Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Bergtour 2008 geht weiter

Die Rohölpreise klettern wieder. Sie sind nach einer mehrwöchigen Konsolidierungsphase nach oben ausgebrochen. Die Marke von 140 Dollar pro Barrel ist mittlerweile überschritten. Angesichts des spektakulären Preisanstiegs stoßen Zielprognosen auf großes Medieninteresse. Moderat formulierte Preisziele kommen aus OPEC-Kreisen. Sie liegen bei 150 bis 170 Dollar pro Barrel. Aus dem Hause Gazprom werden ambitionierte 250 Dollar auf den Markt geworfen. Spekulanten übertreffen diese Phantasien teilweise deutlich. Selbst Wissenschaftler beteiligen sich an der „Wer bietet mehr“-Vorhersage. Der jeweils Höchstbietende hat die Chance auf Nennung in einer Zeitung. Derweil wird die Erkenntnis, dass exorbitant steigende Ölpreise unausweichlich zu Inflation führen, auch im Wirtschaftsteil der kleinsten Lokalzeitung zitiert. Nun wird der als persönliches Problem vieler Verbrauchern gehandelte Kaufkraftverlust in den Rang einer allgemeinen Wirtschaftsgefährdung erhoben.

Dass die Weltkonjunktur auf Grund der hohen Energie- und Rohstoffpreise bereits eine Delle bekommen hat, steht außer Frage. Über die Stärke der Delle wird noch diskutiert. Die für den Ölpreis wesentliche Frage lautet, wie stark muss die Delle sein, um die Ölpreissteigerung zu beenden? Die Frage hat einen unfreundlichen Tenor. Impliziert sie doch den Zwang zu mindestens einer von zwei negativen Möglichkeiten. Entweder deutlich höhere Preise oder ein Ende des Wirtschaftsaufschwungs. Wahrscheinlich kommt beides.

Während die Ölwirtschaft auf der Suche nach den Verursachern dieser misslichen Lage ist, eigene Versäumnisse dabei ausklammert, verirrt sich die Politik in eher hilflosen Diskussionen über das soziale Abfedern einer Erscheinung, die nicht den Eindruck erweckt, von lediglich kurzer Dauer zu sein. Derweil wächst die Verärgerung der Bevölkerung über eben diese Hilflosigkeit der Politik. Man fühlt sich von den Vertretern schlecht beraten, nicht geführt und um den Erfolg der Arbeit gebracht. Die Sehnsucht, sich nicht selbst mit dem Problem beschäftigen zu müssen, sondern es von einem starken Politiker abgenommen zu bekommen, wächst genauso schnell wie der Ölpreis. Alle miteinander, Ölindustrie, Politik und Bevölkerung vereint eine Wunschlösung des Problems, ein größeres Öl- bzw. Energieangebot.

Ob es das überhaupt geben kann, ist ungewiss. Gewiss ist hingegen, dass es deutlich teurer wäre als man bisher kalkuliert hat. Da an dieser Gewissheit niemand vorbei kommt, ist es nahe liegend, Alternativen zur gewünschten Angebotslösung zu entwickeln. Eine solche Alternative kann nur eine Lösung auf der Nachfrageseite bedeuten. Die wird mittlerweile zwar auch diskutiert. Dringlich wie die Angebotsdiskussion wird sie aber nicht geführt. Dabei hat die Nachfragediskussion deutlich mehr Chance auf Erfolg. Im Gegensatz zum Angebot, das ausschließlich auf internationaler Ebene verhandelbar ist, kann die Nachfrage als nationales Problem angegangen und einer Lösung näher gebracht werden. Wenn Politik die Hoffnung der Menschen nicht enttäuschen will, hat sie kaum eine andere Wahl, als sich um die Nachfrageseite zu kümmern. Um diese könnten sich die Menschen aber auch ohne politisches Zutun selbst kümmern. Ob und wie sehr man sich um die Nachfrageseite kümmert, hängt von der längerfristigen Einschätzung des Problems ab. Wenn dieses als vorübergehend angesehen wird, macht es in der Tat keinen Sinn, sich von einem Weg, der unaufhörlich wachsendes Angebot verlangt, abbringen zu lassen. In dem Fall muss man die aktuelle Lage als Beginn eines typischen abschüssigen Wirtschaftszyklus hinnehmen. Wenn das Problem hingegen mit der möglichen Begrenztheit des Angebots in Verbindung gebracht wird, ist es höchste Zeit, sich der Nachfrage mit aller Energie zu widmen. Das Ziel lautet dann, mehr Wohlbefinden aus weniger Menge zu generieren oder einfacher Klasse statt Masse anzustreben. Das wäre ein Paradigmenwechsel auch in der Politik. Vielleicht ist es genau der, den die verärgerte Bevölkerung will, ohne das so zu formulieren.

Auf einen Wechsel bei der Ölpreisbildung zu setzen, scheint derzeit noch aussichtsloser zu sein, als auf irgend einen anderen Wechsel zu bauen. Zwar halten die Gasöl- und Heizölpreise noch den zuletzt beschrittenen Seitwärtstrend. Angesichts der Aufwärtsbewegung beim Rohölpreis ist es aber nur eine Frage der Zeit, wann die Produktpreise folgen. Der Dollar wird hingegen wohl weiterhin am Seitwärtstrend festhalten. Mit einseitigen Zinserwartungen können derzeit weder Europa noch die USA punkten. Die Inflation wird hier wie dort für steigende Zinsen sorgen.

Unsere Heizölpreise halten noch seitwärts. Die Bewegung sieht stabil aus. Ihr droht aber Ungemach vom Weltmarkt. Die Nachfrage in Deutschland ist extrem schwach. Verbraucher hoffen weiterhin auf einen Preiseinbruch. Sie ignorieren, dass sich die Preise seit eineinhalb Jahren nicht mehr wechselhaft sondern nur aufstrebend entwickelten. Der frühe Kauf war zuletzt immer besser als nahezu jeder spätere Kauf. In einem solchen Markt macht es kaum noch Sinn, sich mit Preisverfolgung zu beschäftigen. Jetzt sollte man sich mit Verbrauchsverfolgung beschäftigen. Zukünftige Kostensenkung kann nur dort ihren Ursprung haben.

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