Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Bären setzen sich durch

Die US-Bestandsdaten brachten keinen stimmigen Impuls für einen Preisrückgang. Der Markt ist aber offensichtlich in der Verfassung, diesen dennoch durchzusetzen. Die Notierungen fielen gestern deutlich zurück. Die Interpretation der fundamentalen Daten wurde der Stimmung angepasst. Negative Zahlen über die US-Wirtschaft wurden dagegen direkt in fallende Dollarnotierungen umgesetzt.

DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) meldeten gestern unisono einen nennenswerten Rückgang in den US-Produktenlagern.

Rohöl: -0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -5,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,9 Mio. Barrel (API)
Benzin: -4,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,8 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 10,2 (DOE) bzw. 13,9 (API) Mio. Barrel. Die Zahlen sind die Folge des Hurrikans Rita. Sie entsprechen ungefähr den Auswirkungen des Hurrikans Katrina. Fasst man beide negativen Spitzenwerte zusammen ergibt sich ein sturmbedingter Abbau von 21,7 (DOE) bzw. 24,1 (API) Mio. Barrel. Das entspricht einer Reduktion der gemittelten Bevorratung um rund 3,7%. Der Wert ist undramatisch. Wenn die Versorgung in diesem Jahr durch keinen weiteren Hurrikan belastet wird, gibt es keinen Grund, Krisenszenarien heraufzubeschwören.

So handelten die Börsianer gestern vermutlich auch eher diese Idee als die aktuellen Bestandsdaten. Im längerfristigen Vergleich steht die Bevorratung zwar nicht mehr so gut da wie in den letzten Wochen. Sie ist aber weiterhin überdurchschnittlich bezogen auf die letzten fünf Jahre. Bezüglich der letzten 15 Jahre liegt sie um 3% unter dem Mittelwert. Sehr hilfreich für einen Preisrückgang ist auch die Bereitschaft der US-Regierung und der IEA (Internationale Energie Agentur), weitere Mengen aus den strategischen Reserven freizugeben. Die OPEC signalisiert seit geraumer Zeit, bei Bedarf mehr Rohöl zu liefern. Es wird nicht gebraucht, weil es keinen Engpass gibt. Russland erhöhte die Ölexporte in die USA übrigens deutlich. Schließlich haben die hohen Preise der letzten Zeit dazu geführt, dass sogar in den USA Gedanken und Taten in Sparsamkeit gezeigt werden. Dieser Umstand dürfte die nachhaltigste Wirkung auf die Preisbildung haben. Die Verbrauchsprognosen werden gesenkt.

Dass die Auswirkungen der beiden Hurrikane auf die Ölversorgung nicht so dramatisch sind, wie die Preisbildung dies Glauben macht, wird nun auch an den Börsen akzeptiert. Das heißt allerdings nicht, dass der langfristige Aufwärtstrend damit gebrochen ist. Eine von Emotionen geleitete Börse wird bis zu einem Paradigmenwechsel im Umgang mit der Ölversorgung immer wieder Gründe finden, die für Preisauftrieb gut sind.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass die aktuellen Importe in die USA lediglich auf dem Niveau des Vorjahres sind. Die Raffinerieverfügbarkeit ist mit 69% extrem niedrig. Hier wäre der Begriff ?dramatisch? angebracht. Offensichtlich gibt es genug Vertrauen in den Fortgang der Wiederinbetriebnahme. Andersfalls müsste die Zahl von 69% panische Preissteigerungen hervorrufen.

Eine interessante Beobachtung gibt es beim Erdgas zu machen. In den USA wird die Ware an der Börse gehandelt. Im Gegensatz zu Heizöl fällt der Preis kaum ab. Während die Verknappungsphantasien für Heizöl aus dem Handelsgeschehen abziehen, werden sie für Erdgas hoch gehalten. Zwar sind die Hurrikanausfälle sowohl für Erdgas wie für Erdöl erheblich. Die US-Versorgung mit Erdgas ist aber im Wesentlichen auf die Eigenproduktion angewiesen. Erdöl kann dagegen aus der ganzen Welt herangeschafft werden. Dieser Umstand sollte bei der populären Forderung nach einer Entkopplung der Erdgas- und Erdölpreise hierzulande berücksichtigt werden. Der Bezug von Erdgas ist erheblich krisenanfälliger als der von Erdöl.

Heute Morgen geben die Gasölpreise weiter nach. Die Tonne kostet 607,50$.

Unsere Heizölpreise fallen deutlich. Sie folgen der Bewegung am Weltmarkt und werden durch den fallenden Dollar zusätzlich entlastet. Die Marktstimmung wird zunehmend verbraucherfreundlich. Z.Z. sind keine preistreibenden Störungen in Sicht. Dennoch ist der Rückwärtsgang der Preise eine wackelige Angelegenheit, die jederzeit gestoppt werden kann. Noch ist der langfristige Aufwärtstrend der Normalfall.

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