Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Besser früher als später

Die Ölbestände fallen. In den USA hatten sie im August einen historischen Höchststand erreicht. Seitdem nehmen sie ab. Bis Oktober war der Rückgang in den Lagern kaum wahrnehmbar. Danach kam Schwung in die Sache. Eine Korrelation der Ölpreisentwicklung mit den Vorratsdaten ist erkennbar. Die gestern veröffentlichten Zahlen zu den Veränderungen in den US-Tanklagern bestätigen den Trend. Rückläufige Vorräte werden auch in Europa und in China verzeichnet.

Ohne Zweifel schlägt dabei eine gestiegene Ölnachfrage zu Buche. Da man davon ausgeht, dass die Steigerung im nächsten Jahr weitergeht, ist der Abbau der zurzeit immer noch hohen Bestände absehbar. So eindeutig wie der Sachverhalt zu sein scheint, ist er allerdings nicht. Raffineriegesellschaften ließen in den letzten Wochen Abbauten zu, um zum Jahreswechsel geringere zu versteuernde Lagerbestände in die Bücher schreiben zu können. Es ist nicht auszuschließen, dass die Bestände im neuen Jahr wieder ansteigen werden. Erst wenn das nicht erkennbar ist, sind Sorgen um einen erneuten, exorbitanten Ölpreisanstieg angebracht. Der Höchstpreis von rund 150 Dollar pro Barrel Rohöl wurde im Juli 2008 erreicht. Damals verfügten die USA über 14 Prozent weniger Rohöl in ihren öffentlichen Lagern als heute. In den letzten zwei Monaten nahmen die Vorräte um rund 8 Prozent ab. Um weitere 14 Prozent abzubauen, bedarf es nur weniger Monate. Sollte der Abbau tatsächlich die ausschließliche Folge einer erhöhten Nachfrage sein, wird das bittere Konsequenzen für den Ölpreis haben.

Die möglichen Konsequenzen auf den Preis blieben gestern weitgehend aus, obwohl DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) mit ihren Lagerberichten Steilvorlagen dafür lieferten. Beide Institutionen meldeten erhebliche Bestandsrückgänge für die letzte Woche. Die Zahlen lauten wie folgt:

Rohöl: -5,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -5,8 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: +2,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,9 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 3,5 (DOE) bzw. 8,7 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind etwas höher als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieauslastung beträgt unverändert 88 Prozent.

Die realen Marktverhältnisse könnten im kommenden Jahr sehr greifbare Argumente für die Sorge über einen hohen Ölpreis liefern. Während diese Formulierung den Konjunktiv enthält, ist hinsichtlich der Finanzindustrie der Indikativ angebracht. Banken und Versicherungen verfügen über ausreichend Geld, um die Preisbildung an Rohstoffmärkten zu dominieren. Die Szene ist zum Öl so bullisch eingestellt wie nie zuvor. Einzig das etwas reduzierte Engagement in Papieröl (Futures auf Öl) lässt hoffen, dass exzessive Preisbewegungen ausbleiben. Die Hoffnung ist sehr vage, da Finanzmittel mit Lichtgeschwindigkeit verschiebbar sind. Vor wenigen Wochen stand das Engagement noch auf einem historischen Höhepunkt. Der kann blitzartig wieder erreicht werden. Hoffen lassen eher politisch unterstütze Ambitionen, Öl als Energieträger durch Strom zu ersetzen. Technisch sind die Ideen zwar höchst zweifelhaft. Sie werden mit hoher Wahrscheinlichkeit scheitern. Den Fluss überschüssigen Geldes und seiner fürchterlichen Wirkung auf den Ölpreis können die Ideen aber ein wenig dämpfen.

Gedämpft geht es heute an den Börsen zu. Die Handelsvolumina waren in den letzten Tagen geringer als sonst. Viele Händler sind bereits in den Weihnachtsferien. Sie geben sich mit dem Erreichten zufrieden und gönnen ihrer Gier ebenfalls Urlaub. Das klingt nach Zeitenwende. Es ist wohl keine. Die Preise werden ziemlich sicher weiter steigen. Einen neuen Höhepunkt nach der Finanzkrise haben sie bereits erreicht. Die Tonne Gasöl kostet 772 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 90,59 Dollar und in London 93,62 Dollar. Der US-Dollar wird zu 76,28 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise ziehen an. Wie befürchtet, haben sie ein weiteres Jahreshoch erreicht. Und selbst das, so orakeln wir, wird nicht das Letzte in diesem Jahr sein. Von den Ölbörsen erwarten wir in absehbarer Zeit keine freundliche Unterstützung. Eher könnte vom Dollar etwas Entspannung kommen, wenn da nicht die missliche Verschuldung einiger Eurostaaten wäre, die die Währung schwächt. Es bleibt nur die Hoffnung, dass die hemmungslose Überschuldung der USA irgendwann wieder auf die Agenda der Finanzjongleure gesetzt wird. Aber selbst das würde die Heizölpreise nur sehr begrenzt sinken lassen. In dieser Lage ist der frühe Kauf immer besser als der spätere Kauf. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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