Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Auf Panikmache folgt Beschwichtigung

Wetter und allgemeine Versorgungslage drücken weiter auf die Preise. Während Rohöl durch die Probleme in Nigeria, zwei Pipelines wurden gesprengt, unter etwas Spannung gehalten wird, gibt Heizöl am internationalen Markt nach. Noch spricht vieles dafür, dass sich die Preise seitwärts bewegen werden. Ein Durchbruch nach unten liegt allerdings in der Luft, da die Temperaturen in den US-Heizölregionen relativ hoch bleiben. Der Dollar hängt zwischen einem Seitwärts- und einem Abwärtstrend fest. Er bewegt sich kaum.

Die Aussichten sind ambivalent. Die fundamentale Beschreibung der Ölmarkte bietet von momentan gut oder sogar überversorgt bis zu einem neuen Nachfrageschub im zweiten Halbjahr 2006 für jede Stimmungslage etwas. Der hohen Nachfrage soll allerdings ein deutlich erhöhtes Angebot gegenüber stehen. Insbesondere von den Nicht-OPEC-Ländern, allen voran Russland, werden höhere Fördermengen erwartet. Die sollen in 2006 besonders steigen, weil neben den geplanten Steigerungen auch Nachläufer aus verzögerten Projekten und anderen Problemen des Jahres 2005 hinzukommen. In den USA waren das die Hurrikane Rita und Katrina, in Russland war es die Yukos-Affäre, Ereignisse, die so gut wie überwunden sind. Von der OPEC erwartet man ebenfalls eine Steigerung der Produktion.

Nach den emotional aufgewühlten Monaten im Spätsommer mit immer neuen Preishochs und teilweise unglaublichen Preisprognosen für die kommenden Monate und Jahre hat sich die Stimmung nun deutlich abgekühlt. Während Analysten in der Hochzeit der Preissteigerung Werte weit über 100 Dollar pro Barrel lancierten, fangen sie nun an, sich mit Preisherabstufungen zu unterbieten. Bis Ende 2006 prognostizieren viele Bankangestellte einen um 10 Dollar niedrigeren Rohölpreis. Ihre Kollegen der verschiedenen Ölinstitutionen sehen die Lage nicht so rosig. Sie weisen auf die Gefahren hin, die das rasante Nachfragewachstum mit sich bringt, und fordern zu erheblichen Anstrengungen bei Effizienzsteigung und Nutzung alternativer Energieträger auf. Die analysierenden Banker vertreten die große Gruppe der Spekulanten. Die ist naturgemäß wechselhaft in ihrem Verhalten und trägt viel zur allgemeinen Nervosität am Markt bei.

Die Prognosen der Analysten treffen auf ein durch die Wetterentwicklung in den USA begünstigtes Umfeld. Weil das Hauptprodukt des Winters - das Heizöl - z.Z. wenig nachgefragt wird, fallen die knappen Raffineriekapazitäten derzeit nicht auf. Sie werden die störungsfreie Versorgung bei deutlich steigender Nachfrage aber immer wieder in Frage stellen. Das Dilemma wird auch 2006 fortbestehen. Nicht die Menge verfügbaren Rohöls sondern die Menge verfügbarer Produkte stellt die kritische Größe im Markt dar.

Wie der Markt im kommenden Jahr auf die reale Versorgungslage reagieren wird, lässt sich nicht abschätzen. Eine hohe Preiserwartung trägt dem hohen Nachfragewachstum Rechnung. Wenn die Versorgung dennoch weitgehend störungsfrei funktioniert, was sehr wahrscheinlich ist, bleiben die Gründe für negative Überraschungen gering. Das dämpft mögliche Überreaktionen des Marktes. Eine niedrige Preiserwartung öffnet dagegen eher die Pforten für Übertreibungen als Folge unerwarteter Probleme oder Problemchen. Wird der Markt bei einer falschen Einschätzung ertappt, neigt er zu Preisexzessen. So gesehen, wäre die Erwartung hoher Preise kein schlechter Einstand für das neue Jahr, zumal die wirtschaftlichen Folgen bisher noch keinen nennenswerten Schaden aufweisen. Ein Exportland wie Deutschland profitiert sogar von den hohen Einnahmen der Ölstaaten durch wachsende Exporte. Die Erwartung hoher Einnahmen würde die Investitionsbereitschaft zudem steigern. Das wäre eine gute Grundlage für die Verhinderung höherer Preise.

Charttechnisch ist der langfristige Aufwärtstrend immer noch das Grundmuster der Preisbewegung. Aktuell sieht es dagegen durchaus verheißungsvoll für einen weiteren Preisrückgang aus. Aus den Engagements der großen Spekulanten ist wenig Substanz für eine Einschätzung zu ziehen. Papiere auf Rohöl werden in einer neutralen Verteilung zwischen bärisch und bullisch gehalten mit einer leichten Veränderung zum Bullischen. Bei Papieren auf Heizöl verhält es sich genau umgekehrt.

Heute Morgen fallen die Gasölpreise. Sie bestätigen zumindest zum Handelsbeginn die Chance auf ein neues Sechs-Monats-Tief. Die Tonne kostet 492 $.

Unsere Heizölpreise geben nach. Wir stehen der Möglichkeit deutlich sinkender Preise zwar immer noch mit einer gewissen Skepsis gegenüber. Die kurzfristigen Chancen sind aber eindeutig vorhanden. Die aktuellen Preise sind allemal Kaufpreise. Die Nord-Süd-Differenz der Preise auf Grund der eingeschränkten Befahrbarkeit der Wasserstraßen geht weiter zurück. Die Pegelstände erholen sich. Die Frachtraten sinken.

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