Staaten bekannt. Die allgemein verwendeten Angaben stammen aus Selbstauskünften der Förderländer. Sie stiegen in den 1980er Jahren und Anfang dieses Jahrhunderts aus bisher nicht geklärten Gründen nennenswert an. Ölfunde im Ausmaß der Anstiege wurden nicht getätigt. Beispiele der mysteriösen Zuwächse sind Iran +135 Prozent, Irak +283 Prozent, Kuwait +49 Prozent, Katar +623 Prozent, Saudi Arabien +57 Prozent, Vereinigte Arabische Emirate +222 Prozent.

Eine mögliche Erklärung des Phänomens liegt in der Struktur der OPEC selbst. Die Exportquoten werden nach dem Potenzial der Mitgliedsländer festgelegt. Wer viel Öl hat, darf viel Öl fördern und exportieren. Um Wachstum im Ölgeschäft zu generieren, mussten die Staaten Ölreserven schaffen. Das ist nicht zwingend eine Sache von Investition und Exploration. Es kann auf ein buchhalterisches Handeln reduziert werden. Die jeweiligen Zahlen werden schlicht geschönt. Das hört sich nach einem arabischen Marktgebaren an. Und in der Tat betreffen die Selbstauskünfte zum Thema geschlossene arabische Märkte. Die Buchhaltungen der realen Exporte erfüllen dabei durchaus internationale Standards. In anderen Worten, man weiß bis heute nicht, ob die Reserven, mit denen global gerechnet wird, existieren oder nicht. Das ist ein Teil der Intransparenz des Marktes und ein Grund für wilde Preisbewegungen. Sie lassen der Spekulation ein weites Feld.

Der verrückte Umgang mit Marktdaten ist aber keineswegs allein ein arabisches Phänomen. Selbst in den USA kursieren Zahlen zum Ölmarkt, die jedwede Solidität und Regelmäßigkeit ihrer Erhebung in Frage stellen. Die jüngsten Angaben über die US-Bestände in den öffentlichen Tanklagern sind ein treffliches Beispiel dafür. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) legten folgende Zahlen zur wöchentlichen Veränderung vor:

Rohöl: +2,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +6,6 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -4,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: -4,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,2 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 5,5 (DOE) bzw. ein Aufbau von 7,3 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung ist auf 84 Prozent gefallen. Die Gesamtbestände liegen auf Vorjahresniveau. Angesichts des Nachfragerückgangs in den USA kommt dieser Sachverhalt einem Bestandsaufbau gleich.

Dem geneigten Leser ist der ausgewiesene Widerspruch nicht vermittelbar. Und selbst der gemeine Spekulant gerät ins Straucheln ob der wilden Differenz der Daten. Aber das Lotteriespiel an der Börse blüht. Die Preise tanzen Cha-cha-cha. Eigentlich befinden sie sich in einem kurzfristigen Abwärtstrend. Gestern drehten sie aufwärts.

Heute Morgen hält die Aufwärtsrichtung an. Ob sie auch durchhalten wird, vermögen wir nicht abzusehen. Da die Finanzszene in diesen Tagen mehr um die globale Konjunktur als um die Ölvorräte besorgt ist, sind Hoffnungen auf einen Fortgang der Abwärtsbewegung berechtigt. Die Tonne Gasöl kostet 1.005 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 103,09 Dollar und in London zu 120,49 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,11 Eurocent.

Unsere Heizölpreise bewegten sich gestern kaum. Den Anstieg der Ölnotierungen konnten sie mit Hilfe der Dollarverschiebung abwehren. Abseits vom Tagesgeschehen halten wir eine weitere Verbilligung von Heizöl, die über die Ölnotierungen hereingetragen wird, für möglich. Ihr Ausmaß wird auf ein paar wenige Cent begrenzt sein. Wer es spekulativ mag, kann sich nun ausprobieren. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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