Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Bei Öl peakt es wieder

Die Finanzkrise gilt als besiegt und Peak Oil ist wieder in den Schlagzeilen. Die argumentative Aufrüstung für höhere Preise hat den Vormarsch in die Massenmedien geschafft. Aber so leicht wie vor drei Jahren wird die Finanzindustrie die tatsächlich unsichere Faktenlage nicht in exorbitante Ölpreise und Gewinne ummünzen können. Es gibt augenscheinlich schwere Gegenargumente.

Dass das Öl dieser Erde endlich ist, wird allgemein angenommen. Wissenschaftlich wird eine andere Möglichkeit diskutiert. Aber selbst die gibt keinen Hinweis darauf, dass der aktuelle Verbrauch damit dauerhaft zu decken wäre. Insofern kann der Satz, „verlassen wir das Öl, bevor es uns verlässt“, als sichere Handlungsanweisung akzeptiert werden. Die Frage ist, in welchem Zeithorizont man zu handeln hat oder wann bei welchem Handlungsdrehbuch der Peak der Ölförderung erreicht sein wird. Ziel muss es sein, diesen Peak nicht als Angebots- sondern als Nachfragehöhepunkt zu erleben. Als Angebotshöhepunkt wäre er dramatisch. Die Finanzindustrie würde das letzte Hochpreisszenario deutlich toppen. Die Wirtschaft würde leiden und mindestens in Teilen Kollapserscheinungen zeigen. Die Kluft zwischen Arm und Reich würde sich sichtbar ausweiten. Als Nachfragehöhepunkt würden der Menschheit die meisten Horrorvisionen erspart bleiben.

Es gibt viele unterschiedliche Vorstellungen über die Dauer bis zum Peak. In geschichtlichen Zeithorizonten betrachtet sind sie alle nahe beieinander. Sie reichen von vor drei Jahren bis in die Zeit um 2030. Preislich ordnet ihnen die EIA (Informationsabteilung des US-Energieministeriums) Werte zwischen 200 Dollar pro Barrel und 50 Dollar pro Barrel Rohöl zu. Der erste Wert für den Fall des Angebotshöhepunkts dürfte zu optimistisch, das heißt zu tief bemessen sein. Der zweite Wert für den Nachfragehöhepunkt mag mit Blick auf frühere Ölpreise zu hoch erscheinen. Er spiegelt die inzwischen deutlich höheren Förderkosten wider. Dieser Wert wird im Zuge der Umstellung energieverbrauchender Produkte wie Autos und Häuser Öl billig wirken lassen. Durch den drastisch zu senkenden Verbrauch wird die Energierechnung wieder eine echte Nebenkostenrechung werden. 2030 werden wir Öl übrigens noch lange nicht verlassen haben. Öl wird auch dann der wichtigste Energieträger sein. Bis dahin wird es aber klare Vorstellungen geben, wann Erdöl als Energieträger überflüssig ist. Produkte auf Basis von Erdöl wird es weiterhin geben. Sie werden recyclebar sein. Der Rohstoff Erdöl wird in einem Kreislaufprozess genutzt werden.

Der Sieg über die Finanzkrise ist eine einseitige Erklärung. Die Krise kapituliert nicht. In den USA breitet sich die Krise der Wirtschaft und der Finanzen aus. Der Glanz Chinas erblasst in diesen Tagen, weil die Wachstumsdynamik auch dort spürbar abnimmt. Das wird nicht ohne Folgen für den Rest der Welt bleiben. So wird man die neusten Prognosen, die einen steigenden Ölbedarf ausweisen, in Kürze umschreiben. Darauf weist die IEA (Internationale Energie Agentur) bereits hin. Die Zahlenbasis ihres letzten Berichts ist vier Wochen alt. Sie beinhaltet nicht die schlechten Daten der letzten Tage. Im Bericht wurden frühere Bedarfsvorhersagen ein wenig nach oben korrigiert. Die werden im nächsten Bericht wieder gesenkt. Dass eine schwächere Wirtschaft dämpfende Wirkung auf den Ölkonsum hat, ist gewiss. Dass die Wirkung zu einem Nachfrage- statt zu einem Angebotshöhepunkt führt, ist alles andere als ausgemacht. Der Nachfragehöhepunkt kann mit Sicherheit nur erreicht werden, wenn neue Produkte und Lebensformen entwickelt werden. Die können dann auch wirtschaftlich antidepressiv wirken.

Wie schlecht es um die US-Wirtschaft bestellt ist, zeigt eine Vielzahl der jüngsten Daten sehr eindrucksvoll. Diese Daten wurden gestern um die US-Bestandszahlen erweitert. Abermals wird aus ihnen deutlich, dass das erhoffte Nachfragewachstum nicht existiert. Auf dem Höhepunkt der Fahrsaison ist der Benzinkonsum auf einen Tiefpunkt gesunken. Der Gesamtvorrat ist weiter gestiegen. So weist es zumindest die als relevanter geltende Statistik des DOE (Department of Energy) aus. Die Zahlen von DOE und API (American Petroleum Institute) lauten wie folgt:

Rohöl: -3,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +3,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,5 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 0,9 (DOE) bzw. ein Abbau von 1,4 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind höher als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieauslastung ist auf 88 Prozent gesunken.

Gestern trug die Ölpreisentwicklung den misslichen Wirtschaftaussichten Rechnung. Die Preise purzelten kräftig. Das geschah so deutlich, dass eine offene Frage damit wohl geklärt ist. Es ist die Frage, ob sich die Gasölpreise den ansteigenden Rohölpreisen annähern oder ob die Rohölpreise den seitwärts treibenden Gasölpreisen folgen. Die Sache scheint zugunsten des Seitwärtstrends entschieden zu sein. Heute Morgen tut sicht so gut wie nichts im Preisgeschehen. Nach dem Schock der verlorenen Gewinne folgt Ruhe, in der bekanntermaßen die Kraft liegt. Man sortiert sich in Spekulantenkreisen neu. Die Tonne Gasöl kostet 646,75 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 77,73 Dollar. Der US-Dollar wird zu 77,53 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise geben ein wenig nach. Die Wucht des gestrigen Ölpreisabgangs wird in ihnen nicht sichtbar, da der Dollar einen nicht minder wuchtigen Aufgang durchlief. Die weiteren Aussichten beurteilen wird trotz der heftigen Börsenbewegungen unwesentlich anders als in den letzten Tagen. Die Wahrscheinlichkeit eines nennenswerten Preisrückgangs ist allenfalls pari zu der Wahrscheinlichkeit steigender Heizölpreise. Der mögliche Preisrückgang wird keine bodenlose Erscheinung sein. Er ist nach unten recht eng begrenzt. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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