Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Aufwärts kaum vermeidbar

Die Preise purzeln und die Leute greifen zu. In den letzten Tagen wurde extrem viel Heizöl geordert. Das Gros der informierten Verbraucher versteht den plötzlichen Preissturz als Kaufgelegenheit. Hoch spekulativ eingestellten Ölheizern reicht der Preisrückgang nicht. Sie setzen auf einen kapitalen Börsencrash.

Fundamental ist in den letzten zwei Wochen nichts Bemerkenswertes vorgefallen. Der Markt ist auskömmlich mit Öl versorgt. Die Welt wird nach Lage der Dinge etwas weniger Öl nachfragen als vor einigen Monaten angenommen. Mehr als im Vorjahr wird sie aber dennoch brauchen. Der Trend zur Nachfragesteigerung setzt sich ungebrochen fort. In den USA sind Autofahrer zum Erstaunen vieler Analysten sparsamer geworden. Sie kommen mit weniger Sprit aus. Die Reduzierung des prognostizierten Wachstums stiftete Unruhe unter den Finanzjongleuren. Die nahmen ihre extrem bullische Einstellung zurück und sorgten damit für den Anstoß zum Preiseinbruch. Die anschließende Kettenreaktion, die zum größten Ölpreissturz seit Einführung des Futures-Handels führte, wurde von Computern ausgelöst. Zeitgleich zum Absturz von Öl- und anderen Rohstoffwerten rückte die faktische griechische Staatspleite erneut in die Schlagzeilen. Sie drückt auf den Euro und hebt den Wert des Dollars. Dieser Umstand wirkt traditionell bärisch auf den Ölpreis.

Für das globale Finanzsystem ist Griechenland relativ bedeutungslos. Die seit Jahren drohende Pleite des US-Bundesstaats Kalifornien hat beispielsweise sehr viel mehr Gewicht. Trotz aus dem Ruder laufender Staatsfinanzen einiger EU-Länder ist die Schuldenlage der EU als Ganzes nicht so verheerend wie die der USA. Insofern sollte die gegenwärtige Euro-Dollar-Entwicklung eher eine konsolidierende Gegenbewegung zum Abwärtstrend des Dollars als eine neue Trendrichtung sein.

Über die globale Ölversorgung wird abseits des täglichen Börsengebrabbels ernsthaft diskutiert. Ende April trafen sich Fachleute aus aller Welt in Brüssel, um einmal mehr nach Klarheit in der Peak-Oil-Frage zu suchen, also der Frage, die sich mit dem Auftreten und den Konsequenzen des Zeitpunkts der maximal möglichen Ölförderung beschäftigt. Die Zahl derjenigen Fachleute, die Peak Oil im Bezug auf konventionelles Öl, das ist preisgünstig förderbares Öl, bereits überschritten sehen, wächst. Dass trotz großer Anstrengungen nur eine vage Erkenntnislage preisgegeben werden kann, die in einer Art Glaubenbekundung Ausdruck findet, liegt an der vollkommen unzulänglichen Informationspolitik vieler OPEC-Staaten. Sie legen keine belastbaren Daten über ihre Reserven vor. Es sind erhebliche Zweifel angebracht, dass die ausgewiesenen Bodenschätze wirklich vorhanden sind. Der Verdacht ist berechtigt, dass diese nur halb so groß sind wie angegeben. Bereits heute werden nennenswerte Mengen unkonventionellen Öls produziert. Es wird unter anderem aus der Tiefsee und aus Ölsand gewonnen. Dieses Öl ist sehr viel teurer als konventionelles Öl. Es ist ein Teil der Begründung für steigende Ölpreise. Unkonventionelles Öl gehört genau wie Bioöl zum Gesamtangebot. Dieses Gesamtangebot wird nach einhelliger Meinung der Fachleute zwischen 2015 und 2025 peaken. Die Zeitspanne scheint sowohl groß als auch unsicher zu sein. De facto ist die Spanne mit Blick auf die Geschichte der industriellen Ölnutzung weder groß noch fern. Sie bietet mehr als ausreichenden Anlass für hektische Betriebsamkeit im Hinblick auf Lösungen für ein Leben nach Peak Oil.

Hektik in dieser Frage wird allenfalls an den Börsen praktiziert. Politik und Realwirtschaft üben sich in nachlässiger Zurückhaltung. Je mehr sie das tun, desto mehr Raum hat der Finanzzirkus zur Spekulation. Zu allem Überfluss wurde und wird dieser Zirkus auch noch mit den finanziellen Mitteln zur exzessiven Spekulation ausgestattet.

Die verschiedenen Einflüsse lassen es plausibel erscheinen, dass die Ölpreise tendenziell steigen. Das Überangebot an Geld, das nicht dem Verbraucher, sondern der Finanzwirtschaft zur Verfügung steht, befördert den Preis dabei weit über ein Maß hinaus, das den meisten Menschen akzeptabel erscheint. Theoretisch kann Politik die Preisüberhöhung zurückdrehen. Praktisch wird das nicht geschehen, aus Angst vor unübersehbaren Folgen der entsprechenden Maßnahmen auf die Wirtschaft. Aber selbst wenn Politik genügend Chutzpe zum Eingriff besäße, ist die längerfristige Preissteigerung unvermeidbar, zumindest solange wie die Ölnachfrage steigt.

Vor diesem Hintergrund war und ist es mit Sicherheit kein Fehler, den aktuellen Preiseinbruch zum Heizölkauf zu nutzen. Die Alternative, den Börsencrash abzuwarten, passt vermutlich zeitlich nicht in den Rahmen des Durchschnittsverbrauchers. Zudem kommt sie mit Folgeproblemen daher, die noch weniger wünschenswert sind als der Ölpreis auf dem aktuellen Niveau.

Heute Morgen wackeln die Preise auf deutlich höherer Basis als gestern Früh hin und her. Eine Richtung ist nicht zu erkennen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie dabei irgendwie weiter aufwärts geraten, ist allerdings hoch. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 935 Dollar. Zum Vergleich, am letzten Donnerstag kostete sie 1.011 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 101,33 und in London zu 115,17 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 69,64 Eurocent.

Unsere Heizölpreise legten gestern erwartungsgemäß zu. Ursächlich ist die sich nach dem Absturz erholende Ölbörse. Noch ist Heizöl rund zehn Prozent billiger als in der Spitze vor einem Monat. Der Vorteil wird aller Voraussicht nach in den kommenden Tagen und Wochen schrumpfen. Insofern halten wir einen Kauf immer noch für sehr sinnvoll. Die große Lösung, den gewaltigen Preiseinbruch aufgrund eines Börsencrashs, erahnen wir derzeit nicht. Den Wunsch danach sehen wir zudem sehr skeptisch. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das beginnt mit dem Vermessen desselben. Hierzu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab und www.esytrol.com.

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