Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Aufwärtstrend dreht bei

Die Preise geben kräftig nach. Der von vielen Börsianern herbeigeredete Aufwärtstrend hat z.Z. keine Chance. Die Versorgungslage ist zu gut. Aktueller Auslöser für den Preisrückgang sind die Wetteraussichten in den USA. Zu Weihnachten werden relativ milde Temperaturen erwartet. Der Dollar ist vor einer Woche mit einem außergewöhnlich heftigen Kursverfall in einen Abwärtstrend übergegangen. In den letzen Tagen stabilisierte er sich mit kleinen Ausschlägen.

Die Lagerbestände geben keinen Anlass, an ein Versorgungsproblem im Winter zu denken. Hart gesottene Spekulanten auf steigende Preise wähnen sich allerdings durch Prognosen über hohe Nachfragesteigerung in 2006 auf der richtigen Seite. Ihre Einstellung führte dazu, dass im Heizölhandel ein kleines Übergewicht von sogenannten Longpositionen - bullische Positionen ? erreicht wurde. Das dürfte durch die jüngsten Wetterprognosen für die US-Heizölregionen aufgerieben sein. Aus heutiger Sicht ist die Wahrscheinlichkeit zwar groß, dass die Bullen im Laufe des Jahres 2006 die Oberhand gewinnen. Während des Winters dürften sie sich allerdings kaum durchsetzen können. Es sei denn, eine Reihe negativer Umstände veränderte die aktuelle Gesamtlage. Dazu gehört beispielsweise die politische Auseinandersetzung mit dem Iran oder eine dramatische Veränderung des Wetters.

Momentan stehen die Zeichen aber eher positiv. Die OPEC produziert mehr Öl als sie absetzen kann. Russland konnte die Produktion wider den Erwartungen in den ersten drei Quartalen des Jahres 2005 um 2,2 Prozent gegenüber 2004 steigern. Die Wiederaufnahme der Produktion im Golf von Mexiko geht nun schneller voran. Die Ausfallrate ist auf unter 30 Prozent gefallen.

Ein weiterer Aspekt, der nicht ohne Einfluss an den Börsen bleiben wird, ist der Umstand, dass in den USA öffentlich über Energiesparen diskutiert wird. Selbst konservative Ölgesellschaften legen ihren Kunden die Notwendigkeit nahe, ihr Verbrauchsverhalten zu dämpfen. Dahinter steht nicht etwa die Wandlung vom Saulus zum Paulus. Vielmehr ist es die Flucht nach vorne, um der öffentlichen Kritik der ungerechtfertigten Bereicherung zu entgehen. Durch den Preisanstieg der letzten Jahre sind die Erlöse sprunghaft in die Höhe geschnellt. Für ein sogenanntes integriertes oder vertikales Unternehmen, das über die gesamte Wertschöpfungskette der Ölwirtschaft verfügt - vom Bohrloch bis zum Verbraucher ? sind die Kosten dagegen kaum gestiegen. Was bleibt, ist ein exorbitanter Gewinn, der die Öffentlichkeit erzürnt.

Die Preise sind nicht zuletzt so stark gestiegen, weil die Ölgesellschaften mit dem Aufbau von Infrastruktur zurückhaltend waren. Der sich daraus ergebende Mangel treibt den Preis. Das muss sich ändern, ist die Forderung von Politik und Öffentlichkeit. Da die Ölgesellschaften aber vor 25 Jahren in einer ähnlichen Lage mit der Entscheidung für mehr Infrastruktur massive Verluste eingefahren hatten, weil die Entwicklung schließlich doch anders verlief als prognostiziert, können sie heute die Zurückhaltung nicht einfach ablegen. Anstatt wieder riesige Summen in ein unsicheres Geschäft zu investieren, stecken sie lieber relativ kleine Beträge in Marketingkampagnen für Energiesparen. Das rückt sie in ein besseres Licht und die Nachfrage auf eine solidere Basis. Das Öl, das nicht unbedingt für den gewünschten Lebensstandard gebraucht wird, sollte gespart werden. Damit bleibt der sichere Rest des Bedarfs erhalten. Und der wird auf absehbare Zeit weiterhin Milliardengewinne fließen lassen.

Eine neue Einstellung des obersten Verbrauchers der Welt konnte man vor kurzem auch beim Montreal-Gipfel zum Kyoto-Protokoll erleben. Die USA scheinen nicht mehr grundsätzlich alles abzulehnen, was in Richtung konzertierter Aktion für das Klima geht. Sie seien bereit, über Maßnahmen zu sprechen, die allen zusagten, wird eine US-Verhandlungsführerin zitiert.

Nicht nur für den Ölpreis spielen die USA die erste Geige. Auch für seine Verrechung in unsere Währung bestimmen sie mit. Dabei fragt man sich mehr und mehr, ob sie das Heft des Handels wirklich noch in er Hand haben. Das beeindruckende Wirtschaftswachstum des Landes ist beängstigend stark auf Pump gebaut. Die USA nahmen in den ersten zehn Monaten des Jahres 165 Milliarden Dollar mehr Geld für Investitionen ein als sie mit ihrem Außenhandel an Schulden verursachten. Z.Z. sei das kein Problem, meinen Analysten. Der Dollar gibt nur moderat nach. Die Tatsache der gigantischen Verschuldung und der wachsenden Fremdbestimmung wird aber mit Sicherheit immer wieder für Verwerfungen an den Börsen sorgen.

Heute Morgen sorgt der sinkende Ölpreis für gute Stimmung. Gasöl nähert sich wieder der 500-Dollar Marke. Die Tonne kostet 508 Dollar.

Unsere Heizölpreise geben nach. Durch den Weltmarkt bekommen sie soviel Schwung nach unten, dass man ein neues Drei-Monats-Tief nicht mehr ausschließen kann. Ursprünglich waren wir der Meinung, dass die Tiefstpreise des Winters in weiten Teilen Deutschlands mit den Novemberwerten bereits erreicht waren. Trotz der guten Aussicht zum Wochenbeginn halten wir im Wesentlichen an der Prognose fest, dass die Preise in der nächsten Zeit um das aktuelle Niveau schwingen werden.

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