Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Bonanza wird neu aufgelegt

Die globale Wirtschaft braucht die „Fürbitten“ der Wachstumsapologeten. Ihr stehen schwere Zeiten ins Haus. Insbesondere die alten Industrienationen, allen voran Europa und Japan, werden mit Rezessionen kämpfen. Nicht viel besser stehen die USA da, die das R-Wort zwar nominell vermeiden können, aber dennoch ähnliche Effekte zu spüren bekommen. Dort vernichtet jedes Wachstum deutlich unter drei Prozent Arbeitsplätze. Das liegt an der extremen Ungleichverteilung von Vermögen und an der nominellen Bedeutung der Finanzindustrie, die zwar Wirtschaftindikatoren schönt, aber der breiten Masse keine Einkommen verschafft. Da kommen Prognosen gerade recht, die von einem neuen Ölrausch träumen lassen. Presse, Funk und Fernsehen werden sich der Bonanza in den kommenden Wochen annehmen und die Peak Oil Debatte zu desavouieren versuchen.

Soviel sei vorausgeschickt, die Wahrheit kennt kein Mensch und in der Ölwelt werden Statistiken genauso gebeugt wie in anderen öffentlichen Bereichen der Gesellschaft. Diese Tatsache macht jede Position mit absoluten Erkenntnissen und den daraus abgeleiteten Forderungen verdächtig, sei sie Peak Oil oder Ölbonanza aber auch Solarenergie und Stromautobahnen. Realität befindet sich zwischen den Extremen.

Aktuellen Anlass für einen neuen Traum von ganz viel Öl liefert der World Energy Outlook der IEA (Internationale Energie Agentur). Er bestätigt den seit einiger Zeit in Fachkreisen kolportierten Trend zu einer entspannten Ölversorgung in den kommenden Jahren aufgrund wachsenden Angebots. Grund hierfür ist die hohe Investitionsbereitschaft in Exploration und Förderanlagen. Diese bringt neue Techniken ins Spiel, mit denen sowohl neue Ölfelder zugänglich gemacht als auch alte reaktiviert werden können. Im Wesentlichen geht es dabei um eine nennenswerte Erhöhung des Entölungsgrads eines Ölfelds von früher im Durchschnitt 30 Prozent auf nun über 60 Prozent und um das Erschließen bisher zwar bekannter aber unattraktiver Vorkommen wie beispielsweise Ölschiefer.

Mit denen wollen die USA wieder an die Spitze der Fördernationen zurückkehren. Das Vorhaben ist weniger ambitioniert als es sich anhört. Die USA waren seit Öl genutzt wird immer ein ganz großer Ölproduzent. Bis 1970 waren sie die unangefochtene Nummer eins. Um 1990 teilten sie sich den Platz mit Russland und Saudi Arabien. Weil Öl damals sehr billig war, lohnte sich die Förderung im eigenen Land nicht mehr. Die Produktion sank von einst 11,3 Mio. Barrel pro Tag auf 6,7 Mio. Barrel in 2008. Seitdem steigt sie wieder und soll um 2020 über 11 Mio. Barrel pro Tag betragen. Mehr ist nach heutigem Wissen nicht drin. Russland und Saudi Arabien werden wahrscheinlich ebenfalls auf dem Niveau dabei sein. In die Liga der ersten drei wird darüber hinaus der Irak mit einer Förderung von gut 8 Mio. Barrel pro Tag aufsteigen. Der Wert wird allerdings erst um 2035 realisiert werden. Bis dahin rechnet man mit Rückgängen in Russland und den USA. Saudi Arabien ist eine große Unbekannte im Spiel.

