Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Das Phänomen

Die Aktienmärkte implodieren. Gewinne von ein bis zwei Jahren wurden in wenigen Tagen verbrannt. Der Abgang kam ähnlich wie 2008 aus dem Nichts. Damals schlug die Pleite einer Bank ein. Dieses Mal zerstörten verbittert streitende US-Politiker die Bemühungen der Finanzszene, aus Geld mehr Geld zu machen. Wer sehen wollte, konnte damals wie heute sehen, dass sich eine unhaltbare Situation entwickelt, die platzen muss. Das eigentliche Problem war in beiden Fälle die Vorgeschichte, die die Spannung aufbaute und den Donner ermöglichte. Phänomenal ist, heute mehr als damals, die Wucht des Vorgangs. Was war in den letzten Tagen geschehen, was nicht längst bekannt und absehbar war? Eigentlich gar nichts. Dennoch benehmen sich alle Beteiligten „wie die Lemminge“. (Bitte keine Kommentare zu den Lemmingen, die sich in Wirklichkeit gar nicht „wie die Lemminge“ benehmen.)

Beim Öl und bei anderen Rohstoffen ist nicht ansatzweise eine so dramatische Reaktion zu beobachten wie auf den Aktienmärkten. Es ist nicht auszuschließen, dass die Reaktion noch kommen wird. Es gibt andererseits Gründe, die ihr Ausbleiben oder besser die Unterbindung der Heftigkeit plausibel erscheinen lassen. Öl ist strukturell knapp. Dieser Umstand ist heute bekannter als vor drei Jahren. Damit rückt Öl näher an den Rang von Gold. Ausgerechnet in einem Moment, da die Dynamik der Aktienmärkte auf Öl überzuspringen schien, platzten gestern Daten über die Entwicklung der US-Ölbestände herein, die Knappheit greifbar machen. Obwohl die US-Ölnachfrage unterhalb aller Erwartungen liegt, wofür es in dieser Woche eine erneute Bestätigung gab, fielen die Vorräte erheblich. Die Daten von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) zeigen das in beeindruckender Ähnlichkeit.

Rohöl: -5,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -5,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,0 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 7,5 (DOE) bzw. 6,8 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung ist auf 90 Prozent gestiegen.

Die preisrelevante Momentaufnahme, die sich aus den US-Bestandsdaten ergibt, wird durch die absolute Höhe der Bestände relativiert. Die ist nach wie vor beachtlich. Sie liegt erheblich über dem Niveau von 2008. Dessen ungeachtet tendieren die Ölfutures heute Morgen zu höheren Preisen. Die Tonne Gasöl kostet 930 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 83,82 Dollar und in London zu 107,21 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 70,09 Eurocent.

Unsere Heizölpreise stiegen gestern spürbar. Zum einen war das eine Reaktion auf die Ölbörsen, die ihrerseits moderat zulegten. Zum anderen spiegelt sich darin die sprunghaft gestiegene Nachfrage in Deutschland wider. Die Marktlage wurde schlagartig dermaßen eng, dass erhebliche Aufschläge nötig sind, um ihrer Herr zu werden. Verbraucher stürmten den Handel mit Heizölbestellungen. Es wurden Ölmengen verkauft, die erst im nächsten oder übernächsten Monat durch die Lager gehen werden. Das Öl muss noch produziert oder am ausreichend versorgten Weltmarkt beschafft werden. Der aus dieser Lage resultierende Preisaufschlag ist im besten Sinn ein Marktregulationsinstrument. Er hat nichts mit Börsenspielereien zu tun. Auch hier zeigt sich ein Phänomen, das dem oben erwähnten ähnlich ist. Menschen neigen zu ausgeprägtem Herdentrieb, der in einer Informationsgesellschaft schwer erklärbar ist. Warum fallen die Heizölaufträge in diesen Tagen über den Handel herein? Die Preise sind zwar gesunken. Aber bis Februar waren sie günstiger. Im Mai und im Juni gab es ebenfalls Tiefs, die bessere Konditionen boten. Angesichts der Turbulenzen an den „Märkten“ könnte Heizöl demnächst noch billiger werden. Das alles steht Menschen als Information zur Verfügung. Zudem konnte man erfahren, dass die Heizölnachfrage in den letzten zwei Jahren schlecht war und sich demzufolge hohe Bedarfe bei den Verbrauchern aufgestaut haben. Daraus folgt, dass jedes Zuwarten bei einem sehr mäßig gefüllten Tank die Gefahr birgt, in eine Nachfragewelle hineinzugeraten. Das kann teuer und versorgungsproblematisch werden. Wenn die verfügbare Information dennoch nicht zu entsprechendem Handeln genutzt wird, beim Heizöl und an den Finanzmärkten, heißt das wohl, dass nicht das Wissen sondern eine vage Hoffnung regiert. Das ist in beiden Fällen menschlich. Es schafft aber in beiden Fällen Probleme. Wir denken darüber nach, wie wir die Informationen aufbereiten müssen, um diese noch leichter anwendbar zu machen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das beginnt mit dem Vermessen desselben. Hierzu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab und www.esytrol.com.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen