Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Aufwärts mit Fakten

Die Börsianer haben die rosarote Brille wieder abgelegt. Ihre selektiv positive Wahrnehmung von Nachrichten, die Verbrauchern einen erfreulichen Preisrückgang bescherte, wurde gestern weggeblasen. Die Preise zollten schlechten Daten über die US-Vorräte und warnenden Tönen der IEA (Internationale Energie Agentur) zur Versorgungslage Tribut. US-Rohöl verteuerte sich um über 4%.

Hoffnungen liegen auf der OPEC, die mehr Öl angekündigt hat, George W. Bush, der die strategischen Reserven anzapfen und alternativen Energien zum Durchbruch verhelfen soll, und Vladimir Putin, der den russischen Ölfluss steigern will. Um die Glaubwürdigkeit und die Fähigkeiten der Hoffnungsträger steht es indes nicht gut.

Die Realität wird u.a. von US-Zahlen über die Entwicklung der Ölvorräte beschrieben. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) meldeten unerwartete Rückgänge.

Rohöl: -4,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -8,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,2 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,2 Mio. Barrel (API)

Insgesamt betragen die Rückgange in den Lagern 2,0 bzw. 3,7 Mio. Barrel. Sinkende Lagerbestände werden seit einem Monat gemeldet, obwohl die Import- und Produktionszahlen recht hoch waren und sind. Die Rohölvorräte sind sogar seit 4 Monaten rückläufig. Dieser Umstand belegt den wachsenden Ölbedarf der USA.

Der Heizölvorrat liegt unter den Vorjahreszahlen. Rohöl und die Gesamtvorräte aller Produkte liegen darüber. Ihre Tendenz ist allerdings rückläufig. Dieser Umstand wirkt preistreibend. Investmentfonds fühlen sich eingeladen, wieder auf steigende Preise zu setzen. Warnende Zeitgenossen fühlen sich in ihrer Einschätzung der Marktlage bestätigt. Optimisten sehen die Möglichkeiten ihres Glücksritters George W. Bush steigen, die strategischen Reserven anzuzapfen.

Ein exponierter Warner ist der IEA-Chef Claude Mandil. Er wird mit den Worten "Wir brauchen weltweit sehr viel höhere Investitionen im Ölsektor, bei börsennotierten Konzernen ebenso wie bei Staatsgesellschaften. Die Nachfrage nach Öl steigt schneller als erwartet." zitiert. Der bisher übliche Überhang der Produktion gegenüber der Nachfrage ist weitgehend aufgezehrt. Das Verhältnis liegt nur noch bei 82 zu 81 Mio. Barrel Rohöl pro Tag. Die weltweite Nachfrage wächst stärker als der Aufbau von Förderkapazitäten.

Wenn irgendwo etwas schief geht, ist der Markt unterversorgt. Allein der Ausfall der russischen Yukos würde zu einer deutlichen Unterdeckung führen. Der Fall Yukos ist trotz Putins beschwichtigender Erklärung über Russlands Öllieferungen nicht ausgestanden. Neben Yukos gibt es den Irak, den weltweiten Terrorismus, unsichere Staaten wie Venezuela, Nigeria u.a., alternde und überlastete Raffinerien und andere Umstände, die ausfallträchtig sind.

Der langfristige Aufwärtstrend hat also eine fundamentale Basis. Der kurzfristige Abwärtstrend ist mit der gestrigen Bewegung zwar noch nicht beendet. Die Wahrscheinlichkeit für einen Fortgang ist aber stark gefallen.

Heute Morgen legt der Gasölpreis, der gestern um 7% stieg, weiter zu. Die Tonne kostet 375$.

Unsere Heizölpreise springen aufwärts. Sie haben etwa die Hälfte des Rückgangs der letzten Tage wieder abgegeben. Die Heftigkeit der Bewegung überrascht, wenngleich die Tatsache, dass die Preise wieder steigen angesichts der realen Versorgungslage nicht überraschen kann. Für eine wirklichkeitsnahe Hoffnung auf fallende Preise bleibt wenig Substanz. Die Wahrscheinlichkeit, dass bald neue Höchstpreise geschrieben werden, ist hoch.

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