Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Bullen brüllen im Markt

Beflügelt von sich selbst und vom gefühlten Ende der Krise steigen die Ölpreise zu immer neuen Höhen. Phantasie ist der stärkste Motor. Nun wird sie mit ein paar Fakten aus dem Ölmarkt garniert. Dabei zeigen sich nur bullische Aussagen als preisrelevant. Die Daten müssen zur Geschichte passen. Selektion war seit je her ein wesentliches Prinzip börsenrelevanter Kommunikation. In kurzen Worten: Der Aufwärtstrend der Preise macht einen außerordentlich festen Eindruck. Die hohen Ölbestände beginnen zu sinken. Ein Ende des Nachfragerückgangs ist absehbar. Die Wende sollte bereits 2010 kommen. Die bestätigten weltweiten Erdölreserven konnten 2008 nicht erhöht werden. Die Nachfrage der OECD-Staaten wurde erstmals in der Geschichte durch alle anderen Staaten übertroffen.

Erwartungsgemäß meldete das DOE (Department of Energy) gestern sinkende US-Bestände. Die Vorgabe zur Erwartung kam bereits am späten Dienstagabend vom API (American Petroleum Institute) heraus. Die wöchentliche Veränderung in den Lagern liest sich wie folgt:

Rohöl: -4,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -6,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,0 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 6,3 (DOE) bzw. 6,0 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit beträgt unverändert 86 Prozent. Zusammenfassend kann man sagen, wenn zu wenig Öl importiert wird, nimmt man es von den Vorräten. Dazu sind sie da. Weniger Öl zu importieren, ist kein von der Natur erzwungener Umstand sondern eine kaufmännische Entscheidung. Die Vorräte befinden sich nach wie vor auf einem ungewöhnlich hohen Niveau. Die Lager sind randvoll.

Das gefühlte Ende der Krise geht in die Nachfrageprognose der EIA (Informationsbehörde des US-Energieministeriums) ein. Ab 2010 soll der Verbrauch wieder steigen. Heute wird die IEA (Internationale Energie Agentur) ihre Schätzung veröffentlichen. Sie wird vermutlich ebenfalls dem Stimmungswechsel folgen.

Die bestätigten weltweiten Erdölreserven sind in der 2008er Jahresstatistik der BP gefallen. Das ist bisher ein außerordentlich ungewöhnlicher Befund. Seit 1980 trat er dreimal auf, nämlich in den Jahren 1990, 1998 und 2008. Er wird mit Sicherheit nicht der letzte seiner Art bleiben.

Dass die Ölnachfrage der Nicht-OECD-Länder diejenige der OECD-Länder übertrifft war absehbar. Die Tatsache wird Verlustängste bei alten Ölverbrauchern auslösen. Anderseits ruht auf einer solchen Nachricht der ganze Konjunkturglaube unserer auf Wirtschaftswachstum programmierten Gesellschaft. Insbesondere hierzulande ist man auf das Wachstum und damit auf den Mehrverbrauch anderer Regionen dieser Erde erpicht und angewiesen.

Das waren die wichtigen bullischen Themen des Ölmarktes. Nun folgen ein paar bärische Elemente. Auch wenn diese derzeit ohne Einfluss bleiben, sollten sie wahrgenommen werden. Man kann daraus eine eigene Meinung zur weiteren Entwicklung ableiten. Die arabischen Länder bauen massiv neue Raffineriekapazitäten auf. Sie investieren 96 Mrd. Dollar in den Sektor, der bisher im Verhältnis zum Rohölangebot deutlich zu klein bemessen war. Damit unternimmt die Golf-Region einen großen Schritt zu einer integrierten Ölindustrie. Sie kann zukünftig auch als Produktanbieter auftreten. Die lange knapp gehaltenen weltweiten Raffineriekapazitäten werden sich entspannen. Raffineriemargen geraten bereits heute zum Leitwesen bekannter Ölgesellschaften unter Druck.

Saudi Arabien will in den kommenden 20 Jahren Entölungsgrade von 70 Prozent erreichen. Durch diese Maßnahme sollen die Ressourcen des Landes um 22 Prozent steigen. Bisher gelten Entölungsgrade von 50 Prozent als kaum erreichbar. Nachdem die Förderung nachfragebedingt um über 20 Prozent gedrosselt wurde verfügt das Land aktuell über eine Reserveförderkapazität von 4 Mio. Barrel pro Tag. Langfristig will man trotz einer erwarteten Nachfragesteigerung von über 40 Prozent eine Förderreserve von 2 Mio. Barrel pro Tag vorhalten.

Das gefühlt nahe Ende der Rezession wird ausgerechnet vom Chef der Propheten hoher Ölpreise, Goldman & Sachs angezweifelt. Lloyd Blankfein mag den Schönrednern nicht folgen, die die Krise als so gut wie überwunden ansehen. Der aktuelle Aufschwung an den Börsen sei „oberflächlich“. Von Nachhaltigkeit sei keine Spur zu erkennen. Vielmehr wird sich die Rezession noch lange hinziehen. Mit seiner Skepsis ist der Mann nicht allein. Es gibt viele Stimmen, die die Rallye als eine Bärenmarktrallye bezeichnen. Sie sind aktuell der stillere Teil der Geräuschkulisse. Die Prognose höherer Ölpreise und tieferer Dollarkurse bleibt gleichwohl stehen.

Heute Morgen zeigt sich diese als zutreffend. Öl wird wieder teurer. Der Dollar gibt nach. Der hatte zuletzt entgegen dem üblichen Trend ebenfalls zugelegt. Devisenhändler hadern gerade mit Europas Konjunkturaussichten. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 570 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 71,57 Dollar. Der US-Dollar wird zu 71,47 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise steigen munter weiter. Der Anstieg wurde zuletzt nicht mal durch den Dollar gedämpft. Im Gegensatz zum Anstieg selbst, dürfte das allerdings keine Dauererscheinung bleiben. Auf fallende Heizölpreise können wir kaum noch positive Hoffnungen machen. Wenn diese eintreten sollten, werden sie mit negativen Wirtschaftsmeldungen einhergehen. Die einzig sichere Methode gegen höhere Wärmekosten wird langfristig die Steigerung der Effizienz sein. Das heißt neue Heizung und Wärmedämmung (oder neues Haus). Vor der Investition sollte das Haus unter die Lupe genommen werden. Das geht mit unserem Logbuch für den Heizölverbrauch.

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