Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Aufwärtstrend gewinnt

Die US-Vorratsdaten fielen gut aus. Dennoch stiegen die Preise für Heizöl und Benzin weiter an. Sie laufen im Trend aufwärts. Ihren Antrieb bekommen sie von Verknappungsphantasien. Für Rohöl gibt es noch keinen klaren Aufwärtstrend. Der Preis wird sich dem Sog der Produkte aber nicht lange entziehen können. Der Dollar verbilligte sich gestern trotz guter Konjunkturdaten gegen den Trend.

Die aktuelle Versorgung ist dank gut gefüllter Lager auskömmlich. Von Mangel kann keine Rede sein. Die Ölanlagen in den US-Krisengebieten liegen noch brach. Sie werden nach heutiger Schätzung bis Jahresende eine Produktionslücke von 1,8% des Produktenbedarfs der USA verursachen. Das entspricht 0,4% des Weltbedarfs.

In den US-Lagern ereignen sich merkwürdige Dinge. Der Benzinvorrat steigt deutlich trotz der als desaströs empfunden Situation im Süden der USA. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) gaben gestern Folgendes zu Protokoll:

Rohöl: -2,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,1 Mio. Barrel (API)
Benzin: +4,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,2 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 1,5 (DOE) bzw. 1,4 (API) Mio. Barrel. Die Lager sind weiterhin gut gefüllt. Daran konnten Katrina und Rita offensichtlich nichts ändern. Wie bereits in der letzten Woche konstatieren wir, dass es in diesem Jahrhundert keinen besseren Gesamtbestand zum vergleichbaren Zeitpunkt gab. Nachdem die Heizölvorräte über fünf Monate gut aufgebaut wurden, sind nun die Benzinvorräte an der Reihe. Sie wachsen gegen alle Verknappungsgerüchte. Die Importe sind hoch. Die Raffinerieverfügbarkeit ist wieder eingebrochen. Sie ist dennoch höher als im Vorjahr. Damals legte Ivan die Anlagen lahm. Die Folgen des Hurrikans waren schwerwiegend. Aber die USA haben sie gut überwunden.

An den Börsen haben Mangelszenarien Konjunktur. Spekulanten lieben Übertreibungen in Bild und Preis. Der Mangel wird nach heutigen Erkenntnissen nicht eintreten. Die Preise werden dennoch weiter in die Höhe getrieben. Wenn es für Benzin und Heizöl weltweit Käufer gibt, die bereit sind, immer höhere Preise zu bezahlen, steigen diese logischerweise. Dass Käufer an den Börsen dazu bereit sind, könnte etwas mit dem erwarteten Mangel zu tun haben. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass sie in Wirklichkeit die noch vorhandene Bereitschaft der Endverbraucher, immer höhere Preise zu bezahlen, widerspiegeln. Die Weltwirtschaft akzeptiert die hohen Energiepreise schließlich ohne spürbare Dämpfung.

Märkte, die Preise an der Grenze des Versorgungsgleichgewichts bilden, neigen zu extremen Preisausschlägen nach oben wie nach unten. Eine angenommene Deckungslücke von 0,4% des Weltbedarfs kann leicht 50% Preissteigerung und mehr verursachen. Im Umkehrschluss heißt das, dass eine durch übertrieben hohe Preise provozierte Energiesparsamkeit von 2-3% einen gewaltigen Preiseinbruch hervorrufen muss.

Der wird kommen, allerdings nicht in absehbarer Zeit. Verbraucher sollten heute nicht darauf warten. Solange es von Regierungen subventionierte Ölpreise gibt, wird sich eine weltweite Sparsamkeit nicht einstellen können. Und es gibt viele Länder, in denen nicht Marktpreise sondern künstlich tiefgehaltene Preise für Ölprodukte gelten. China gehört dazu. Selbst in Europa wird über Steuerverfälschungen nachgedacht. Das ist mit Sicherheit der falsche Weg, um Verbrauchern langfristig zu vernünftigen Energiekosten zu verhelfen.

Momentan spielt der Markt verrückt. Der Lauf der Preise ist fieberhaft. Ein Ende des Hypes ist nicht in Sicht. Wider die Logik der Versorgung werden Ölprodukte noch teurer. Das Fieber muss ausgelebt werden. Es kann durchaus noch Jahre andauern. Verbrauchern bleibt nichts anderes übrig, als das zu akzeptieren. Das Sparen wird immerhin stimuliert. Und der Kauf während zwischenzeitlicher Preistiefs lindert die Last des hohen Niveaus. Solche Preistiefs wird es auch in starken Anstiegsjahren geben.

Heute Morgen hält sich der Gasölpreis auf dem hohen Stand von gestern. Die Tonne kostet 636,50$.

Unsere Heizölpreise drehten wieder auf. Sie befinden sich auf dem Weg nach oben. Entgegen der realen Versorgungslage lässt der Weltmarkt keine rückläufige Preisbildung zu. Die Ölbörsen fiebern weiter. Auf einen Einbruch muss anscheinend bis in den Winter hinein gewartet werden.

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