Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Barrel wieder bei 60$

Die Aufwärtsbewegung der Preise setzte sich gestern fort. Rohöle westlicher Herkunft überschritten dabei die 60-Dollar-Marke. Vor einer Woche haben sie diese Marke von oben nach unten mit kräftigen Tagesverlusten durchbrochen. Der Versuch, eine neue Abwärtswelle zu etablieren, ist fehlgeschlagen. Der Markt wird derzeit neutral beurteilt. Der Dollar verlor gestern wieder an Wert. Erwartete Zinserhöhungen des Euros werden als Grund genannt. Die US-Währung scheint die Handelsspanne des seitwärts gerichteten Trendkanals zwischen 0,800 und 0,775 Euro voll auszunutzen. Aktuell taucht sie in die untere Hälfte ein.

Gedrückt wurde der Ölpreis in erster Linie von Spekulationen über eine Abkühlung der US-Konjunktur und eine dadurch bedingte schwächere Ölnachfrage. Außerdem wird bezweifelt, dass die OPEC die angekündigten Lieferkürzungen umsetzen kann. Die jüngsten Arbeitsmarktdaten der USA lassen Zweifel an der These von der Konjunkturabkühlung aufkommen. Um die OPEC-Kürzung zu unterstützen, betitelt der Ölminister Saudi Arabiens, Ali al-Naimi, den Markt derzeit als aus dem Gleichgewicht. Das Angebot übersteige die Nachfrage. Der Inhalt der Äußerung ist bärisch. Die Wirkung ist bullisch. Informell treffen sich die Ölproduzenten der Golfregion morgen zu Gesprächen. Sie werden Signale aussenden, die einen Preisverfall verhindern sollen. Nach aktueller Lage der Dinge wird ihnen das auch gelingen. Der Preis scheint aus fundamentaler Sicht einen Gleichgewichtspunkt gefunden zu haben.

Unterstützt wird dieser Punkt von erhöhten Rebellenaktivitäten in Nigeria. Die Besetzung einiger Bohrinseln hat kleinere Lieferausfälle zur Folge. Für die Versorgung sind die Fehlmengen unbedeutend. Der Börsenstimmung ist die Situation in Nigeria ein Impulsgeber.

Die Handelsaktivitäten der großen Spekulanten sind nach wie vor hoch. Mittlerweile gibt es ein leichtes Übergewicht von Kontrakten auf sinkende Preise. Nach unserer Einschätzung zeichnet auch die Charttechnik ein schwach bärisches Bild. Der Preisanstieg der letzten Tage war als Gegenreaktion auf den vorausgegangenen Verlust erwartet worden. Als charttechnisches Signal einer Trendwende sehen wir ihn nicht. Selbst als stabilisierendes Element einer Seitwärtsbewegung kann er nur bedingt verstanden werden.

Die Ölnachfrage wird im kommenden Jahr weiter steigen. Allerdings wird der Anstieg weniger schnell erfolgen, als das in Schätzungen vor sechs bis zwölf Monaten zum Ausdruck kam. In Deutschland sinkt die Nachfrage nach Öl. Das liegt nicht daran, dass man hier sparsamer mit Energie umgeht. Es liegt daran, dass man auf andere Energieträger wechselte. Die Primärenergienachfrage ist im letzten Jahr um 1,5 Prozent gestiegen. D.h., dass es auch hierzulande ein Effizienzproblem gibt. Für eine führende Industrienation ist ein wachsender Energieverbrauch ein schlechtes Zeugnis. Der größte Teil des Mehrverbrauchs kommt aus dem Bereich Raumwärme. Vor allen Dingen Erdgas aber auch Heizöl verzeichneten Zuwächse. Somit sind in erster Linie Verbraucher gefragt, den erforderlichen Richtungswechsel beim Energieverbrauch vorzunehmen. Dieser Richtungswechsel ist aus Umweltgründen nötig und aus Energiekostengründen sinnvoll. Die technischen Voraussetzungen für den Richtungswechsel existieren längst.

Heute Morgen gibt der Gasölpreis etwas nach, ohne dabei das gegenüber der letzten Woche erhöhte Grundniveau zu verlassen. Die Tonne kostet 539,50$.

Unsere Heizölpreise stiegen zwei Tage in Folge an. Einen Trendwechsel zu der Bewegung der letzten Wochen mögen wir darin noch nicht erkennen. Die Chance, dass das Preisniveau in den kommenden Wochen erhalten bleibt, halten wir für gut. Deutschlandweit haben sich die Preise wieder angenähert. Die rechnerischen Abweichungen zum Weltmarktpreis sind weitgehend eliminiert. Lediglich der Osten hängt noch hinterher. Die Lieferzeiten sind in einigen Regionen weiterhin etwas verlängert.

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