Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Bestandsdaten und Libyen

Der Bürgerkrieg in Libyen geht weiter. Der Export von Rohöl ist mittlerweile zum Stillstand gekommen. Gaddafis unbeirrter Kampf um die Macht in Libyen scheint voran zu kommen und so reagierten die Ölbörsen wieder mit steigenden Notierungen. Gaddafi droht dem Westen mit einem Heiligen Krieg und Verbrüderung mit Al-Qaida. Unterdessen gibt es Gerüchte, dass er Gesandte in die aufständischen Regionen schickt, um Verhandlungen zu führen. Das ganze Feld ist unübersichtlich. Zum Einen könnten solche Gesandte tatsächlich seinen Rücktritt vorbereiten, zum Anderen könnten sie die Aufständischen lediglich in die Irre führen. Gaddafi hat definitiv ein Zeitproblem. Wenn er zurücktreten will, benötigt er Zeit, um diesen Rücktritt in seinem Sinne vorzubereiten. Wenn er wirklich noch an eine Rückeroberung des Landes glaubt, dann muss er schnell die Aufstände nieder schlagen, damit die internationale Öffentlichkeit ihre flüchtige Aufmerksamkeit wieder auf andere Bereiche der Welt lenkt. Die Arabische Liga und die Afrikanische Union kommen erst zum Ende der Woche zusammen, um einen Beschluss über ein mögliches Eingreifen der internationalen Gemeinschaft zu fassen. Vorher wird es keine Flugverbotszone und damit keine Unterstützung für die Aufständischen in Libyen geben. Die OPEC hat trotz des fehlenden Ölexports Libyens beschlossen, dass der Markt gut mit Rohöl versorgt ist und deswegen keine offizielle Anhebung der Förderquoten notwendig sei. Die Kämpfe in Libyen und dieser Beschluss setzten klare Zeichen für steigende Ölpreise.

Der Euro fällt. Die Ölimporte für Deutschland verteuern sich damit zusätzlich. Nach der Abwertung Griechenlands Bonität durch die Ratingagentur Moody’s folgt nun die Sorge um Portugal, dessen Aufnahme neuer Kredite nur mit höheren Zinsen möglich war. Zudem schlägt das Bewertungspendel bezüglich der durch die Europäische Zentralbank in Aussicht gestellten Zinserhöhung nun auch in die andere Richtung aus. Hieß es zunächst die Anhebung der Zinsen verschafft dem Euro einen Zinsvorteil gegenüber dem Dollar, was zu einer höheren Nachfrage des Euro führte, werden nun Stimmen immer lauter, die einen Zweifel an der Verträglichkeit höherer Zinsen mit dem Wirtschaftswachstum in der Eurozone anmelden. Hierdurch wird der Euro wieder geschwächt. Wirklich ausschlaggebend sind wohl nur die höheren Zinsen, die Portugal zahlen musste. Durch den Vorgang wird der Finger in die offene Wunde des unterschiedlichen Grades der Verschuldung bei ebenfalls unterschiedlicher Wirtschaftsleistung der Mitgliedsstaaten gelegt. Die fehlende europäische Wirtschaftsregierung mit einem integrierten europäischen Länderfinanzausgleichs lassen Devisenspekulationen zu viel Raum.

Gestern wurden die Zahlen über die aktuellen US-Bestände veröffentlicht. Der Abbau bei den Mineralölprodukten, insbesondere Heizöl und Benzin sorgten für einen weiteren Schub bei den Ölpreisen. Zwar sind die US-Mineralöl-Lager immer noch auskömmlich gefüllt, aber der Überraschungseffekt zeigte seine Wirkung. Der ebenfalls überraschend starke Aufbau der US-Ölsorte WTI führte zu einem erneut stärker auseinander klaffenden Abstand zur Nordsee-Ölsorte Brent. Die aktuellen Zahlen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) zur Lage in den US-Lagern lauten wie folgt:

Rohöl: +2,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,8 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -4,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: -5,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,7 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 7,0 (DOE) bzw. 1,4 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung stieg auf weiterhin schwache 82 Prozent.

Heute Morgen bleibt die Stimmung bullisch für die Ölpreise und bärisch für den Euro. Das ist die schlechteste Kombination für den deutschen Verbraucher. Die Tonne Gasöl kostet 970 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 104,93 Dollar und in London zu 116,17 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 72,35 Eurocent.

Unsere Heizölpreise steigen wieder. Sie werden von den Öl- und Devisenmärkten nach oben getragen. Der deutsche Verbraucher übt sich nicht nur an der Tankstelle bei E10 mit Kaufzurückhaltung, sondern auch beim Heizölkauf. Da die Börsen kaum Besserung versprechen, kann man wohl nur noch auf das Wetter hoffen und dass der Vorrat im Keller reicht. Wer sich hierüber Klarheit verschaffen will, sollte unseren elektronischen Peilstab verwenden.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: HeikoHarlapp@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen