Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Bestandsdaten denkbar ungünstig

Die wöchentliche Veröffentlichung der US-Bestandsdaten brachte gestern eine Art schlimmsten anzunehmenden Fall zu Tage. Statt eines moderaten Aufbaus wurden deutliche Rückgänge gemeldet. Das ist generell nicht beunruhigend, weil die Schwankung und die Datenunsicherheit auf Wochenbasis groß ist. Bei längerfristiger Aufzeichnung wird die Unschärfe ausgeglichen. Da der Markt derzeit aber extrem bullisch eingestellt ist, bewirkten die Daten binnen Sekunden einen Preissprung von zwei Dollar für Rohöl. Im weiteren Handelsverlauf setzte sich das Aufwärtsstreben fort. Der Dollar zeigte gestern Bewegung ohne Gewinn. Schlechte Daten über den US-Häusermarkt überraschten kaum. Der Abwärtstrend wird schwächer. Er bleibt aber intakt.

Die Preisbewegung der letzten Tage verlief in einer normalen Schwankungsbreite des steilen Aufwärtstrends. Vergangenen Freitag war der letzte Handelstag des US-Rohöl-Futures mit Fälligkeit im November. Seit Montag erfolgt die Preisangabe auf Basis des Dezember-Futures. Durch den Wechsel fiel der Rohölpreis um 1,6 Dollar. Derzeit zeigen die weiter in der Zukunft fälligen Futures einen Preisrückgang. Man nennt eine solche Formation Contango. Bis Mitte des Jahres war es umgekehrt. Mit steigender zeitlicher Fälligkeit verteuerten sich die Futures. Sie zeigten Backwardation. Die gültige Formation deutet darauf hin, dass die aktuelle Marktlage als teuer eingeschätzt wird. Daraus kann man allerdings nicht ableiten, dass die Preise fallen müssen.

Der Preisrückgang durch den Monatswechsel der US-Rohöl-Futures und durch einige entspannende Nachrichten ist bereits so gut wie ausgeglichen. Die aktuellen Preise für Rohöl und für Heizöl befinden sich in der Mitte ihrer streng aufwärtsgerichteten Trendkanäle. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden sie weiter steigen. Hierfür gibt es sowohl fundamentale Grundlagen als auch und vor allen Dingen charttechnische Argumente. Der Trend beflügelt sich selbst.

Auf fundamentaler Seite ist die Türkei-Irak-Krise mit der kriegerischen Lage in den Kurdengebieten zu nennen. Sie weckt Sorgen über die Sicherheit der Ölversorgung aus dem Nordirak. Gleiches gilt für den Atomstreit mit dem Iran. Auch hier werden Versorgungsängste stimuliert. Immerhin versucht die OPEC diese Ängste jetzt dadurch zu lindern, dass sie öffentlich über eine Erhöhung der Liefermengen diskutiert.

Vor dem Hintergrund der bestehenden Versorgungsängste wiegt der gestern von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) gemeldete Vorratsrückgang doppelt schwer. Bei genauer Betrachtung ist er es nicht. Aber so genau wollen die bullisch eingestellten Marktteilnehmer nicht hinschauen. Die Vorratszahlen lauten wie folgt:

Rohöl: -5,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -6,3 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,1 Mio. Barrel (API)
Benzin: -2,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,5 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 9,1 (DOE) bzw. 8,9 (API) Mio. Barrel. Das ist eine ungewöhnliche Übereinstimmung der Aussagen. Sie verstärkt ihre Wirkung. Die US-Importe sind tiefer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist nach wie vor schlecht. Sie beträgt 87 Prozent. Die Raffinerien sind ein preistreibender Dauerbrenner.

Die langfristige Darstellung der Vorratslage zeigt, dass die aktuellen Werte durchschnittlich sind. Aus dieser Sicht sind die Preise vollkommen überzogen. Mit etwas Anspruch auf Sparsamkeit, beispielsweise minus 10 Prozent aus geändertem Verbrauchsverhalten, müssten sie gar zum Einsturz bewegt werden. Aber daran ist momentan nicht zu denken. Und so werden die Preise weiter von Nachfragephantasien und Versorgungsängsten getrieben.

Heute Morgen geht es ganz oben weiter. Die Tonne Gasöl kostet 734 $. So teuer war sie noch nie.

Unsere Heizölpreise steigen. Dieser Umstand kommt erwartungsgemäß. Die Frage ist nun, ob der fallende Dollar es verhindern kann, dass neue Höchstpreise erreicht werden. Die höchsten Preise wurden bisher im September 2005 geschrieben. Im Süden der Republik wurden damals bis zu 70 Cent für den Liter Heizöl bei einer Liefermenge von 3000 Liter gezahlt. Heute sind es gut 65 Cent. Die lange anhaltende Kaufzurückhaltung wird Verbraucher in den kommenden Wochen in den bitteren Zwang führen, Heizöl zu sehr hohen Preisen einkaufen zu müssen. Dagegen hilft generell nur eine ständige Marktbeobachtung getreu dem Motto, Vorausschauen kann vor Überraschungen schützen. Die Marktbeobachtung lässt sich mit den im Internet angebotenen Möglichkeiten automatisieren.

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