Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Das allgemeine Preisniveau bleibt

Nachdem die Preise in der ersten Augustwoche auf eine Vielzahl bullischer Meldungen mit einer neuen Spitze reagierten, kamen sie in den letzten sieben Tagen erheblich unter Druck, weil die auslösenden Fakten revidiert wurden. Die übergeordneten Preisbewegungen behalten ihren Seitwärtstrend dadurch weitgehend bei. Der kurzfristige Abwärtsdruck nimmt ab. Einem Seitwärtstrend folgt auch der Dollar.

Das Handelsinteresse an Ölpapieren steigt weiter. Es hat ein neues Allzeithoch erreicht. In der vorletzten Woche war die Einstellung der großen Spekulanten - Banken, Versicherungen, Investmentfonds - für Rohöl deutlich bullisch. Das führte zum Zwischenhoch der Preise. Nach den vereitelten Terrorangriffen auf Flüge zwischen Großbritannien und den USA, nachdem ein technischer Weg gefunden wurde, die Schließung des größten US-Ölfelds zu vermeiden und nach dem zugesagten Waffenstillstand im Libanon wurden Positionen auf steigende Preise reduziert. Gleichwohl gibt es weiterhin Raum für bullische Spekulation. Der Waffenstillstand wird als brüchig angesehen, der Atomstreit mit dem Iran schwelt weiter, in Nigeria kämpfen Rebellen um die Volksbeteiligung am Ölreichtum und in den USA wird immer noch mit dem Eintritt schwerer Hurrikane gerechnet. Auf Jahressicht ergibt sich dadurch die Annahme, dass das aktuelle Preisniveau im Mittel erhalten bleibt. Kurzfristig kann es zu erheblichen Abweichungen kommen. Die dürften eher nach oben als nach unten gehen. Einige Spekulanten scheinen Freude daran zu haben, in diesem Zusammenhang immer wieder apokalyptische Preishöhen von über 100 oder sogar 150 Dollar zu nennen. Hier ist wahrscheinlich eher der Wunsch Vater des Gesagten als die realistische Möglichkeit.

Für das nächste Jahr rechnen Analysten bereits mit einem leicht tieferen Preisniveau. Voraussetzung dafür ist, dass der Weltfrieden nicht weiter belastet wird. Längerfristig gilt das weitere Absacken der Preise als wahrscheinlich. Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage bewegt sich trotz des gewaltigen Ölbedarfs Chinas und anderer asiatischer Staaten in Richtung Angebotsüberschuss. Die mittlerweile hohe Investitionsbereitschaft der Ölkonzerne - 2006 werden es 260 Mrd. Dollar sein - wird Früchte tragen. Bereits in diesem Jahr wird die Förderung der Nicht-OPEC-Länder um eine Mio. Barrel pro Tag steigen. Im nächsten Jahr sollen noch einmal 1,7 Mio. Barrel pro Tag draufgelegt werden. Durch die neue Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline soll dann die vergleichbare Menge eines halben Tagesbedarfs Deutschlands - dem fünftgrößten Verbraucher weltweit - fließen. Der profunde Kenner und Berater der Ölszene Daniel Yergin rechnet in 2007 mit einem Preis zwischen 49 und 86 Dollar. Man kann davon ausgehen, dass Yergin kein eigenes spekulatives Interesse verfolgt, wie es bei Banken und Versicherungen vorliegt. Daher ist die Preisschätzung ansatzweise objektiv.

Chinas Wirtschaft soll nach eigenen Angaben bis 2020 jährlich um knapp 10 Prozent wachsen. Der Ölverbrauch soll sich in der Zeit verdoppeln. Diese Annahme ist nach gängiger Wirtschaftserfahrung unrealistisch. Wünschenswert ist sie aus Umweltsicht auch nicht. Während die westlichen Industrienationen endlich die realistische Chance haben, ihren Mineralölverbrauch durch Steigerung von Effektivität zu senken, verpulvert China Öl mit unglaublicher Uneffektivität. Heute erwirtschaftet das bevölkerungsreichste Land der Welt mit einem Barrel Öl 887 Dollar, die USA schaffen 1720 Dollar und Deutschland 3017 Dollar. Im Jahr 2020 wird China den aktuellen Wert der USA knapp überflügelt haben, während Deutschland bei 5500 Dollar liegen dürfte. Der Betrachtungszeitraum ist für eine realistische Schätzung allerdings zu lang.

Das renommierte britische Wirtschaftsmagazin "The Economist" prophezeite vor einigen Jahren einen Ölpreis von weniger als 10 Dollar pro Barrel. Das war gründlich verschätzt. Heute werden Schätzungen von 200 Dollar und mehr für die Zukunft genannt. Auch das dürfte falsch sein. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass der Preis in ein paar Jahren niedriger ist als heute.

Heute Morgen ist der Gasölpreis niedriger als gestern. Der Unterschied ist allerdings gering. Die Tonne kostet 633 $.

Unsere Heizölpreise fallen weiter. Man sollte allerdings keine großen Erwartungen an den noch möglichen ?Gewinn? aus Verbilligung stellen. Die geopolitische Unsicherheit und das spekulative Umfeld machen einen Abwärtstrend weiterhin unwahrscheinlich. In den nächsten Wochen sind nennenswerte Preischancen eher gering und Preisgefahren noch beachtlich groß.

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