Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Börse rudert zurück

Für die Ölversorgung ist die aktuelle Lage nicht katastrophal. Im Gegenteil, die Versorgung ist gut. Die gegenwärtigen Gefahren sind handhabbar. Diese Einstellung führte gestern Abend zu einem Rückgang der Preise. Jede Form von Gelassenheit an der Börse ist allerdings brüchig. Geopolitik und Wetter können sie plötzlich in Panik überführen. Der Dollar verlor erneut an Wert. Er nähert sich einem Abwärtstrend.

Die Schließung des größten Ölfelds der USA in Alaska mit einem täglichen Ausfall von 0,4 Mio. Barrel könnte teilweise verhindert werden. Statt die maroden Pipelines, die die Schließung erforderlich machen, in einem einzigen Schritt zu ersetzen, könnten sie in zwei Schritten ausgetauscht werden. So ließe sich eine Produktion von 0,2 Mio. Barrel pro Tag aufrecht erhalten. Die Meldung sorgte an der Börse für Erleichterung. Gleichzeitig wurde erkannt, dass selbst eine Totalschließung nicht zwangsweise zu Versorgungsschwierigkeiten führt. Die weltweite Produktion weist Überhänge auf, die einen Ausfall der genannten Größenordung kompensieren können.

Die politische Lage im Nahen Osten und in der Golfregion wird an der Börse wegen der angestrengten diplomatischen Bemühungen um Einstellung der Kriegshandlungen etwas entspannter beurteilt. Für einen kurzen Preisrückgang ist das hilfreich. Verlässlich ist aber weder die politische noch die börsliche Entwicklung. Das Unsicherheitspotential bleibt hoch.

Wetterämter in den USA reduzieren die Anzahl der in dieser Saison erwarteten Hurrikane. Das verhilft den Preisen ebenfalls zu einem Abwärtseffekt. Wie beim politischen Thema fehlt es hier aber an Substanz. Selbst wenn nur ein Hurrikan käme, könnte dieser für erhebliche Zerstörungen der Ölinfrastruktur sorgen. Die durch das Thema implizierte Preisgefahr bleibt erhalten.

In den Preistrends spiegelt sich die aktuelle Lage wie folgt: Gasöl und Heizöl bleiben bei vollständiger Ausnutzung des Trendkanals ihrer Seitwärtsrichtung treu. Nordseeöl Brent befindet sich im Aufwärtstrend. Der Preis dreht allerdings nach Erreichen eines in der Höhe gleichen Tops wie im Juli bei. Ein sogenanntes Doppeltop wird von Chartisten häufig als Signal für eine Abwärtsbewegung angesehen. Texasöl WTI kann den Seitwärtstrend bisher knapp behaupten. Benzin hat einen Abwärtstrend eingeleitet. Insgesamt wird den charttechnischen Beurteilungen weniger Gewicht eingeräumt als den fundamentalen Einflüssen.

Gestern war wieder Bestands-Berichts-Tag in den USA. Die Vorlagen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) erzeugten im Fall von Rohöl Unverständnis. Starke Beachtung in der Preisbildung erhielten sie nicht.

Rohöl: -1,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +5,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: -3,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 4,5 (DOE) bzw. ein Aufbau von 2,6 (API) Mio. Barrel. Wenn man die aktuellen Rohölzahlen zu denen der letzten Woche addiert, relativiert sich die Diskrepanz deutlich. Vermutlich sind unterschiedliche Abfragemodi Ursache der Irritation. Die Importe liegen auf dem Niveau der letzten Woche. Vor einem Jahr waren sie höher. Die Raffinerieverfügbarkeit beträgt ausreichende 92 Prozent.

Das gute Niveau der Vorräte ist in den letzten Wochen zurückgegangen. Es befindet sich aber nach wie vor auf komfortabler Höhe. Interessant ist die Reaktion der Börse auf den Rückgang der Benzinvorräte. Sie sind mittlerweile unterdurchschnittlich. Dennoch fallen die Preise. Als die Lager noch überdurchschnittlich voll waren, sorgte jede unbedeutende negative Nachricht für steigende Preise. Offensichtlich fand ein Stimmungsumschwung statt.

Heute Morgen wird die kräftige Entspannung von gestern Abend etwas zurückgenommen. Der Gasölpreis bleibt aber deutlich unter der gestrigen Spitze. Die Tonne kostet 663,50 $.

Unsere Heizölpreise geben nach. Leichte Entspannung am Weltmarkt und der schwache Dollar sind ursächlich. Mit viel Wohlwollen kann die Preisbewegung noch als seitwärts gerichtet angesehen werden. Das aktuelle Niveau liegt auf Höhe der Frühjahrsspitzen. Sollten die Brennpunkte auf der Welt den Status Quo beibehalten, könnten die Preise etwas weiter fallen. Einen deutlichen Rückgang sollte man aber nicht erwarten. Die Gefahr für einen Aufwärtstrend bleibt groß.

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