Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Aufwärtstrend ante portas

In den letzten fünf Monaten konnte man mit Öl kaum Geld verdienen. Die Preise bewegten sich im Mittel seitwärts. Kurzfristig kam es dabei zu erheblichen Schwankungen. Ein paar glückliche Spekulanten haben daraus vielleicht doch Gewinn geschöpft. Der Traum der Zunft ist aber die ungestörte Geldvermehrung durch steigende Ölpreise. Und die deuten sich nun wieder an. Ein Aufwärtstrend steht vor der Tür. Die aktuelle Frage ist, was soll den noch verhindern? Die Konjunkturwelt ist voller frischer Energie. China glänzt im ersten Quartal dieses Jahres mit einem Wachstum von zwölf Prozent. Das klingt nach einem hohen Ölbedarf und nach einer Anschubentwicklung für den Rest der Welt. Möglich wurde der Kick durch gewaltige staatliche Konjunkturprogramme. Dass die auf Dauer nicht tragen und dass sie die Inflationsrate bedenklich in die Höhe trieben, sind Spielverderberbemerkungen von Menschen, die einen Aufwärtstrend der Ölpreise für ungerechtfertigt halten. Die gültige Spielregel sieht das Konsumieren um jeden Preis vor, damit die Rohstoffe der Erde möglichst schnell knapp werden, um ihre Preissteigerung zu rechtfertigen. Spielverderber sagen hingegen, die Rohstoffe sind derzeit noch nicht knapp. Und wenn wir unsere Wirtschaft intelligent weiterentwickeln, werden sie auch nicht knapp werden. Spekulanten sollten sich mit ihren geistigen Kapazitäten lieber an der kreativen Entwicklung der Realwirtschaft beteiligen, anstatt einen abgehobenen Wettbewerb des Abzockens zu veranstalten.

Deutsche Heizöl- und Benzinverbraucher werden sich über die Bemerkung vom seitwärts bewegten Preistrend wundern. Für sie sah die Realität mindestens in den letzten zwei Monaten anders aus. Die Preise stiegen kontinuierlich. Grund ist der forsche Anstieg des Dollars gegenüber dem Euro. Beim Benzin kommt ein weiterer Anlass hinzu. Für dieses Produkt steigt auch die in Dollar notierte Basis seit einem Monat über ihre zuvor gültigen Obergrenzen hinaus. Die alten Reflexe der Spekulanten, die ob der im Frühjahr einsetzenden Fahrwut der US-Amerikaner von einer Mangelwirtschaft beim Kraftstoff träumen, leben immer noch. Die Bemerkung, dass es diese Mangelwirtschaft nicht gibt, erübrigt sich. Raffineriekapazität ist derzeit eher zu viel als zu wenig vorhanden. Eine Art ausgleichende Gerechtigkeit erfuhr die Preisbildung übrigens vor dem aktuellen Anstieg. Da hinkte die Benzinpreisentwicklung hinter der Preisentwicklung von Rohöl und Heizöl hinterher. Im Resultat führt das dazu, dass in Dollar notiertes Benzin im letzten dreiviertel Jahr um zehn Prozent teurer wurde. Rohöl und Heizöl verteuerten sich hingegen um annähernd 20 Prozent. Ähnlich reflexartig wie sich die Spekulantenszene im Frühjahr ins Benzin stürzt, machen sich Presse und Politik wegen der steigenden Preise über die Mineralölkonzerne her. Diese Branche braucht bestimmt keinen argumentativen Schutz von uns. Sie hat genügend Leichen im Keller, für die sie angeklagt werden sollte. Diese Leichen wurden in erster Linie in wenig entwickelten Ländern in gemeiner Aktion mit korrupten Volksvertretern produziert. Vollkommen blödsinnig und geradezu ablenkend ist es allerdings, die Gesellschaften der Preistreiberei am heimischen Benzinmarkt anzuklagen. Die Preisentwicklung an den Tankstellen liegt komplett in Deckung mit der Preisbildung an den Börsen. Nach wie vor gehören die um die Steuer befreiten Benzinpreise hierzulande zu den niedrigsten in ganz Europa. Es wäre wünschenswert, wenn Journalisten nicht fortwährend die gleichen Fehlmeldungen produzierten und wenn Autoclubs ihre Macht für die sinnvolle Senkung des Kraftstoffverbrauchs einsetzen, anstatt unsinnige Scheinschlachten mit nicht vorhandenen Gegnern zu führen.

