Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Bestandsrückgang wird zum Problem

Stark rückläufige US-Bestände und die Ermordung der pakistanischen Oppositionsführerin Bhutto ließen die Preise gestern steigen. Sie lösten sich aus der Seitwärtsbewegung. Der Trend weist nun erneut aufwärts. Die Marke von 100 Dollar für das Barrel Rohöl ist nicht mehr fern. Der Dollar beschreibt wieder das Spiegelbild zum Ölpreis. Er gibt kräftig nach. Konjunkturdaten für die USA trüben sich weiter ein.

Seit einem halben Jahr gehen die Rohölvorräte der USA zurück. Nachdem sich der Rückgang zwischenzeitlich beruhigt hatte, beschleunigte sich der Trend zuletzt wieder. Da die Bestände von einem sehr hohen Niveau fielen, gaben die absoluten Vorratszahlen bisher keinen Anlass zur Besorgnis. Inzwischen sind die Vorräte aber auf den Wert zurückgefallen, den sie vor drei Jahren hatten. Den fünf Jahre zurückliegenden Wert übertrafen sie im Frühsommer um 23 Prozent. Heute sind es lediglich fünf Prozent. Über die letzten 20 Jahre betrachtet ist die aktuelle Bevorratung unterdurchschnittlich. Der starke Abgang entwickelt sich nun doch zu einem preisrelevanten Problem.

Genau das spiegelt die Börsenreaktion auf die gestern von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) veröffentlichten Zahlen über die wöchentliche Veränderung in den Lagern wider. Dabei fiel die Reaktion mit einem Tagesplus von gut einem Prozent durchaus verhalten aus. Die Vorratsdaten lauten wie folgt:

Rohöl: -3,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,9 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -2,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 5,4 (DOE) bzw. 4,2 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit beträgt abermals schwache 88 Prozent.

Die Heizölvorräte ergeben im Vergleich zu den Rohölvorräten ein besseres Bild. Für den Beobachtungszeitraum von 20 Jahren sind sie aktuell überdurchschnittlich hoch. Sollte sich der Winter nicht als übermäßig kalt entpuppen, wird es keine Versorgungsengpässe geben. Dann könnten zumindest die Heizölpreise in der zweiten Winterhälfte nachgeben.

Preisrelevante Einflüsse sind in nächster Zeit von der Nachfrageentwicklung und von der Einschätzung der verfügbaren Reserven zu erwarten. Von Bedeutung wird auch die Geschwindigkeit sein, in der die weltweite Energieversorgung umgebaut wird. Politische Ereignisse wie die Ermordung Benazir Bhuttos oder die türkische Militäraktion gegen die PKK im Nordirak dürften hingegen nur kurze und nicht bleibende Impulse auf die Preisbildung ausüben.

Nachfrageseitig ist in naher Zukunft ein Rückgang für die USA und ein weiterer Anstieg für China zu erwarten. Die Konjunktur beider Länder wird im kommenden Jahr gegensätzlich verlaufen. Die Bestrebung, Energie zu sparen, wird von den Vertretern beider politischen Systeme betont. China dürfte das aber angesichts des Wirtschaftsbooms nicht gelingen.

Heute Morgen ist noch keine Fortsetzung der gestrigen Aufwärtstendenz zu beobachten. Die Tonne Gasöl kostet 849,50 $.

Unsere Heizölpreise steigen. Der Weltmarkt drängt sie dazu. Im Binnenmarkt gibt es zusätzlichen Auftrieb, weil eine hohe Zahl von Leerständen und wenige Arbeitstage um den Jahreswechsel die Lieferfähigkeiten des Handels überfordern. Bis zum 7. Januar ist die Preisbildung irregulären Einflüssen ausgesetzt. Danach wird sich die Lage normalisieren. Die Nachfrage wird angesichts überdurchschnittlich leerer Tanks hoch bleiben. Das Warten auf einen Preisrückgang treibt viele Verbraucher zu teuren Notbestellungen. Wir halten einen moderaten Preisrückgang im Verlauf des Winters nach wie vor für möglich. Darauf zu spekulieren, setzt aber voraus, einen ausreichend gefüllten Tank zu haben. Zeitliche Flexibilität ist unbedingt gefordert.

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