Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Brauchen wir ein neues Preisverständnis?

In der letzten Woche beherrschte der Preisauftrieb die Szene. Das hätte vor dem Hintergrund der Ereignisse im Irak und im Nahen Osten kaum anders sein können. Man kann es fast als Erfolg werten, dass dabei keine neuen Jahreshöchstpreise herauskamen. Das hohe Preisniveau wird erhalten bleiben. Kurzfristig sind Preisrückgänge möglich. Der Dollar behält seinen Aufwärtstrend mit gemäßigter Geschwindigkeit bei.

Die USA und ihre Kriegsverbündeten bekommen die Lage im Irak nicht in den Griff. Die Gewalt wird zur Normalität. Ein zügiger Aufbau des Landes scheint nicht möglich zu sein. Erstaunlicherweise blieb die Ölinfrastruktur von den jüngsten Kämpfen verschont. Irakische Kämpfer bevorzugen derzeit die Geiselnahme als Mittel zur Durchsetzung ihrer Interessen. Damit landete bisher nur ein Teil des möglichen Preisauftriebs in den Märkten.

Zur grundsätzlich bullischen Stimmung tragen auch die Vorkommnisse im Nahen Osten bei. In ihrer politischen Wirkung auf die Märkte lassen sie sich kaum von den Ereignissen im Irak unterscheiden. Inzwischen macht sich eine Art Gewöhnungseffekt bemerkbar. Die Preisbildung spiegelt zumindest keinen echten Kriegszustand wider.

Für Auftrieb sorgt nach wie vor der US-Benzinmarkt. Seine Versorgung ist weiterhin wackelig. Die unterschiedlichen Umweltschutzbestimmungen der einzelnen Staaten machen es Benzinproduzenten schwer, sich auf ein einziges Massenprodukt einzustellen. Außerdem kämpfen sie mit maroden Raffinerien, die gerne den Dienst versagen. Zur Überraschung der Broker zeigte sich am Freitag eine unerklärliche Entspannung des physischen Marktes in New York. Es gab genug Benzin. Das ließ die Preise etwas fallen.

Die Ölvorräte in den USA sind immer noch unterdurchschnittlich tief. Zwar wurde in der letzten Woche wieder ein deutlicher Aufbau in den Lagern gemeldet, der in Summe laut API (American Petroleum Institute) 7,5 Mio. Barrel und laut DOE (Department of Energy) 2,2 Mio. Barrel betrug. Aber die hohe Diskrepanz in den Zahlen stimmte die Broker skeptisch. Für sinkende Preise taugten die Meldungen deshalb nicht. Zudem sind die Importzahlen nur noch durchschnittlich. Es werden aber auf längere Sicht überdurchschnittliche Importe erwartet.

Der Einfluss der OPEC auf die Preise ist nicht sehr stark. Der jüngste Kürzungsbeschluss schafft zwar grundsätzlich bullische Voraussetzungen. Er wird aber nicht konsequent umgesetzt. Das lindert das Aufwärtspotential des Beschlusses. Aus dem Iran kommen moderate Töne zur Marktlage. Der Ölminister möchte den Preis zwischen 28$ und 30$ angesiedelt sehen. Und auch der OPEC-Präsident Purnomo Yusgiantoro trägt zur verbalen Entspannung bei. Er will vor dem nächsten Treffen mit russischen Produzenten über ein gemeinsames Vorgehen bei der Preisbegrenzung sprechen, um den Ölpreis nicht zu einer Belastung für die Weltwirtschaft entarten zu lassen.

Die Fonds wittern unterdessen wieder Morgenluft. Nachdem sie sich fast in Gänze von ihren Engagements auf steigende Preise getrennt hatten, kauften sie in der letzten Woche wieder ein. Der Bestand an Longkontrakten ist erneut recht hoch. Die Fondsmanager sehen offensichtlich noch Chancen auf steigende Preise.

Dem Dollar wurde am Freitag Wind aus den Segeln genommen. Die US-Arbeitsmarktzahlen waren schlecht und die Wirtschaft wächst nicht so schnell wie erhofft. Das dämpft die Erwartungen in baldige Zinsanhebungen. Deutlich nachgeben wird die Währung aber vermutlich nicht. Allenfalls wird sie langsamer steigen.

Der Gasölpreis ist sehr hoch. Er befindet sich wieder über der 300-Dollar-Marke. Da war er in den letzten drei Jahren nur zweimal, vor einem Monat und vor gut einem Jahr. Die Tonne kostet 306,50$.

Unsere Heizölpreise stehen in der Nähe eines Jahreshochs. Damit sind sie teuer. In der Dreijahresicht stehen sie allerdings unweit über einem mittleren Niveau. Damit sind sich in Ordnung. Es scheint angebracht, angesichts der Entwicklung in der Welt die Sichtweise anzupassen. Wahrscheinlich wird die Geschichte das abgelaufene Jahr als ein billiges Heizöljahr verbuchen. Zukünftige Jahre werden teurer werden. Und möglicherweise wird der aktuelle Preis bald als billig eingeschätzt werden. Die Hoffnungen, auf Grund des billigen Dollars neue Tiefstpreise zu sehen, zerplatzen mit dem aktuellen Weltgeschehen. Mittel- bis langfristig kommt der Dollar aus seinem Tal heraus, so dass dann, wenn die Weltmarktpreise endlich wieder erfreulicher sein werden, kein Dollarvorteil mehr existiert.

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