Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Bestandsdaten gut aber einflusslos

Der Ölmarkt lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Selbst die auf immer neue Rekordwerte steigenden US-Vorräte haben keinen spürbaren Einfluss mehr auf die Preisbildung. Die klemmt zwischen negativen Wirtschaftserwartungen, bärischen US-Bestandsmeldungen und dem nicht sehr ernst genommenen Versuch der OPEC, der mangels Nachfrage aufkommenden Ölschwemme Herr zu werden. Die Preise dümpeln seitwärts. Eine weitere Abwärtswelle deutet sich an. Durchsetzen wird sie sich vermutlich nicht. Der einzige Kontrapunkt, die leicht bullische Benzinpreisentwicklung, steht dagegen. Der Dollar legte gestern erneut zu. Ein Minus am New Yorker Aktienmarkt und Skepsis zur europäischen Wirtschaftentwicklung, zu der in diesem Fall auch Russland gehört, dürfen als Begründung dienen. Die russische Wirtschaft ist auf Grund ihrer zu hohen Abhängigkeit vom Energiemarkt in große Bedrängnis geraten. Nun wurde das Rating erneut herabgestuft. Bei der Rating-Agenut Fitch steht Russlands Bonität nur noch zwei Stufen über dem Ramsch-Status.

Die Ruhe am Ölmarkt ist nicht auf mangelndes Anlegerinteresse zurückzuführen. Das befindet sich, soweit es an Börsen stattfindet, in normalen Verhältnissen. Das Gesamtengagement ausgedrückt in der Anzahl offener Kontrakte hat ein Niveau wie vor zwei Jahren. Die großen Spekulanten, das sind Banken, Investment- und Pensionsfonds, sind sogar deutlich stärker engagiert als damals. Und sie sind wieder bullisch eingestellt. Geringer beteiligen sich zur Zeit die Ölfirmen am börslichen Handel. Die Lagebeschreibung deutet auf die Erwartung langfristig steigender Preise hin. Offensichtlich sind geduldige Zeitgenossen im Markt. Trotz der negativen Konjunkturperspektiven werden sie nicht von der Angst um den Wert ihrer Anlagen getrieben. Dass die Preise vergleichsweise stabil bleiben, ist ein Zeichen für den eingebrochenen außerbörslichen Handel mit Ölpapieren. Wünschenswert wäre eine völlige Einstellung dieses unkontrollierten Handels.

Die von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) vorgelegten Daten über die wöchentliche Veränderung in den US-Tanklagern zeigen eine ausreichende Übereinstimmung. Man schenkt den Werten zwar Glauben aber kein Interesse. Folgendes wurde gemeldet:

Rohöl: +7,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +8,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,2 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,2 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 6,1 (DOE) bzw. 10,1 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist um ein Prozent auf 84 Prozent gestiegen. Der Wert ist schwach. Aber die nicht minder schwache Nachfrage verlangt nicht mehr. Der geringen Benzinzunahme, die im bevorzugten DOE-Wert ausgedrückt wird, glaubt man eine wachsende Kraftstoffnachfrage entnehmen zu können. Zweifel sind angebracht.

Die Bevorratung wächst auf immer neue Rekorde an. Vor zehn Jahren war sie gleich hoch wie heute. Höhere Werte findet man in der Geschichte äußerst selten. Dennoch gibt es noch etwas Luft in den Rohöllagern. Der Aufbau kann also weitergehen.

Nach jüngsten Schätzungen hat es die OPEC geschafft, seit Oktober vergangenen Jahres eine Rohölmenge von 2,8 Mio. Barrel pro Tag aus dem Markt zu nehmen. Geplant war eine Reduzierung von 4,2 Mio. Barrel pro Tag. Federführend bei den Kürzungen ist Saudi Arabien. Das Land demonstriert erwartungsgemäß hohe Bündnistreue. Es ist das einzige Mitglied, das unter der festgelegten Quote produziert. Herzlich wenig für die Interessen der OPEC tut Venezuela. Von dort kommen lediglich scharfe Kürzungsaufrufe. Zusammen mit Angola verletzt Venezuela die Quotenregelung am stärksten. Saudi Arabien mahnt immer wieder zu Quotenrespekt. Eine weitere Kürzung ist angekündigt. Die gesamte Kürzung der OPEC wird damit nicht bewerkstelligt. In den 1980er Jahren stand es um die Einhaltung von Zusagen in der OPEC ähnlich. Sie wurden nicht beachtet. Irgendwann platzte Saudi Arabien der Kragen. Man drehte den Ölhahn wieder auf, obwohl der Markt das Öl nicht brauchte. Die Preise fielen durch. Die Not der OPEC-Staaten wurde noch größer. Man rückte etwas näher zusammen und bemühte sich, die Quoten besser zu respektieren.

Heute Morgen setzt sich die Tendenz fort. Rohöl- und Heizölpreise geben nach. Benzin bleibt vergleichsweise hoch. Die Tonne Gasöl kostet 413,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 40,14 Dollar. Für einen US-Dollar muss man 78,01 Eurocent bezahlen.

Unsere Heizölpreise geben ein wenig nach, nachdem sie gestern etwas anzogen. Die übergeordnete Preislinie verläuft seitwärts. Immerhin nähern sich die Preise dabei ihren Tiefstwerten um die Weihnachtszeit wieder an. Neue Tiefs halten wir für möglich. Eine deutliche Abweichung vom Seitwärtstrend erwarten wir aber nicht. Die Lieferzeiten verbessern sich nur langsam. Immer wieder kommt es zu Auftragsschüben, die ein vollständiges Abarbeiten der Auftragsbücher verhindern. Zur Zeit können sich Verbraucher und Handel mit der Lieferlage gut arrangieren. Die Zeit für Heizölkäufe ist wieder in Ordnung. Trotz der attraktiven Preise erinnern wir an das Gebot, sich um die Reduzierung des Verbrauchs zu kümmern. Die Tatsache, dass Spekulanten langfristig auf steigende Preis setzen, darf als Mahnung verstanden werden.

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