Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Bullen im Rausch

Die OPEC behält die Quoten bei. Die US-Bestände sind in der letzten Woche gesunken. Beide Nachrichten sind unspektakulär. Spektakulär ist hingegen die Reaktion der Börse. Die Preise schossen erneut aufwärts, als sei die Versorgung zusammengebrochen. Die Versorgung der Verbraucher läuft aber störungsfrei. Der Aufwärtstrend erweist sich als extrem hartnäckig. Trotz Überhitzung und längst fälliger Gegenreaktion entwickelt er ein historisches Hoch nach dem nächsten. Das gilt besonders für die Gasölpreise. Der Dollar verlor gestern wieder an Wert und erreichte ein neues historisches Tief. Schlechte US-Konjunkturdaten machen den nächsten Zinssenkungsschritt notwendig. Damit wird der Dollar immer unattraktiver gegenüber dem Euro.

Die OPEC-Entscheidung war so, wie sie kam, erwartet worden. Aus den USA wird von anders lautenden Hoffnungen berichtet. Namentlich George W. Bush wird mit dem Wunsch nach mehr Öl zur Beruhigung der US-Wirtschaftsschwäche zitiert. Möglicherweise hat er Verbrauchern damit einen Bärendienst erwiesen. Denn die Zurückweisung seiner Vorstellung vom Ölangebot war Wasser auf den Mühlen bullischer Spekulanten. In seiner Begründung zum Beibehaltungsbeschluss verwies der OPEC-Präsident Chakib Khelil auf eben diese Spekulanten und die schlecht geführte US-Wirtschaft als Ursache für die davonfliegenden Preise. Die Steuerungsmöglichkeiten seiner Organisation seien im Vergleich zur spekulativen Potenz der Finanzmarktakteure gering. Khelil sagt voraus, dass Nachfrage und Preise mit dem weiteren Rückgang der US-Konjunktur sinken werden. Diese Aussage wird allerdings von folgender Meldung konterkarriert: „Der saudische Ölminister befürchtet einen geringeren Nachfragerückgang im zweiten Quartal im Vergleich zu den vorangegangen Jahren.“ Saudi Arabien habe kein Problem, noch mehr Öl zu verkaufen. Die Käufer seien da.

Die Daten von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) zur wöchentlichen Veränderung in den US-Vorratslagern standen mindestens in einem Punkt der Prognose zur Lage diametral entgegen. Statt eines Rohölanstiegs wurde ein kräftiger Rohölrückgang gemeldet. Dieser versetzte die ohnehin prächtig aufgelegten Bullen in den oben genannten Rausch. Die Zahlen im Einzelnen:

Rohöl: -3,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,6 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -2,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,8 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,3 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 3,5 (DOE) bzw. 5,1 (API) Mio. Barrel. Gleichwohl werden die Importe als höher gegenüber Vorwoche und Vorjahr gemeldet. Die Raffinerieverfügbarkeit stieg auf 86 Prozent. Die Verbesserung zur Vorwoche wird ignoriert, zumal der Wert schwach ist und die technischen Probleme an den größtenteils überalterten Anlagen nur ungenügend beseitigt werden.

In absoluten Zahlen ausgedrückt ist die Vorratslage weit weniger dramatisch, als sie gehandelt wird. Sie liegt auf Vorjahresniveau, ist etwas besser als vor drei Jahren und deutlich besser als vor fünf Jahren.

Die genannten fundamentalen Umstände der Versorgung sind im gegenwärtigen Börsenumfeld lediglich eine Randnotiz. Sie geben den mit enormen Geldmitteln ausgestatteten Akteuren allenfalls Stichworte für ihr ohnehin vorprogrammiertes Handeln. Und das ist auf noch stärker aufgeblasene Ölnotierungen eingestellt. Misslich an dieser Spekulationsblase ist die weiter reichende Auswirkung gegenüber früheren Blasen. Denn der spekulative Handel mit Öl macht das wichtigste Gut der realen globalen Wirtschaft zum Spielobjekt. Das war früher bei der Internet- und den diversen Immobilienblasen weit weniger der Fall.

Heute Morgen hält sich der Ölpreis auf dem gestern erreichten Niveau. Trotz des starken Anstiegs ist so gut wie keine entspannende Reaktion zu registrieren. Die Tonne Gasöl kostet 959,00 $. Anfang des Monats lag der Wert bei 780,00 $.

Unsere Heizölpreise haben erneut ein Rekordhoch erreicht. Die ins Auge gefasste Gegenreaktion fand nicht statt. Statt dessen gab es einen weiteren Preisschub. Ein Ende der Teuerung ist derzeit nicht abzusehen. Ölpreisentwicklung und Versorgungslage haben sich entkoppelt. Zur Beurteilung der Preisentwicklung muss man auf die Stimmung am Finanzmarkt schauen. Solide Versorgungsdaten spielen derzeit keine Rolle.

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