Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Außen hui, innen pfui

Öl wird immer billiger. Der Dollar wird immer teurer. Seit seinem Höchststand im Juli hat sich der Rohölpreis mehr als halbiert. Der Gasölpreis hat sich exakt halbiert. Der Dollar konnte ein Viertel an Wert gewinnen. In Euro notiertes Gasöl ist knapp 40 Prozent billiger geworden. Wesentlicher Grund für den Preisverfall ist die Finanzkrise und die dadurch indizierte Erwartung einer weltweiten Wirtschaftskrise mit sinkender Ölnachfrage. Seit vier Wochen wird diese Erwartung mit steigenden US-Lagerbeständen garniert. Die Bestände waren zuvor als Folge der schweren Hurrikane kräftig eingebrochen. Im Betrachtungszeitraum der Preise haben sich die Vorräte kaum verändert. Die selektive Wahrnehmung der Börsianer ist aber nicht auf die Gesamtsituation sondern auf die aktuelle Veränderung der Bestände gerichtet. Und die gibt bärische Signale. Aktuell sind keine Regungen zu erkennen, die ein Ende des Preisverfalls beim Öl und des Wertzuwachses beim Dollar erkennen lassen.

Gestern wurden die wöchentlichen Bestandsveränderungen für die USA durch DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) verkündet. Sie weisen in guter Übereinstimmung einen Aufbau aus. Die Zahlen lauten wie folgt:

Rohöl: +3,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,8 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: +2,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 8,1 (DOE) bzw. 4,2 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind höher als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf 85 Prozent gestiegen. Der Wert ist unbefriedigend. Das wird ignoriert. Gesehen wird lediglich das Plus gegenüber der Vorwoche.

Die Gesamtbevorratungslage ist neutral. Die Heizölbevorratung ist etwas knapp vor dem Winter. Bei extremen Temperaturen könnten Engpässe entstehen. Dass diese angesichts der streng bärischen Preisbildung einen bullischen Einfluss bewirken werden, scheint derzeit fast unmöglich zu sein.

Kurzfristig bullisch sollte der morgen verkündete Kürzungsbeschluss der OPEC wirken. Über den genauen Inhalt dieses Beschlusses darf noch spekuliert werden. Die Ölminister werden einen Spagat hinlegen müssen, der ihnen die gewünschte Umkehr der Preisbewegung bringt und gleichzeitig keine zusätzlichen Gefahren für die Konjunktur darstellt. Das Unterfangen ist zum Scheitern verurteilt. Daher kann ein aus dem Beschluss resultierender Preisanstieg, wenn er denn überhaupt kommt, nur von kurzer Dauer sein. Charttechnisch würde er gut ins Bild passen, weil eine Gegenreaktion auf den Preisverfall allemal fällig wäre.

Insgesamt hat der Ölmarkt durchaus bullische Preisquellen. Diese liegen in Ausfällen der Infrastruktur auf Grund von Zerstörungen und von mangelhaften Investitionen. Sie werden langfristig ihre Wirkung zeigen. Der Preisrückgang von heute und morgen ist die Basis für den Preisanstieg von übermorgen. Hiermit sind keine 24-Stunden-Tage gemeint.

Heute Morgen gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass der Preisverfall stoppt. Die Tonne Gasöl kostet 656 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York mit 67,24 Dollar gehandelt.

Unsere Heizölpreise machen die erfreuliche Bewegung des Weltmarkts nicht mit. Statt zu fallen, steigen sie. Im deutschen Markt herrscht Chaos. Verbraucher agieren so irrational, wie man es sonst nur von Börsianern gewohnt ist. Sie sind streng bullisch eingestellt. Gekauft wird mittlerweile zu fast jedem Preis. Dabei sind Überhöhungen gegenüber dem Weltmarktpreis von bis zu 20 Prozent herausgekommen. Einige Kunden ordern bereits das dritte Mal in diesem Jahr. Andere melden dringenden Bedarf wegen eines leeren Tanks und akzeptieren dennoch eine Lieferzeit von neun Wochen. Über allem steht das Motto „lieber Öl im Tank als Geld auf der Bank“. Es ist schwer, sich gegen den Eindruck zu wehren, dass hier die Nachwehen einer Kriegsgeneration, die Entbehrung und Währungsverfall erlebt hat, freien Laufen haben. Das, was als Unverschämtheit der Preisgestaltung empfunden wird, hat erst ein Ende, wenn die Mehrheit der Käufer dies durch ihr Verhalten erzwingt. Verweigern Sie den Kauf zu diesen Preisen! Lassen Sie sich von den Medien nicht erzählen, dass Heizöl derzeit billig sei! Um sich zukünftig vor derartig absurden Marktlagen besser schützen zu können, ist es zweckmäßig, die Reichweite der Bestände in den Verbrauchertanks einschätzen zu können. Zu diesem Zweck empfehlen wir, beim Logbuch für den Heizölverbrauch mitzumachen. Durch die simple Eingabe von Tankständen erhält man einen Überblick über die eigene Verbrauchslage und die Energieintensität des Hauses. Wenn die Zahl der Mitmachenden groß genug ist, werden sie in den wertvollen Genuss kommen, die Bedarfslage in der eigenen Region zu sehen.

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