Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Casinomentalität

Wer in diesen Tagen die Ölpreisentwicklung verstehen möchte, braucht keinerlei Kenntnis über den Ölmarkt. Ein Blick auf den Dow Jones reicht aus, um die Preistendenz zu erfassen. In erster Nährung wäre dieses Vorgehen sogar logisch. Schließlich ist der Dow Jones Industrial Average, wie er in Gänze heißt, ein Index, der den Zustand der amerikanischen Industrie widerspiegelt. Sie ist das Herz der Wirtschaft. Läuft die Wirtschaft, ist Öl gefragt, so das einfache Verständnis der Sache. Vergessen Sie dieses Verständnis. Studieren Sie lieber, wie sich Menschen im Spielcasino verhalten. Damit verschaffen Sie sich die derzeit solideste Grundlage für eine Preisprognose. Die agilen Marktteilnehmer wollen alle schnell reich werden. Dabei wird hoch gepokert. Im Öl ist das vernünftige Maß erneut aufgegeben. Das sehen wir zwischen 45 und 65 Dollar für ein Barrel. Der aktuelle Lauf geht gegen 70 Dollar und mehr. Charttechnisch ist die überzogene Situation deutlich sichtbar. Damit wird das Spiel immer heißer. Gleichwohl kann es sich bis zu einer Abkühlung noch lange hinziehen. Der Dollar, der in der jüngeren Vergangenheit ein Spiegelbild zum Ölpreis darstellte, ist seit Wochen eine irrelevante Erscheinung.

preistreibende (bullische) Einflüsse: Stark anziehende Aktienmärkte
China füllt Lager auf
Goldman & Sachs setzen auf 110 Dollar pro Barrel in 2010
Gefahr von Ölengpässen wegen mangelnder Investitionsbereitschaft

preisdrückende (bärische) Einflüsse: Arbeitslosigkeit in den USA steigt stark
US-Verbrauchervertrauen gering
Weltbank sieht Weltwirtschaft stärker schrumpfen
EIA, OPEC und IEA prognostizieren Verbrauchsrückgang
Rebellen kündigen Waffenruhe für Nigeria an
OPEC-Exporte gestiegen
Überproduktion von Rohöl
Öllager randvoll

Unsere Heizölpreise steigen weiter und weiter. Sie finden mal wieder keine sinnvolle Grenze. Preise um 50 Cent pro Liter bei einer 3000-Liter-Partie sind in Ordnung. Darüber beginnt der Unfug. Und der ist steigerbar. Erneut können sich Verbraucher und Händler über den Einfluss einer durchgeknallten Geldelite ärgern, die den Markt aufmischt. Der Ruf nach dem Staat als regelnde Instanz sollte dieses Mal unterbleiben. Der Staat, genauer gesagt seine politische Elite, hat die spekulativen Geister durch die Geldspritzen erst richtig in Fahrt gebracht. Nun sind sie nicht mehr zu bremsen. Pause: Ich mache jetzt mal eine Woche Urlaub und versuche meinen Ärger darüber, dass wir aus der Finanzkrise gar nichts gelernt haben, in den Griff zu bekommen. Mein Kollege Heiko Harlapp übernimmt die Kommentare.

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