Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Claudette wird ruhiger

Die Preisentwicklung der letzten Tage war vom tropischen Sturm Claudette bestimmt. Der bedrohte als Hurrican die Ölindustrie in Texas. Die aktuellen Wettermeldungen sagen zwar nach wie vor einen Hurrican voraus. Aber seine Zerstörungskraft soll gering sein. Ölhändler goutieren das mit fallenden Preisen. Auf Grund der vielfältigen Unsicherheiten in der Ölwelt wird die mittelfristige Preisbildung weiterhin an Aufwärtstendenzen leiden.

Die OPEC versteht sich als ausgleichender Faktor, der für die Stabilisierung der Ölpreise sorgt. Sie tut sich seit einigen Monaten schwer mit ihrem Selbstverständnis. Die unsicheren Elemente in den eigenen Reihen haben beachtliches Gewicht. Venezuela, Nigeria und der Irak als beurlaubtes Mitglied sind chronische Problemfälle.

Die Steuerungsinstrumente des Kartells sind wenig hilfreich. Im Gegensatz zu Zentralbanken betrachten sie nur ungenügend die wirtschaftliche Entwicklung. Und sie sind extrem träge für die Marktverhältnisse. Die OPEC versucht dem durch immer häufigere Treffen zu begegnen. Doch Lieferplanungen über mindestens einen Monat lassen keine kurzfristigen Eingriffe zu. Wenn sich die Ölminister am 31. Juli wiedersehen, sind die Verschiffungen für den gesamten August bereits fixiert.

In Venezuela versucht die Opposition mit einem Referendum am 19. August der Präsidentschaftsära Hugo Chavez ein Ende zu setzen. Da der aber kaum von seiner Macht lassen wird, drohen erneut Unruhen wie zum Jahresende 2002.

In Nigeria gibt es blutige Auseinandersetzungen zwischen Regierung und Opposition seit April. Zwar kam es vor der Bush-Visite im Land zu einem Burgfrieden. Aber das Potential für ein erneutes Aufflammen der Unruhen bleibt hoch. Der Markt hat für die jüngsten Vorfälle einen Mehrpreis von 1,5$ pro Barrel bezahlt.

Der Irak unter den USA ist ein größerer Unsicherheitsfaktor als unter Saddam Hussein. Seit dem offiziellen Kriegsende im April wird die Rückkehr zu Vorkriegs-Produktionsmengen angekündigt. Aber Sabotage und andere Probleme schaffen immer neue Verhinderungsgründe.

Die OPEC wird mit einer Flut von Meldungen aus dem Irak überschüttet. Es gelingt ihr aber nicht, diese richtig zu bewerten. Das wird auf der kommenden Sitzung am Monatsende nicht anders sein.

Um den Irak in das Quotensystem zurück zu führen, bedarf des einer Tagesproduktion von 3,5 Mio. Barrel. Heute wird sie auf 0,55 Mio. Barrel geschätzt. Bis dahin wird einzig Saudi Arabien die Rolle des ausgleichenden Faktors spielen. Nur dieses Land verfügt im Kreis der OPEC über die nötigen Reserven.

Der letzte Schnitt mit einem vehementen Aufruf zur Einhaltung der Quoten wird von Saudi Arabien nicht vollkommen eingehalten. Mit seinem Hang zur Überproduktion verhindert das Land einen steileren Anstieg der Preise.

Heute Morgen geht es mit dem Gasölpreis abwärts. Mit 242$ pro Tonne liegt er deutlich unter dem Freitagstop. Claudette sei Dank.

Unsere Heizölpreise geben ebenfalls nach. Sie haben mittlerweile den Höchstpreis des Monats Juni klar überschritten. Die Steilheit des Preisanstiegs lässt eine Verschnaufpause erwarten. Obwohl der Heizölpreis bereits 9% über dem 12-Monats-Tief liegt, raten wir weiterhin zum Kauf. Wir erwarten eine anhaltende Teuerung.

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