Ist Peak Oil damit Geschichte? Mit Sicherheit nicht, Peak Oil ist Zukunft. Die Theorie, dass das Fördermaximum bereits heute erreicht sei, war immer zweifelhaft, weil sie sich auf Teilmengen des vorhandenen Öls bezieht, das sogenannte konventionelle Öl. Dieses Öl ist leicht und günstig förderbar. Zukünftig wird schwierig und teuer zu förderndes Öl angegangen. Als Energieträger unterscheidet es sich nicht von konventionellem Öl. Insofern ist eine gesonderte Peak Oil Betrachtung abwegig. Sie ist allenfalls für die Ökonomie der Wachstumsgesellschaft von Bedeutung, weil die mit steigenden Kosten zu kämpfen hat. Es war und ist Konsens, dass Peak Oil eine Frage der Ressourcen, der Nachfrage und der zur Verfügung stehenden Finanzmittel ist. Nach pessimistischen Schätzungen sind die einst vorhandenen Ressourcen der Erde zur Hälfte verbraucht. Optimisten meinen, dass die noch vorhandenen Ressourcen viermal so groß sind wie die bereits verbrauchten. Wenn die Nachfrage groß genug ist, woran derzeit kein Zweifel besteht, und wenn genug Geld vorhanden ist, was trotz allen Gelddruckens nicht selbstverständlich ist, wird Peak Oil definitiv noch Jahre entfernt sein.

Zur entspannten Absage des Ölkomplexes als Thema, das Menschen betrifft, gibt es dennoch keinen Anlass. Da teure Technik mehr denn je Grundlage der zukünftigen Ölversorgung ist, sind steigende Preise die logische Konsequenz. Die IEA ist in dieser Frage zurückhaltend. Sie prognostiziert einen Preis von 215 Dollar pro Barrel in 2035. Das entspricht einem heutigen Preis von 125 Dollar. Die Realität wird wahrscheinlich mehr verlangen. So verhielt es zumindest in der Vergangenheit mit Preisprognosen. Öl war, ist und bleibt ein Stoff, den sich nur reiche Nationen leisten können.

Mehr als Ressourcen und Preise beunruhigt die Autoren des Energy Outlooks allerdings der Verbleib des geförderten Öls. Nach Verbrennung wird es in der Atmosphäre deponiert. Dort sind die Deponiekapazitäten, die menschliches Leben auf der Erde erlauben, weitgehend ausgeschöpft. Eine Fortsetzung auf aktuellem Niveau oder gar Steigerung der Förderung lässt die einzige Mülldeponie, die wir haben, überlaufen. Sowohl aus diesem Grund als auch aufgrund der zu erwartenden Preise mahnt die IEA dazu, den Schwerpunkt zukünftiger Aktivitäten auf die Vermeidung von Verbrauch durch Erhöhung der Effizienz zu setzen. Hierin sieht sie die aktuell größte „Energiequelle“. Für die über ihren Attraktivitäts-Peak hinausgewachsenen alten Industrienationen wird das nicht reichen. Für sie geht es um die Entwicklung einer postfossilen Gesellschaftsform, die ohne das Wachstumsparadigma vergangener Zeiten auskommt.

An den Ölbörsen ist von der virulenten Debatte um die Bonanza wenig zu sehen. Die Notierungen werden hoch gehalten. Das ist in erster Linie der Finanzindustrie geschuldet, die bis zum Jahresende mal wieder Gewinne benötigt, um ihre Leistungsfähigkeit in Prospekten darstellen zu können. Nennenswerte Preisrückgänge dürften deshalb erst nach dem Jahreswechsel auftreten. Die Tonne Gasöl kostet 928,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 84,83 Dollar und in London zu 108,40 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 78,85 Eurocent.

Unsere Heizölpreise bleiben auf Seitwärtskurs. Die schwachen Vorgaben der Ölbörsen legen das nahe. Die Binnennachfrage wird ruhiger. Bisher hatte das noch keinen Einfluss auf die recht hohen Margen. Etwas Nachlass ist bei moderater Nachfrage möglich. Dadurch kann das Gesamtniveau dem Jahresmittelwert ein wenig angenähert werden. Von einem ordentlichen Preisabgang wäre der Sachverhalt aber weit entfernt. Bis zum Jahresende erwarte ich keine große Veränderung der Preise. Danach könnte etwas gehen, wenn die Lage um den Iran nicht außer Kontrolle gerät. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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