Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Aus für steigende Ölpreise

Mit ihrem aktuellen Monatsreport zieht die IEA (Internationale Energie Agentur) Hochpreisenthusiasten den Boden unter den Füßen weg. Die prognostizierte Nachfrage für das laufende Jahr wurde erneut um eine Mio. Barrel pro Tag gekürzt. Kalkuliert wird nun mit 83,4 Mio. Barrel pro Tag. Vor gut einem Jahr sahen die Schätzungen noch Werte um 89 Mio. Barrel pro Tag voraus. Der Nachfragerückgang entwickelt sich rasant. Er hat Dimensionen der Ölkrise um 1980 erreicht. Als Folge der schwindenden Nachfrage steigen die Rohölreserven der OECD Länder. Die IEA sieht sie deutlich höher als andere Institutionen. Sie werden mit einer Reichweite von 61,6 Tagen angegeben. Die Börse reagierte geschockt auf die Zahlen. Die Preise stürzten zwischenzeitlich ab. Gute Nachrichten vom US-Aktienmarkt verhinderten gestern aber ein extremes Tagesergebnis. Am Ende stand ein Minus von gut drei Prozent. Im Minus stand auch der Dollar. Spekulanten bevorzugen den Nervenkitzel der deutlich volatileren Aktien gegenüber der als sicherer geltenden US-Währung.

Die reale Basis, auf die der Nachfragerückgang bezogen werden muss, ist schwer auszumachen. Einigermaßen verlässliche Zahlen liegen erst 12 bis 18 Monate nach ihrem Eintreten vor. Ungeachtet der Tatsache, dass die meisten Angaben reine Schätzungen sind, macht die galoppierende Reduzierung der Nachfrageprognosen das Problem deutlich, mit dem die OPEC zu kämpfen hat. Die größte Kürzung der Geschichte mit ausgerufenen 4,2 Mio. Barrel pro Tag und erreichten 3,5 Mio. Barrel pro Tag ist zwar gemessen an den abgesicherten Verbrauchszahlen gewaltig und lässt einen Versorgungsengpass befürchten. Die Zahlen sind aber alt. Sie spiegeln nicht das wider, was in den letzten 15 Monaten geschah. Und so ist es sinnvoll, den Vergleich mit früheren Prognosen selbst anzustellen. Die weisen ein Nachfrageminus von fünf bis sechs Mio. Barrel am Tag auf. Gemessen an dieser Spanne ist die OPEC-Kürzung bedeutlungslos. Es wird deutlich, warum die Lager immer voller laufen. Nun kürzt die OPEC, deren Anteil an der Gesamtversorgung bei 33 Prozent liegt, nicht allein. Die Versorgung durch Nicht-OPEC-Länder geht ebenfalls zurück. Es handelt sich um einen unfreiwilligen Rückgang als Folge nachlassender Ergiebigkeit der Quellen. Die Gesamtbilanz aus Angebot und Nachfrage ist trotz des Förderrückgangs immer noch positiv, weil die Nachfrage stärker sinkt.

Man sollte annehmen, dass die Ölpreise angesichts dieser Schätzungen keine Chance haben, zu steigen. Im Gegenteil, sie müssten fallen, wenn man die Gegenwart als Maßstab nimmt. Wie vor dem Ausbruch der Krise gibt es allerdings Spekulanten, die den Ölpreis beeinflussen. Ein ganz großer Spieler unter ihnen war und ist Goldman & Sachs. Die ehemalige Investment- und heutige Geschäftsbank macht schon wieder Gewinne. Die macht sie aus Geschäften mit festverzinslichen Anleihen. Das hat nichts mit Öl zu tun. Da die Bank zum einen über die Ressourcen für das Geschäft mit Ölpapieren verfügt und zum anderen von der Gier nach den großen Gewinnen getrieben wird, wie sie gerade mit der Forderung nach Befreiung von der gehaltsreglementierenden Staatsbeteiligung zeigt, ist die Rückkehr der spekulativen Ölpreissteigerung nicht zu verhindern. Goldman & Sachs ist nur ein Spieler der Szene.

Spekulative Aktivitäten sollte man allerdings nicht unter Generalanklage stellen. Da die Ölwirtschaft erwiesenermaßen einen gewaltigen Investitionsbedarf hat, um der zukünftigen Versorgung gerecht zu werden, ist die Beschaffung des benötigten Kapitals über die Börse sinnvoll. Dass dabei das Öl selbst auf einen zukünftigen Termin gehandelt wird, ist im Sinne der Risikobeherrschung ebenfalls sinnvoll. Eine durchaus logische Folge sind höhere Preise als heute. Um Preisexzesse wie vor ein und zwei Jahren zu verhindern, bedarf es einer strengen Aufsicht. Das Handeln von Ölpapieren außerhalb von Börsen, was zu den schlimmsten Preiskapriolen führte, kann nicht beaufsichtigt werden. Deshalb darf es nicht stattfinden. Einen nach transparenten Spielregeln gestalteten Handel vorausgesetzt muss Öl teurer werden, wenn der Verbrauch auf dem aktuellen Niveau verharrt. Das muss nicht sein. Die Wirtschaft kann weiter nachgeben und immer weniger Öl verlangen. Wir können unsere Verbrauchsgewohnheiten verändern und aus weniger Öl, Gas und Kohle mehr Nutzen ziehen. In beiden Fällen, dem negativen wie auch dem positiven, sollten die Preise mindestens nicht steigen.

Einstweilen sehen wir die Zusammenhänge in einer Findungsphase mit erheblichen Risiken und Chancen. Die Preise werden sich während dieser Phase seitwärts bewegen. Sollte sich ein weiterer Einbruch der Wirtschaft herausstellen, dürften sie sinken. Bei einem Umbau der Wirtschaft mit positiver Wachstumsrate auf ein anderes Energieniveau sollten sie langfristig um den aktuellen Mittelwert schwingen. Ein Zurück zu den wirtschaftlichen Zusammenhängen von gestern würde die Preise in die Höhe treiben.

Heute Morgen befinden sich die Preise im Mittelfeld der letzten Tage. Sie zeigen immerhin die Tendenz zu fallen. Die Tonne Gasöl kostet 432 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 49,31 Dollar. Der US-Dollar wird zu 75,21 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise geben nach. Sie folgen mit leicht angezogener Bremse dem Weltmarkt. In den nächsten Tagen könnten sie weiter fallen. Insgesamt erwarten wir keinen erdrutschartigen Rückgang. Noch halten wir an der Prognose seitwärts gerichteter Preise fest. Um diese zu kippen, bedarf es mehr Klarheit über die wirtschaftlichen Perspektiven. Die Nachfrage im Binnenmarkt ist auf Eis gelegt. Das Interesse am Brennstoff ist von sommerlichen Temperaturen verdrängt. Auf bessere Preise zu warten, könnte sich lohnen. Auf die Reduzierung des Verbrauchs zu warten, hingegen nicht. Aktivitäten in dieser Sache sind doppelt positiv, für die Werthaltigkeit des eigenen Hauses und für die Wirtschaft. Damit Sie wissen, wie Ihr Haus energetisch einzuschätzen ist, gibt es www.esytrol.com.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen