Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Da kommt keine Regulierung

Verbraucher schimpfen über die hohen Ölpreise. Politik ist besorgt. Mehr als den Verbraucherzorn, den sie notfalls gegen die Mineralölgesellschaften zu lenken versteht, fürchtet die Politik negative Folgen für den Industriestandort. Das gilt nicht nur für Deutschland. Das gilt in allen Marktwirtschaften. Gestern gaben die Ölpreise nach, obwohl die US-Bestandsdaten einen weiteren Anstieg rechtfertigten. Es ist gut möglich, dass Finanzjongleure ebenfalls Sorgen über die von ihnen betriebene Ölpreissteigerung hegen. Das wird sie allerdings nicht davon abhalten, damit weitere Gewinne einzufahren. Die könnten sie auch machen, wenn sie im richtigen Moment einen ordentlichen Preisabgang provozierten. Danach sieht es derzeit nicht aus. Das Marktumfeld ist eher bullisch.

Die weltweiten Prognosen deuten auf eine Nachfragesteigerung von rund einem Prozent hin. Die OPEC pumpt fleißig fünf Prozent mehr Öl, als sie jüngst als Obergrenze festgelegt hatte. Möglich wurde das, weil Saudi Arabien auf einem 30-Jahres-Hoch fördert. Das reicht aber nicht, um das globale Angebotsniveau zu halten. Es sinkt derzeit, weil die Nicht-OPEC-Länder spürbare Förderrückgänge zeigen. Insgesamt kann das Angebot die Nachfrage gerade so befriedigen. Es gibt keine nennenswerte Luft nach oben. In den kommenden Monaten muss mit weiteren Angebotseinbußen aufgrund der Iransanktionen gerechnet werden. Nach heutiger Erkenntnis können die noch ohne Freigabe der strategischen IEA-Reserven aufgefangen werden. Das sollte möglich sein, weil die prognostizierte Nachfragesteigerung bisher nicht eintrat. Im Gegenteil, in den ersten beiden Monaten des Jahres sank die Nachfrage. Aus der Lagebeschreibung wird deutlich, dass die Ölversorgung ähnlich eng justiert wird wie die Stromversorgung. Das ist eine neue Lage. Sie lässt erahnen, dass ein Preisrückgang unwahrscheinlich ist.

Die bereits angesprochenen US-Bestandsdaten geben keine neuen Erkenntnisse über die Gesamtlage preis. Die Nachfrage in den USA ist schwach. Das Angebot an Produkten ist noch schwächer, weil sich viele Raffinerien in Wartungszyklen befinden. Das ist angesichts einer guten nationalen Vorratslage unkritisch. Die Bestände in den Rohöllagern wachsen. Das Wachstum erfolgt fast ausschließlich im Zentrallager Cushing Oklahoma. Von dort können die Vorräte ab Juni per Pipeline zur Küste und damit in den weltweiten Verkauf transportiert werden. Der aktuelle Lageranstieg wird als Vorbereitung des Ereignisses interpretiert. Die Daten der berichtenden Institutionen DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) zur wöchentlichen Veränderung in den Lagern lauten wie folgt:

Rohöl: +1,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,8 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -4,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 4,3 (DOE) bzw. 2,8 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt 83 Prozent. Die Gesamtbestände liegen zwei Prozent unter Vorjahresniveau. Angesichts des Nachfragerückgangs kommt dieser Sachverhalt einem Bestandsaufbau gleich.

Die hohen Ölpreise beflügeln Diskussionen über die Regulierung von Rohstoffbörsen. Das Problem ist hinlänglich bekannt. Spätestens durch die Vorgänge in 2008 wurde der Politik eine Haltung dazu aufgezwungen. Sie verstand es bis heute, jedwede Maßnahme zu vermeiden, die eine grundsätzliche Änderung der Lage bewirken könnte. Und tatsächlich sind wirksame Maßnahmen auf freien Märkten und auf Grundlage des gültigen Wachstumsparadigmas kaum realisierbar. Nach über drei Jahren Finanzkrise wird deutlich, dass nicht unregulierte Börsen, sondern die Konstruktion des Geld- und Finanzsystems selbst wesentlichen Anteil an der Ölpreissteigerung hat. Der andere Teil wird durch die oben skizzierte Lage bei Angebot und Nachfrage beigesteuert.

Heute Morgen herrscht Ruhe an den Ölbörsen. Die Preise dümpeln seitwärts. Der Dollar gibt ein wenig nach. Eine Tagesrichtung ist aus dem Auftakt noch nicht erkennbar. Die Tonne Gasöl kostet 1.044,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 105,75 Dollar und in London zu 125,00 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,66 Eurocent.

Unsere Heizölpreise zeigen wenig Leben. Öl- und Dollarnotierungen an den internationalen Märkten annullieren die jeweilige Wirkung auf die Heizölpreise hierzulande. Aktuell scheint Seitwärts die angesagte Richtung zu werden. Für einen Preisabgang fehlt das Chaos. Für einen Preisanstieg fehlt das kriegerische Element oder der Wirtschaftsboom. Insofern passt Seitwärts zur Situation. Der Binnenmarkt ist außerordentlich ruhig. Von ihm ist kein Preisimpuls zu erwarten. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Verbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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