Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


China hält dagegen

Gestern erreichten die Preise schon wieder neue Rekordmarken, ehe sie sich deutlich abkühlten. Den Anstieg entfachten unerfreuliche Daten über die US-Vorräte und die quälende OPEC-Diskussion über eine Anhebung des Preisbandes. Der Abstieg wurde durch die Wahrnehmung der Händler ausgelöst, dass China versucht, seine boomende Wirtschaft mit ihrem unersättlichen Durst nach Rohstoffen zu mäßigen.

Die OPEC sorgte bereits in den Vortagen für die Musik an den Märkten. Sie versucht das offizielle Preisband von 22-28$ für das Barrel OPEC-Öl, das seit Monaten Makulatur ist, auf 32-34$ zu erhöhen. Der aktuelle Preis liegt bei 33,32$. Die Kartell-Staaten, die über die größten Ölreserven der Welt verfügen und zukünftig einmal mehr als die Hälfte des weltweiten Ölbedarfs decken müssen, benötigen dringend Geld, um die Investitionen tätigen zu können, die ihnen und der Welt den langfristigen Ölfluss sichern. Insofern ist das Ansinnen durchaus verständlich.

Dass die Anhebung der Preise ein dreister Akt eines Monopolisten ist, wie er in diesen Tagen oft dargestellt wird, ist zwar populär aber nicht unbedingt tatsachengerecht und zudem eine Überschätzung der Möglichkeiten der OPEC, die Preise wunschgemäß zu steuern. Die Preise sind bereits dort, wo die OPEC sie gern haben möchte. Dazu hat das Kartell selbst relativ wenig beigetragen. Im Gegenteil, sie fördern über den Quoten und Saudi Arabien wird nicht müde, der Welt zu erzählen, dass Öl nicht so teuer bleiben wird. Die Wahrscheinlich für ein Wahlgeschenk an George W. Bush in Form von zusätzlichen Ölströmen ist hoch. Aber die Welt nimmt die bärisch gemeinten Signale nicht auf.

Das ist angesichts von Krieg, Terror und Gewalt in der Golfregion und im Nahen Osten auch nicht verwunderlich. Aber selbst dieser Umstand reicht als Erklärung für die stetig weiter steigenden Preise nicht aus. Die Gemengelage ist vielfältiger.

Da ist noch die notorische Schwäche der USA, ihren Benzinmarkt selbst zu versorgen. Sie haben sich mit ihren weitreichenden Umweltschutzgesetzen und der Unlust, in entsprechende Einrichtungen zur Entschwefelung zu investieren, in eine Krise gebracht. Die hält die Stimmung an den Märkten zusätzlich bullisch.

Die jüngsten Daten über die US-Vorräte konnten die Händler nicht überzeugen, dass es mit dem Aufbau der Vorräte voran geht. Das ist aber angesichts steigender Verbrauchserwartungen insbesondere im Sommer dringend erforderlich. API (American Petroleum Institute) und DOE (Department of Energy) sind sich in der Lagebeschreibung äußerst uneinig. Sie lieferten folgenden Zahlen.

Rohöl: +3,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,8 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,2 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,4 Mio. Barrel (API)

In Summe entspricht das einer Zunahme von 4,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. einer Abnahme von 5,4 Mio. Barrel (API). Eine Erklärung für die Ungereimtheit liegt nicht vor. Die Importe übersteigen weiterhin die Zahlen der Vergangenheit. Die Raffinerien könnten besser laufen.

Den größten Effekt bei der Teuerung des Öls scheinen aber die Fonds einzubringen. Es wird ihnen nachgesagt, dass sie die Preise fortwährend zu neuen Hochs treiben. Nun ist die Spekulation zwar ein viel betriebenes und nicht minder verhasstes Spiel. Aber die reine Zockerei wird man den Fondsmanagern kaum zuschreiben können. Sie werden gute Gründe für ihre lang anhaltende bullische Einstellung haben.

Die Gründe findet man im Anstieg des weltweiten Ölbedarfs. Der schlägt derzeit alle Erwartungen. China, Indien und andere Fernoststaaten saugen den Markt leer. Die Produktionen können mit der Nachfrage nicht Schritt halten. Es ist zu befürchten, dass dieser Umstand andauern wird. Und damit ist verständlich, dass die Ölpreise tendenziell nur eine Richtung kennen, aufwärts. Solange der Nachfrageboom anhält, werden die Preise steigen.

Nun verwucht die chinesische Regierung die Lage unter Kontrolle zu bringen. Mit einem ungewöhnlichen Schritt sollen die Steigerungsraten gedämpft werden. Die Bankenaufsicht CBRC hat nach Medienberichten elf großen halbstaatlichen Geschäftsbanken vorgeschrieben, bis zum 1. Mai Firmen keine Kredite mehr zu geben. Ob das hilft, ist fraglich. Allein der gute Wille wurde gestern in Form von fallenden Ölpreisen goutiert.

Der Dollar nahm derweil wieder die Richtung seines übergeordneten Trends auf. Er verteuerte sich.

Gasöl ist heute Morgen etwas billiger auf hohem Niveau. Der fallenden Markt von gestern Abend wird erst jetzt eingepreist. Die Tonne koste 302$.

Unsere Heizölpreise steigen. Der fallende Weltmarkt zeigt auf Grund steigender Dollarnotierungen keine Wirkung. Die Wahrscheinlichkeit, dass in Kürze neue Rekordpreise erreicht werden, ist sehr hoch. Aber selbst wenn uns das erspart bliebe, ist es abwegig zu glauben, dass die Preise in absehbarer Zeit auf Werte fallen, die im letzten Jahr erreicht wurden. Heizöl im Speziellen und Energie im Allgemeinen wird teurer werden. Die aktuellen Preise werden angesichts dieser Tatsache bald schon als günstig angesehen werden.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen