Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Banken formieren sich

Neuer Tag, alte Lagebeschreibung. Es ist zuviel Öl im Markt. Die aktuellen US-Bestandsdaten liefern zu diesem Thema keine neue Erkenntnis. Die gemeldeten Gesamtrückgange liegen im Rahmen der üblichen Erfassungsungenauigkeit. Seit nunmehr einem Jahr befinden sich die Vorräte auf einem sehr hohen Niveau bei einer Schwankungsbreite von +/-2,5 Prozent. Exorbitant hoch ist die Bevorratung von Heizöl. Sie liegt mehr als 20 Prozent über dem früher üblichen Durchschnittsniveau. Selbst der zeitweise kalte Winter in den USA konnte die historisch hohen Bestände kaum dezimieren. Im Einzelnen legten DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) gestern folgende Zahlen vor:

Rohöl: -3,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: +2,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,9 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 1,5 (DOE) bzw. 3,3 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieauslastung beträgt weiterhin 78 Prozent. Die Daten spiegeln die schwache Nachfrage in den USA wider. Durch ihre Veröffentlichung gerieten die Preise abermals erheblich unter Druck.

Der Abwärtstrend der Ölpreise zeigt ein sehr stabiles Bild. Das ist aus Verbrauchersicht freundlich. Und doch ist es nicht so, wie es angesichts des Ölüberangebots zu erwarten wäre. Statt eines geordneten Rückzugs der Preise wäre ein ungeordnetes Zusammenbrechen naheliegender. Denn derzeit geht es darum, eine schon wieder entstandene Preisblase aufzulösen. Verantwortlich für diese Blase ist die Finanzindustrie. Da dieser Industrie Hilfsgelder vom Staat zugeführt wurden, trägt sie aber nicht die Alleinverantwortung. Mittlerweile kann man das Problem, das die industriell betriebene Spekulation mit Rohstoffen darstellt, quantifizieren. Innerhalb des letzten Jahres stiegen die Investments um fast 100 Mrd. Dollar. Das sei laut Barclays Capital der größte je gemessene Anstieg. Er fand nicht etwa während einer Boomzeit statt, sondern am Rande einer Rezession. Dass diese Spekulation ein Problem ist, wird mittlerweile von vielen nennenswerten Institutionen anerkannt. OPEC und IEA (Internationale Energieagentur) laden Energieverbraucher, Energieproduzenten und Börsenaufseher im Februar zu einem Anti-Spekulanten-Treffen ein. Man kann das als flankierende Maßnahme zu Präsident Obamas Krieg gegen die Banken ansehen.

Der Wunsch ist da, die Spekulation in den Griff zu bekommen. Die Aussicht, dass das innerhalb der existierenden Rahmenbedingungen funktioniert, ist indes gering. Die US-Terminmarktaufsicht CFTC legte Vorschläge zu Handelsbegrenzungen vor. Diese sind allerdings so konservativ, dass sie kaum als Handelseinschränkung wirken können. Die weiter reichende, plausible Idee, den Börsenhandel derart zu limitieren, dass sein Handelsvolumen das physisch verfügbare Volumen nicht übersteigen kann, birgt neue Gefahren in sich. In diesem Fall, der eine gewaltige Einschränkung darstellen würde, könnte die Finanzindustrie auf den Handel mit physischem Öl ausweichen. Das geschieht heute bereits mit Hilfe schwimmender Tanklager. Hierbei handelt es sich um für den Transport nicht genutzte Schiffe. Das so gehandelte und beeinflusste Volumen ist relativ gering. Würde es deutlich steigen, hätte die industrielle Spekulation nicht nur die Preise, sondern sogar die Ware selbst im Griff. Grauenhafte Vorstellung.

Auch Obamas Ideen zur Lösung des Problems, die deutlich über den Terminhandel mit Rohstoffen hinausgehen, lassen der Finanzwelt vielfältige Fluchtwege. Das Grundprinzip, das der Präsident verfolgt, ist die Aufhebung der Systemrelevanz. Er will keine Banken mehr, die der Staat in einer durch Spekulation verursachten Krise stützen muss, weil ihr Fall das gesamte Finanzsystem zum Einsturz brächte. Zwei wesentliche Maßnahmen seines Katalogs sind die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken und das Fusionsverbot. Kaum ausgesprochen opponieren alle namhaften Bankenvertreter gegen diese Vorschläge. Deutsche Bank Chef Ackermann tönt aus der ersten Reihe mit seiner bekannten und bewährten Taktik. Er entwirft Angstszenarien, aus denen sich der zeitgenössische Politiker nicht befreien kann. Wie sicher die Bankenelite das Gros der Politikerklasse im Griff hat, zeigt der Appell von Robert Diamond, Präsident von Barclays. Er ruft die Regierungen weltweit zur Zusammenarbeit auf und warnt vor Alleingängen. Damit signalisiert er, dass er Obama als Gefahr für die eigenen Interessen ansieht aber nicht den Rest der politischen Herde. Ohne jeden Zweifel hat die Finanzindustrie einen gesellschaftsgefährenden Status erreicht. Dieser muss zerschlagen werden. Über das Wie gibt es breiten Diskussionsbedarf.

Diskutiert wird möglicherweise auch an den Ölbörsen, denn gehandelt wird dort momentan wenig. Heute Morgen hängt die Preisbildung in einem schwer fassbaren Zustand zwischen bärischen Realmarktimpulsen und bullischen Momenten der allgemeinen Finanzszene. Wohin die Richtung im Tagesverlauf gehen wird, ist ungewiss. Die Tonne Gasöl kostet 585 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 74,09 Dollar. Der US-Dollar wird zu 71,27 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise werden seitwärts getrieben. Fallenden Ölpreisen am Weltmarkt steht ein steigender Dollar gegenüber. Aussichten für nachgebende Heizölpreise sind dennoch vorhanden und zwar solange, wie die Verunsicherung der Finanzindustrie durch politische Attacken anhält. Zwischenzeitliche Befreiungsschläge wie heute Morgen, sind noch kein Grund, das Ende der Verunsicherung zu melden. Wer über einen einigermaßen gefüllten Tank verfügt, kann es sich leisten, auf mehr Preisnachlass zu spekulieren. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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