Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Bullisch wie selten

Die letzte Woche hat alle Hoffnungen auf fallende Preise zunichte gemacht. Ausgelöst von einem unerwarteten Abbau der Vorräte in den USA zogen die Preise kräftig an und erreichten für Nordseeöl Brent den höchsten Stand nach dem Irakkrieg. Ein Ende der Preisrallye ist nicht in Sicht.

Fundamentale Nachrichten, die die hohen Weltmarktpreise rechtfertigen, gibt es kaum. Zwar fordern stillstehende US-Raffinerien den Markt heraus. Doch sind nicht allein technische Probleme Schuld an ihrem sehr schlechten Auslastungsgrad. Saisonale Umstellung auf die Benzinproduktion tragen ebenfalls dazu bei. Da die in diesem Jahr auf Grund des milden Winters besonders früh stattfinden, stehen die Chancen gut, dass der so kritisch beäugte Benzinvorrat bis zum Beginn der Fahrsaison deutlich steigt.

Die für den Preisschub der letzten Woche verantwortlich gemachte Lagersituation ist gar nicht so schlecht. Die Vorräte sind etwas größer als vor einem Jahr. Damals waren die Preise am Weltmarkt höher als heute. Zieht man aber die sogenannte Kriegsprämie von rund 4$ ab, die in den Preisen steckte und sich nach Beginn des Waffengangs verflüchtigte, ergeben sich aktuell höhere Preise als vor 12 Monaten.

Ein ähnliches Vorrats-Preis-Verhältnis wie heute gab es im September 2000. Die Preise erreichten damals ein historisches Hoch, das ähnlich wie heute von einer restriktiven OPEC-Förderpolitik ausgelöst wurde. Von einer Spitze, die rund einen Dollar höher lag als momentan, fielen die Preise dann aber rasant in die Tiefe. Man hatte die Bewegung als überzogen bewertet. Momentan sieht es nicht so aus, als ließen die Marktumstände einen solchen Preisverfall zu.

Die Stimmung ist bullisch wie selten zuvor. Große wie kleine Spekulanten setzten das letzte Mal vor viereinhalb Jahren so deutlich auf steigende Kurse. Es folgte eine der höchsten und am längsten anhaltenden Preissteigerungen der jüngeren Geschichte.

Auf der Suche nach dem Gründen für die bullische Einschätzung der Spekulanten insbesondere der Fonds findet man keine harten Fakten. Genannt wird ein nicht quantifizierter aber riesiger Bedarf Chinas, Indiens und der USA. Der steht allerdings gegen die Meinung, dass die Nachfrage im zweiten Quartal deutlich sinken werde. Und es wird als Grund die Haltung der OPEC ins Spiel gebracht. Die ist in der Tat alles andere als vertrauenserweckend. Man weiß nicht, ob das Zielpreisband von 22-28$ pro OPEC-Barrel noch Gültigkeit hat oder ob es schon auf 30-32$ angehoben wurde. Venezuela erhob diese Forderung. Möglicherweise wird sie inzwischen von Saudi Arabien geteilt. Kürzungen wurden ausgerufen, obwohl die Lager einen deutlichen Aufbau dringend benötigen. Sie wurden bisher allerdings nicht realisiert. Nigeria stellt sich seit der letzten Woche sogar öffentlich gegen die offizielle OPEC-Linie.

Das einzige widerspruchsfreie Faktum ist der Preistrend. Der ist steigend. Getreu dem Motto ?the trend is your friend? erklimmen die Preise ein Hoch nach dem anderen. Üblicherweise läuft so etwas auf eine Spekulationsblase hinaus, die irgendwann platzt. Bis dahin können die Preise aber noch für viel Ärger sorgen.

Uns Europäern bleibt nur Trost im Dollarkurs zu suchen. Der steht weiterhin zu unseren Gunsten und hält die Ölpreise auf einem relativ niedrigen Niveau. Wir haben wirklich keinen Grund zur Klage. Allenfalls haben wir Grund zur Sorge. Denn in der letzten Woche bewegte sich der Dollar in die falsche Richtung für Verbraucher. Gerhard Schröder hatte mit Blick auf die Belange der Exportindustrie Äußerungen lanciert, die die US-Währung im Vergleich zum Euro verteuerten.

Der Gasölpreis steht zum Wochenbeginn wieder auf hohem Niveau. Die Tonne kostet 279,50$. Damit ist sie fast 25$ teurer als vor einer Woche.

Unsere Heizölpreise haben sich rasant verteuert. Öl und Dollar am Weltmarkt zogen gemeinsam in die falsche Richtung. 3000 Liter Heizöl sind im Durchschnitt immer noch 25% billiger als vor einem Jahr aber bereits 10% teurer als vor drei Wochen. Zur Zeit sieht es nicht so aus, als sollte sich die Bewegungsrichtung nachhaltig ändern.

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