Der unreflektierte mediale Umgang mit Preissteigerungen bei Öl und Gas führt zu nicht minder unreflektierten Ideen zur Verbesserung einer als ungerecht empfundenen Situation. Auf Platz eins im Ideenranking scheint sich immer noch die von einer passiven Lebenseinstellung geprägte Erwartung an die altruistische Führungsfähigkeit der Politik zu halten. Man spürt in diesem Zusammenhang eine sozialistische Ursehnsucht, die als solche aber nicht offen benannt werden sollte. Auf Platz zwei findet man individuelle Aktivisten, für die sich das Problem auf die anstehende Wahl des richtigen Energieträgers beschränkt. Diese Gruppe bekommt von der Politik die eine oder andere fragwürdige Unterstützung. Öl und Gas wird der Nimbus des No-Go-Stoffs verhängt. Strom und Holz wird das Glück zu teil, für eine bessere Welt zu stehen. Dass der Strompreis in den letzten Jahren im Mittel stärker stieg als der Ölpreis, war noch nicht Gegenstand einer Pressekampagne, ebenso wenig wie seine nicht bessere Umweltverträglichkeit bei gegenwärtiger Produktionsweise. Dass auf der heutigen Verbrauchsbasis kein wirklich gewichtiger Anteil aus regenerativer Produktion erreichbar ist, wird ebenfalls nicht laut moniert. Dass trotz Subventionen, die heute bereits in Sichtweite von denen für Kohle und Atom kommen, nicht mal ein Prozent des Stroms aus Sonne gewonnen wird, weiß kaum jemand. Dass der Einsatz von Holz als Brennstoff zur Substitution von Öl und Gas den schnellen Tod nicht nur des heimischen Waldes zur Folge hätte, wird ebenfalls verschwiegen. Und der Traum von der elektrischen Mobilität ist angesichts der Material- und Finanzschlacht, die damit einhergeht ein mehr als fragwürdiger. Die Tatsache, dass China jedes Elektroauto mit 6.000 Euro bezuschusst, zeugt zwar von einem bemerkenswerten Willen, Industriepolitik zu betreiben. Einen neuen Umgang mit Ressourcen zeigt diese Politik indes nicht. Allen genannten Energieformen ist zueigen, dass sie weder gut noch schlecht sind. Wie immer im Leben geht es darum, die richtige Dosierung zu finden. Um eben diese Dosierung dreht sich die Debatte nicht. Sie ist anstrengend, weil sie nicht nur neue Technik im alten Kleid, sondern ein neues Denken verlangt. Diese Debatte voranzutreiben, wäre eine lohenswertere Kampagne als das Geplänkel um den Benzinpreis.

Heute Morgen nimmt der Aufwärtsdrang an den Börsen seinen weiteren Lauf. Noch ist er nicht durch das letzte obere Limit gebrochen. Aber er kratzt kräftig daran. Die Tonne Gasöl kostet 675,25 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 82,52 Dollar. Der US-Dollar wird zu 74,02 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise steigen fröhlich weiter. Momentan werden sie mehr vom Rohölpreis als vom Dollar getrieben. Verbraucher sehen das gar nicht fröhlich. Sie verweigern angesichts des nicht endenden Anstiegs den Kauf. Es braucht wohl einen satten Preiseinbruch, um die Kauflaune zu reaktivieren. Aus Einsicht wird die Finanzszene einen solchen Einbruch nicht veranstalten. Einige Ökonomen sehen im Herbst schwere Zeiten auf die Wirtschaft zukommen. Das wäre dann ein Moment für einen Einbruch. Mehr als eine Prognose ist diese Aussage nicht. Ihr Wert ist erfahrungsgemäß gering. Wer an diese Prognose glaubt, muss mit dem Kauf warten. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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