Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Bestandsdaten lösen Gegenreaktion aus

Die Preise zogen gestern deutlich an. Als Auslöser gelten die US-Bestandsdaten. Als Antrieb gilt die Charttechnik. Die lange andauernde Abwärtsbewegung benötigt eine Konsolidierungsphase. Der Dollar ist weiterhin stark. Er kletterte auf eine Zwei-Jahres-Hoch.

Eine Konsolidierung der deutlich gesunkenen Preise, Gasöl fiel um 20 Prozent seit Ende September, kann unter ungünstigen Bedingungen direkt in die Rückkehr zum langfristigen Aufwärtstrend übergehen. Ungünstige Verhältnisse wären durch einen Kälteeinbruch im Nordosten der USA gegeben. In der Region wird das meiste Heizöl verbraucht. Sollte der Wintereinbruch noch einige Wochen ausbleiben, wäre es allerdings wahrscheinlicher, dass der Abwärtstrend erneut Luft bekäme und fortbestünde.

Stein des Anstoßes für den Preisauftrieb waren die gesunkenen US-Rohölbestände, die DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) in ihren gestrigen Berichten über die Vorratslage präsentierten. Die Zahlen i.E.:

Rohöl: -2,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,9 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,7 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 0,5 (DOE) bzw. 3,0 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind gegenüber der Vorwoche und dem Vorjahr unwesentlich gesunken. Die Raffinerieverfügbarkeit ist gegenüber der Vorwoche unwesentlich gestiegen. Sie ist im längerfristigen Vergleich allerdings erschreckend niedrig.

Dass der Rückgang in den Rohöllagern als Auslöser für eine Kurskorrektur gilt, gehört vermutlich eher in den Bereich Legendenbildung. Denn Rohöl steht dem Markt in ausreichender Menge zur Verfügung. Weil es nicht genug gekauft wird, kann es nicht in die Lager gelangen. Dass es nicht mehr gekauft wird, könnte an den weiterhin ungenügend arbeitenden Raffinerien in den USA liegen. Wenn die nicht zur Verfügung stehen, gibt es keinen Grund, die Eingangslager weiter aufzufüllen.

In der längerfristigen Betrachtung ist es immer noch ausgezeichnet um die Rohölbevorratung bestellt. Als sehr freundlich kann der Zugewinn in den Heizöllagern angesehen werden. Die Lager drohten ihre vergleichsweise gute Befüllung der letzten Monate zu verlieren. Dank des Wetters besteht jetzt die Chance, die Winterbevorratung noch anzuheben. Die nötigen Mengen müssen vom Weltmarkt gekauft werden, da die US-Raffinerien weiterhin Ausfallerscheinungen zeigen.

Die Wiederinbetriebnahme der Anlagen im Golf von Mexiko kommt momentan nur schleppend voran. Die Ausfallrate liegt immer noch knapp unter 50 Prozent. Das ist angesichts der vergangenen Wochen seit den verheerenden Hurrikanen nicht berauschend. Die Ölindustrie hat offensichtlich Probleme.

Mit etwas Abstand vom Börsengeschehen wirft die Momentaufnahme folgendes Bild: Um die Versorgung ist es kurzfristig gut bestellt. Längerfristig werden die Problem, die die US-Ölindustrie hat, defekte Förderplattformen, defekte Raffinerien, ungenügende Raffineriekapazität, den tendenziellen Preisauftrieb unterstützen. Kurzfristig wirkt die neue Sparsamkeit in den USA preisdrückend. Im Vergleich zum Vorjahr sank der Verbrauch in den letzten vier Wochen um 1,5 Prozent. Langfristig wird die kleine Veränderung nicht ausreichen, um die Ölversorgung der Welt zu entspannen. Dazu ist deutlich mehr gefordert. Der Pro-Kopf-Verbrauch der USA ist gegenwärtig mehr als doppelt so hoch wie der anderer Industrieländer.

Statt der momentan guten Versorgung wird heute morgen die Charttechnik gewürdigt. Der Preisauftrieb geht weiter. Gasöl kostet 506 $ pro Tonne, Tendenz steigend.

Unsere Heizölpreise steigen. Die Umkehr der Bewegungsrichtung kommt nicht überraschend. Sie war nach dem erfreulichen Preisrückgang der letzten Wochen in gewissem Sinn überfällig. Dass die Richtungsänderung sofort in eine neue Auftriebswelle der Preise übergeht, halten wir nicht für sehr wahrscheinlich. Dass die Preise aber langfristig, d.h. mit Blick auf ein Jahr, steigen werden und erneut Höchststände markieren, halten wir sehr wohl für wahrscheinlich.

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