Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Auf der Jagd erschossen

Öl gilt als wichtigster Schmierstoff der Wirtschaft. Wenn dieser Schmierstoff zu teuer ist, leidet die Konjunktur. Der Ölpreis fällt. Also muss es der Konjunktur gut gehen. Schön wäre es. In diesen Tagen wird deutlich, dass es einen noch wichtigeren Schmierstoff des Wirtschaftsgefüges gibt. Vertrauen. Vertrauen ist abstrakt. Es wird nicht an der Börse gehandelt. Man kann sich daran nicht bereichern, zumindest nicht materiell. Auf der Jagd nach den ganz großen Gewinnen wurde das Vertrauen erschossen. Nun stellt man fest, dass man einen großen Verlust zu beklagen hat. Es deutet sich an, dass sich die Welt als Folge des Jagdunfalls nachhaltig ändern wird. Derzeit betrifft das in erster Linie die alten Industrieländer. Aber auch in den Schwellenländern wird der große Gewinn gejagt. Die Waffen, mit denen man zur Tat schreitet, sind nicht so fein gearbeitet wie in den USA und Europa. Zum Jagen taugen sie nicht minder. Getragen werden die Waffen hier wie dort von Gier. Hier wird die Gier für den Mord am Vertrauen bereits angeklagt. Dort weiß man noch nicht, wozu die Gier fähig ist. In Russland weiß man es mittlerweile schon. Das Land erlebt gerade einen nicht mehr für möglich gehaltenen Börseneinbruch. Seit Mitte des Jahres stürzte der Leitindex um fast 70 Prozent ein. Aktuell befindet er sich im freien Fall. Minus 28 Prozent stand am Ende des gestrigen Handels auf der Uhr. Dieser Umstand wird nicht ohne Einfluss auf die Ölversorgung bleiben. Investitionen in neue Projekte werden nicht mehr getätigt. Der weitere Rückgang der russischen Förderung ist vorherbestimmt. Als Konsequenz wird Öl teurer werden.

Von teurerem Öl wird kurz- bis mittelfristig kaum die Rede sein. Der Abwärtstrend wird andauern. Er ist kein Produkt des Ölmarkts selbst. Er ist das Produkt der Vertrauenskrise, die in eine handfeste Wirtschaftkrise zu münden scheint. Die Nachfragezahlen der USA werden im Monatstakt herabgestuft. In Europa sieht die Lage ähnlich aus. Bisher ging man davon aus, dass China, Indien und Russland das Minus der alten Verbraucherländer durch ihr Plus wettmachen werden. Diese Prognose wird zunehmend unrealistisch. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird die Weltölnachfrage sinken. Dieser Umstand tritt in einem Moment ein, da wichtige OPEC-Länder ihre Förderleistungen steigern. Vor wenigen Monaten schwadronierten die heute ins Abseits geratenen Investmentbanken und Topmanager der Ölkonzerne darüber, dass Öl bereits Mangelware ist. Heute sehen wir eher einem Überangebot entgegen. Das könnte die OPEC natürlich leicht ändern, indem sie den Ölhahn kurzerhand zudreht. Sie wird es nicht tun. Denn weder werden ihre Ölminister freiwillig auf Einnahmen verzichten, noch werden sie einer rückläufigen Weltwirtschaft die Bürde zu hoher Ölpreise auferlegen. Letzteres würde ihre Interessen zusätzlich unterminieren.

Mit sinkenden Ölpreisen werden Investitionen in neue Fördermaßnahmen allerorten unattraktiver. Sie werden unterbleiben, wenn sie nicht bereits durch die Liquiditätskrise unterblieben sind. Und selbst bestehende teure Förderungen werden zur Disposition gestellt. Die bisher gültigen Grenzkosten für die Ölförderung von annähernd 100 Dollar im Fall der Ölsände Kanadas werden fallen, wenn die Welt weniger Öl braucht. Sie werden nicht fallen, weil die Kosten der Förderung sinken. Sie werden fallen, weil man auf dieses teure Öl verzichten wird. Damit wird der rückläufige Ölpreis nicht nur ein Produkt negativer Spekulation sein, sondern durch die realen Kosten untermauert werden.

Wie lange der Ölpreisrückgang dauern wird, hängt wesentlich vom Verlauf der Vertrauenskrise ab. Heute sieht es nicht danach aus, dass es sich um ein kurzes Gewitter handelt. Eher drängt sich der Eindruck einer Sintflut auf. Es werden fleißig Archen gebaut. Ob diese seetauglich sind, weiß kein Mensch. Je länger die Krise andauert, umso tiefer kann der Ölpreis fallen. Ins bodenlose wird er allerdings nicht stürzen. Denn bereits heute sind die realen Förderkosten höher als vor einigen Jahren. Damit ist die untere Preisgrenze vorgegeben. Aus heutiger Sicht ist ein Rohölpreis unter 50 Dollar nicht mehr vorstellbar. Um diesen zu erreichen, muss die Krise aber bereits mächtig fortgeschritten sein. Am Ende dieser Krise wird ein rasanter Ölpreisanstieg stehen. Denn wenn es der Konjunktur eines Tages wieder besser gehen wird, werden die nicht getätigten Ölinvestitionen zu Mangelerscheinungen führen.

Heute denkt niemand an diesen Moment. Abwärtstrend der Preise ist angesagt. Aber selbst in einem sicheren Trend gibt es Übertreibungen, die korrigiert werden. Danach sieht es heute Morgen aus. Die Tonne Gasöl ist teurer als gestern Abend. Sie kostet 826,75 Dollar. Das Barrel Rohöl in New York hat sich bereits auf 91,05 Dollar aufgeschwungen.

Unsere Heizölpreise machen den Abwärtstrend des Weltmarkts nicht mit. Auf Grund der extrem hohen Auftragslage im Binnenmarkt kommen sie über einen Seitwärtstrend nicht hinaus. Die Margenüberhöhung besteht fort. Sie beträgt zwischen fünf und zehn Prozent. Den Löwenanteil der zusätzlichen Marge schöpfen die Raffineriegesellschaften ab. Sie erlebten im September einen gewaltigen Gewinnanstieg. So konnte die Raffinerie in Karlsruhe den größten Gewinn ihrer Geschichte verbuchen. Die Lieferzeiten für Heizöl sind nach wie vor erheblich länger als normal. Wer nicht Gefahr läuft, leer zu stehen, sollte sich auf die Spekulation tieferer Preise im Winter einlassen. Nach derzeitigem Stand der Dinge sind die Chancen deutlich höher als die Risiken. Auch wenn die Preise wahrscheinlich weiter nachgeben werden, ist es allemal sinnvoll sich vor dem nächsten Preisanstieg um die Senkung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. In deutschen Häusern steckt enormes Sparpotenzial. Um diesem auf die Spur zu kommen, haben wir das Logbuch für den Heizölverbrauch entwickelt. Seine Nutzung ist kostenlos.

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