Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Das Blatt wendet sich

Der Gipfel ist bis auf Weiteres erreicht. Die Ölpreise werden in den nächsten Tagen vermutlich fallen. Das heißt allerdings nicht, dass die Hochpreisphase nun beendet ist.

Begründet wird der kurzfristig erwartete Preisrückgang mit der veränderten Versorgungslage. Die Ölproduktion in Venezuela scheint täglich gesteigert werden zu können. Nach Angaben der staatlichen Gesellschaft PsVSA ist sie aktuell auf 50% der normalen Menge stiegen. Das ist insofern bemerkenswert, da sie von einen streikbedingten Tiefpunkt um die 10% durchstarten musste. Darüber hinaus liefert die OPEC seit dem 1. Februar 1,5 Mio. Barrel mehr Rohöl als vorher, um die Fehlmengen aus Venezuela auszugleichen. Beide Umstände werden die Ölmärkte psychologisch entlasten.

Eine physische Entlastung wird es allerdings erst in einigen Wochen geben. Denn die Tanker aus der Golfregion benötigen 30 bis 40 Tage, um die USA zu erreichen. Zwischenzeitlich wird sich die Situation in den US-Lagern, deren Füllstand bereits extrem niedrig ist, aller Voraussicht verschärfen. Versorgungsprobleme der Raffinerien sind nicht auszuschließen.

Bedingt durch eine schlechte Versorgung der Raffinerien könnte es im Frühjahr wieder zu Engpässen bei den Benzinlieferungen kommen. Diese würden gegebenenfalls durch Mengen aus Europa ausgeglichen. Die Folge wäre ein hoher Benzinpreis mit einer Erhöhung aller Ölpreise als eine Art Schleppeffekt. Das käme in einer Zeit, in der die Grundversorgung mit Rohöl bereits wieder ausreichend liefe. Eine vergleichbare Lage gab es im Jahr 2000. Die Höchstpreise wurde damals erreicht, als die vorher knappen Ölflüsse längst wieder strömten.

Der Preisauftrieb, der durch einen Krieg im Irak in die Märkte getragen wird, könnte in einigen Wochen neue Höchstpreise produzieren. Derzeit ist er eher neutralisiert. Zur Verbesserung der Versorgungslage insbesondere in den USA wäre es naheliegend, die strategischen Reserven zu verwenden. Sie stehen auf historischen Höchstständen. Diese Vorräte dürfen aber erst in Kriegszeiten ausgeschüttet werden. Daher könnte es sein, dass die Ölpreise bis zum Beginn eines Krieges steigen und mit Ausbruch schlagartig zusammenbrechen. Denn sozusagen über Nacht stünde dem Markt eine enorme Menge Öl zur freien Verfügung.

Die eingangs angesprochene Psychologie drückt den Gasölpreis heute Morgen auf 278$ pro Tonne. Der Preis liegt unter der Handelsspanne vom Freitag.

Unsere Heizölpreise werden ebenfalls nachgeben. Normalerweise bekommen sie seit einiger Zeit Unterstützung vom fallenden Dollar. Heute Morgen trifft das allerdings nicht zu. Heute müssen sie allein von den entspannten Weltmarktpreise zehren.

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