Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Das Finanzamt war schuld

Alle reden von angespannter Versorgungslage, nur die US-Bestandsdaten nicht. Die belegen den Verdacht vom künstlichen Vorratsabbau vor dem Jahreswechsel, um dem Finanzamt ein paar Millionen Dollar vorzuenthalten. Nun steigen die Lagerbestände wieder, trotz kalten Winters und guter US-Wirtschaftsdaten. Das gefällt der Finanzszene gar nicht. Sie braucht Indizien für eine im Gleichtakt mit der anziehenden Konjunktur einhergehenden Verknappung des Öls. Die Geschichte hatte 2008 funktioniert. Sie könnte ein weiteres Mal gute Gewinne aus übertriebenen Preisen einbringen. Heute wissen wir, dass es bisher keine ernsthafte Verknappung auf dem Ölmarkt gab. Preisentwicklungen, die das Glauben machen wollten, beruhten auf psychologischen Effekten und nicht auf Auswirkungen des durchaus glaubhaften Endlichkeitsszenarios für Öl.

Gestern führten die nackten Fakten aus den US-Lagern zu einem temporären Einbruch der Ölnotierungen. Am insgesamt stabilen Aufwärtstrend konnten sie allerdings nicht rütteln. Die Versuche, die Ölpreise in die Höhe zu treiben, werden nicht abreißen. In den geradezu euphorisch klingenden Wirtschaftszahlen, die in den letzten Tagen die Runde machten, haben sie beste Unterstützung. China macht die Lokomotive mit einem Wachstum von über zehn Prozent bei erträglicher Inflationsrate, Europa übertrifft die Erwartungen und in den USA kommen Arbeits- und Häusermarkt nun auch wieder aus dem Tal der Tränen heraus. Dass die Menschen in den alten Industrienationen dabei eher den negativen Effekt steigender Ölpreise als den positiven Umstand voller Portemonnaies spüren, ist eine missliche Erscheinung des Finanzsystems. Deren Protagonisten nehmen das nicht wahr, weil ihre Gewinne blind, taub und blöd machen.

Der Dämpfer, der den Gewinnern gestern durch DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) in Form der wöchentlich erhobenen US-Bestandsdaten präsentiert wurde, lautet in Zahlen wie folgt:

Rohöl: 2,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,9 Mio. Barrel (API)
Benzin: +4,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,9 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 8,0 (DOE) bzw. 6,3 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung ist deutlich um 3,4 Prozent gesunken. Dass Benzin in den Lagern dennoch zunimmt, lässt ahnen, dass die herbeigesehnte Nachfragebelebung äußerst schwach ausfällt.

Ähnlich absurd wie positive Konjunkturdaten, die als solche im Volk gar nicht wahrgenommen werden, ist die Sehnsucht nach steigender Ölnachfrage vor dem Hintergrund endlicher Ressourcen. Jeder vernünftige Mensch ist bemüht, das, was knapp und teuer ist, zu schonen und dessen Verbrauch nach Möglichkeit zu reduzieren. Das gilt sogar und besonders für Chinesen, auch wenn die reinen Zahlen das nicht erkennen lassen. Kreative Köpfe und zukunftsorientierte Unternehmer streben danach, ressourcenschonende Lebensweisen und Techniken zu entwickeln. Die Finanzszene indes lebt besser von und mit der puren Verschwendung. Dabei erfährt sie zu allem Überfluss geistig moralische Unterstützung durch unreflektierte Wachstumsdoktrin des politischen Personals.

Die Entwicklung des Heizölverbrauchs hierzulande zeigt, dass Verbraucher längst weiter sind. Sie beweisen seit Jahren, dass man mit Negativwachstum ein angenehmes Raumklima schaffen kann. Die Preisentwicklung rechtfertigt im Nachhinein viele Maßnahmen, die, als sie realisiert wurden, noch aussahen wie ein Hobby umweltverliebter Weltverbesserer. Der Heizölverbrauch wurde und wird übrigens reduziert bei fast konstanter Anlagenzahl. Er ist nicht Folge sich abwendender Ölheizer. Er ist Folge von Dämmmaßnahmen und Ölheizungsmodernisierung.

Heute Morgen setzt sich an den Börsen das gewohnte Spiel fort. Die Preise steigen. Immerhin geschieht das nun vom gestern reduzierten Niveau. Die Tonne Gasöl kostet 837,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 89,85 Dollar und in London zu 96,99 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 73,90 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben weiter nach. Im Gegensatz zu den Tagen zuvor kam der Impuls gestern nicht vom Dollar, sondern von den Ölnotierungen. An eine Fortsetzung dieser Ursache ist kaum zu denken. Wenn Entspannung kommt, dürfte sie im weiteren Verlauf vom Dollar stammen. Insgesamt sehen wir nach wie vor keinen nennenswerten Spielraum nach unten. Die aktuelle Bewegung halten wir bereits für eine im Sinne der Verbraucher positive Erscheinung. Viel bessere Preise erwarten wir im Jahresverlauf nicht. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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