Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Bestandsdaten rätselhaft

Der Preisauftrieb setzt sich fort. Daten über die US-Bestandsentwicklung brachten keine neuen Impulse. Die Preisbewegung folgt ihrem kurzfristigen Trend. Als Gegenreaktion zur Abwärtsbewegung sollte dieser langsam auslaufen. Im Umkehrschluss heißt das, bei fortgesetzter Aufwärtsbewegung droht eine Rückkehr zum langfristigen Aufwärtstrend. Der Dollar neutralisierte gestern die starken Verluste vom Vortag. Analysten halten sich mit einer Trendeinschätzung zurück.

Tendenziell stehen die Preise unter Druck, weil der Markt bestens versorgt ist. Dieser Umstand spiegelt sich allerdings nicht in der Preisentwicklung der letzten Tage wider. Die wurde durch winterliche Temperaturen und durch eine scheinbar marktbelastende Idee von Georg Busch bestimmt. Der im Januar aufgelaufene Preisverfall sieht nach Übertreibung aus. Daher ist es nicht verwunderlich, dass ein wenig Winter die Preise in umgekehrte Richtung zu schicken vermag. Gleiches gilt für die eher harmlose Initiative des US-Präsidenten, die strategischen Reserven auffüllen zu lassen. Die sich daraus ergebende Belastung der Versorgung ist im Promillebereich. So liegt die Erklärung, dass an den Börsen schlicht psychologische Spannung abgebaut werden muss, näher als jede Begründung mit fundamentalem Hintergrund.

Gerade zu unlogisch erscheint die jüngste Preisbewegung, wenn man die Bush-Initiative näher anschaut. Die soll nämlich die Nachfrage reduzieren. Bis 2017 sollen die Amerikaner 20 Prozent weniger Benzin verbrauchen. Gelingen soll das mit dem stärkeren Einsatz von Biosprit und einer Senkung des Verbrauchs amerikanischer Autos. Den Agenturmeldungen zu Folge, scheint Bush einen Benzinersatz durch Biokraftstoff bereits als Verbrauchsreduzierung zu deklarieren. Mit dieser Meinung befindet er sich sicher nicht allein. Gleichwohl trifft sie nicht die Realität.

Die Erhöhung der strategischen Reserven bis 2027, die gestern als Grund für steigende Preise herhalten musste, bringt den USA eine Überbrückungszeit gegen Lieferausfall von 97 Tagen. Hierzulande reichen die Reserven bereits heute für 120 Tage. Ambitioniert ist die Vorgabe also keinesfalls.

Mit Spannung wurden gestern die Daten über die Entwicklung der US-Vorräte erwartet. Nachdem DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) in der Vorwoche ähnliche Zahlen vorlegten und damit hohes Vertrauen in ihre Zählkunst schafften, sorgen sie mit der neuen Statistik für das Gegenteil. Die Zahlen scheinen zusammenhangslos zu sein und stiften lediglich Verwirrung.

Rohöl: +0,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,8 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,2 Mio. Barrel (API)
Benzin: +4,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,0 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 5,4 (DOE) bzw. ein Abbau von 7,0 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind deutlich tiefer als vor einer Woche aber höher als vor einem Jahr. Die Raffinerieverfügbarkeit liegt bei lausigen 87 Prozent. Dieser Umstand versprüht bullische Wirkung.

Als Handelsgrundlage ist der Datensatz unbrauchbar. Die Vorratslage ist im Vergleich zur langjährigen Entwicklung trotz der Unsicherheit bei der wöchentlichen Bewegung komfortabel. Zu dieser Jahreszeit war sie in diesem Jahrhundert nie besser.

Heute Morgen hält sich trotz der guten Bevorratung das Preisniveau von gestern Abend. Die Preise endeten auf Tageshöchstwerten. Die Tonne Gasöl kostet 492,50 $.

Unsere Heizölpreise steigen weiter. Im ganzen Bundesgebiet kostet der Liter Heizöl wieder über 50 Cent bei 3000 Liter Liefermenge. Eine geradlinige Rückkehr zum langfristigen Aufwärtstrend erscheint auf Grund der guten Versorgungslage abwegig. Spekulanten befinden sich bereits in großer Zahl im Markt. Daher kann sie nicht ausgeschlossen werden. Durch den Wintereinbruch kann es vor allen Dingen im Süden Deutschlands zu kleinen Lieferverzögerungen kommen.

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