Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Bye bye Amerika

Die US-Finanzszene redet sich die Lage schön und hat damit Erfolg. Sie treibt Aktienkurse und Ölpreise in die Höhe. Der US-Aktienindex Dow Jones nimmt Anlauf, den seit Monaten gültigen Seitwärtstrend zugunsten einer Kursrallye zu verlassen. Mit der realen Wirtschaftslage des Landes hat das wenig zu tun. Die ist durch und durch unbefriedigend. Hohe Arbeitslosigkeit, noch höhere Verschuldung, nicht vorhandenes Verbrauchervertrauen, uninspirierende, alte Produkte und eine tiefe Zerrissenheit der Bevölkerung in politischen und ökonomischen Fragen. Es ist kaum zu glauben, dass einem solchen Gemeinwesen eine Schrittmacherfunktion für die globale Wirtschaft zugeschrieben wird. Die Zuweisung ist nur aus der Historie begreifbar. In der Gegenwart ist sie reine Phantasie. Der Bevölkerung bietet die Phantasie wenig Nutzen. Ihre Verschuldung bleibt trotz bemerkenswerter Sparanstrengungen hoch. Die öffentlichen Haushalte verschulden sich zur Aufrechterhaltung der Phantasie sogar immer tiefer. Nutznießer der phantastischen Bemühungen ist derzeit nur die Finanzindustrie. Sie hat die von ihr ausgelöste Krise als Gewinner verlassen. Nun versucht sie den Gewinn auszubauen.

Derzeit ist ihr Land nicht zukunftsfähig. Das ist zumindest der Tenor vieler US-Wissenschaftler. Als wesentlichen Mangel ihrer Gesellschaft sehen sie das Klima- und Umweltverhalten, das seine Wurzel im unzeitgemäßen Umgang mit Energie hat. Ausdruck findet es beispielsweise in der Tatsache, dass ihr Pro-Kopf-Ölverbrauch zweimal so hoch ist wie der der Europäer und zehnmal so hoch wie der der Chinesen. Es gibt keine erfolgversprechenden Maßnahmen, dieses Missverhältnis im erforderlichen Stil abzubauen. Obamas Bemühungen zielen zwar in die richtige Richtung. Sie sind aber nicht durchsetzbar. An der Zerrissenheit des Volks scheitert jedweder Versuch fiskalischer Lenkung. Profunde Amerikakenner wie der Wissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker, er war unter anderem Dekan der Bren School of Environmental Science and Management an der Universität von Kalifornien, kommt zu der bitteren Erkenntnis, dass der Weg in die Zukunft ohne die USA beschritten werden muss. Das Land wird nicht mehr Schrittmacher, sondern allenfalls Folger einer notwendigen Entwicklung sein.

Bei aller Kritik am geplanten Energiekonzept der Bundesregierung, die im Wesentlichen die Strom- und Atompolitik betrifft, muss man ihr doch bestätigen, dass sie damit Weitsicht und Zukunftsfähigkeit beweist. Gleiches gilt für unsere Gesellschaft. Hierzulande ist man offensichtlich bereit, sich den Herausforderungen der Zeit zu stellen. Bestätigt wird die These beispielweise durch den Umgang mit Wärmeenergie. Gemäß dem Willen der Regierung soll der Energieverbrauch in den nächsten 40 Jahren um 80 Prozent sinken. Dabei wird der Erfolg nicht erst abschließend nach 40 Jahren eingefordert. Er soll kontinuierlich mit linear darstellbaren Einsparungen Jahr für Jahr erbracht werden. Eine natürliche konservative Reaktion der Gas- und Ölbranche, sie sind Hauptenergielieferanten des Sektors Raumwärme, wäre ein Aufschrei des Entsetzens. Den gibt es nicht. Das heißt nicht, dass die Branchen begeistert sind. Aber immerhin sind sie bereit, sich den Vorgaben zu stellen. Eine ähnliche Reaktion legen die zu Sanierung verpflichteten Verbraucher an den Tag. Beurteilungsmaßstab sind in diesem Fall die ausbleibenden Proteste von Verbraucherverbänden.

Eine derartig positive Bereitschaft zur Veränderung ist in den USA derzeit unvorstellbar. Dort scheinen alle Hoffnungen um das „Weiter wie bisher“ zu kreisen. Realwirtschaftlich ist das Stillstand. In der Logik der Volkswirtschaften folgt daraus schnell Rezession. Vorteilhaft ist das einzig und allein für die Finanzindustrie. Denn sie kann aus jeder Veränderung Profit ziehen, auch aus negativer.

Am Ölmarkt sind die Künste der Finanzszene zu beobachten. Geringe Nachfrage und hohe Versorgung hindern sie nicht daran, die Ölpreise in die Höhe zu treiben. Aktuell steht die Preisbildung wieder verstärkt unter dem Einfluss der Stimmungslage an den Börsen. Und die wird, wie eingangs formuliert, schön geredet. Trotz dieser Tatsache sehen wir noch keinen Hinweis darauf, dass die reale Versorgungslage in Gänze ausgeblendet wird. Der Seitwärtstrend der Ölpreise ist intakt. Ein Ausbruch ist Wunsch der Finanzszene aber keine Wirklichkeit. Die Tonne Gasöl kostet 676,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 74,30 Dollar und in London 79,27 Dollar. Der US-Dollar wird zu 76,31 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise wurden gestern wieder in die Höhe getrieben. Der Impuls dazu kam von den US-Börsen. Die übliche Gegenreaktion vom Dollar blieb aus. Die Preisbildung spielt sich im Rahmen des längerfristigen Seitwärtstrends ab. Mittlerweile wurden die Heizölpreise über die Mittellinie aufwärts gedrückt. Für diesen Umstand gibt es keine plausible fundamentale Begründung. Es gibt aber auch keine Sicherheit, dass er in Kürze ein Ende findet. Es gibt lediglich eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass die Preise weiterhin im Trendkanal pendeln werden. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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