Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Bayern liegt nicht an der Küste

Die Preisbewegung an den Ölbörsen findet seit drei Tagen kaum noch statt. An Impulsen mangelt es nicht. Wirtschaftsdaten fallen mehrheitlich schlecht aus. Das Ölangebot ist üppig und die Nachfrage gedämpft. Das sind klassische Voraussetzungen für nachgebende Preise. Die wurden seit März auch durchgesetzt. In diesen Tagen wird zwar viel spekuliert, aber wenig Preis bewegt. Es sieht so aus, als suchte die Finanzszene eine Position zum heutigen OPEC-Meeting und zu den kommenden Verhandlungen über das iranische Atomprogramm. Beide Ereignisse können die Preise zumindest kurzfristig in unkalkulierbare Richtungen treiben.

Im Vorfeld des OPEC-Treffens haben Saudi-Arabien und der Iran dem Vernehmen nach bereits eine Übereinkunft zu den Quoten getroffen. Sie sollen unverändert bleiben. Das betrifft die Papierlage. Die reale Überproduktion des Kartells, die aus saudischen Quellen gespeist wird, beträgt fünf Prozent. An ihr wird die Angst der Produzenten vor einem Preisverfall festgemacht. Hierzu wurde bisher nichts mitgeteilt.

Ebenso uninspirierend wie die OPEC-Meldung sind die jüngsten US-Bestandsdaten. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) gaben gestern widersprüchliche Zahlen zu Protokoll, die zwar temporär für etwas Preisbewegung sorgten, bis Handelsschluss aber alle Gewinne wieder auf Null drehten. Die Werte lauten im Einzelnen

Rohöl: -0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,6 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,9 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 2,0 (DOE) bzw. ein Aufbau von 1,2 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung ist auf 92 Prozent gestiegen. Das ist ein für die USA lange nicht mehr erreichter Wert. Die Binnennachfrage scheint ein klein wenig anzuziehen. Insgesamt bleibt sie aber deutlich hinter den Erwartungen. Die sind wieder einmal auf die Fahrsaison gerichtet. Wahrscheinlich werden sie erneut enttäuscht. US-Raffinerien produzieren zunehmend für den Export.

Heute Morgen setzt sich die indifferente Lage an den Ölbörsen fort. Die Tonne Gasöl kostet 859,00 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 82,83 Dollar und in London zu 97,55 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 79,54 Eurocent. Gegenüber der Vorwoche sind die Notierungen immerhin gefallen.

Die Tatsache, dass der Heizölpreis in Bayern nicht den moderaten Preisrückgang wie andernorts in der Republik mitmacht, sorgt in einigen Leserkommentaren für spekulative Verschwörungstheorien. Der Erscheinung liegt indes keine Verschwörung gegen Verbraucher, sondern simple Marktwirtschaft zugrunde. Deutschland ist in fünf unabhängige Ölregionen geteilt. Diese werden, da die heimische Rohölförderung marginal ist, wie folgt vom Weltmarkt versorgt:

Norden: über See versorgt, eigene Raffinerien
Westen: über Rhein versorgt, Raffinerien in Rotterdam, Gelsenkirchen und Köln
Südwesten: über Rhein und über Pipeline vom Mittelmeer versorgt, Raffinerie in Karlsruhe
Süden (Bayern): über Pipeline vom Mittelmeer versorgt, Raffinerien in Bayern
Südosten (Sachsen): über Pipeline aus Russland und von der Ostsee versorgt, Raffinerie Leuna
Osten: über Pipeline aus Russland und über Wasserstraße versorgt, Raffinerie Schwedt

Rohöl und Produkte werden von den bekannten Ölkonzernen und von mittelständischen Unternehmen importiert und raffiniert. Die Unternehmen stehen untereinander im Wettbewerb. In diesem heterogenen Feld entstehen unterschiedliche Preise. Je nach Angebot und Nachfrage über- oder unterschreiten sie einen von den internationalen Notierungen bewegten Mittelwert. Bayern ist in dieser Gemengelage die sensibelste Region, weil sie über schwache alternative Anbindungen verfügt. Sobald die Nachfrage dort über den Planmengen liegt, wird das Angebot knapp und die Preise ziehen an. Umgekehrt funktioniert das auch. Planung ist angesichts immer extremerer Nachfrageschwankungen grundsätzlich unzureichend. In anderen Worten, je stärker Käufer mit Kaufwellen und Kaufzurückhaltung agieren bzw. auf die Preise reagieren, umso extremer wird die temporäre Preisabweichung vom Mittelwert ausfallen. Das geschieht zum Missfallen aller Marktteilnehmer, nicht nur der Kunden. Wie so oft sind alle Teil des Ganzen.

Bayern als Ölregion steht immer noch im Zeichen der insolventen Petroplus-Raffinerie in Ingolstadt. Diese ist mittlerweile von der russisch dominierten Gunvor-Gruppe übernommen worden. Abgewickelt wurde bisher der kaufmännisch-rechtliche Teil der Transaktion. Nun muss die Produktion wieder aufgebaut werden. Bis die zu 100 Prozent läuft, werden noch Monate vergehen.

Unsere Heizölpreise geben moderat nach. Gestern lag das mehr am Dollar als an den Ölnotierungen. Insgesamt sind die Vorgaben der Ölbörsen wenig trendgerichtet. Insofern bewegen sich die Heizölpreise in diesen Tagen eher erratisch. Ihr Abwärtstrend ist allerdings intakt. Spekulierende Heizölkäufer finden weiterhin gute Voraussetzungen für bessere Preise. Spekulationsabgeneigten Heizölkäufern raten wir angesichts des aufgelaufenen Preisrückgangs zum Sofortkauf. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Prüfen Sie doch mal, ob eine Hybridheizung etwas für Sie und Ihr Portemonnaie ist. Diese hier arbeitet mit Sonne und Öl.

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