Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Das müsste nicht so sein

Die Welt ist gut mit Öl versorgt und dennoch gibt es immer wieder bullische Marktlagen. Die werden in erheblichem Maß durch das Herumdoktern am Finanzsystem hervorgerufen. Jedes Gelddrucken im Namen von Staats-, Banken- und Konjunkturrettung ist ein Preistreiber. Hierüber berichten wir seit vier Jahren mit immer noch steigerbarem Entsetzen.

Nicht minder entsetzt müssen wir absurde politische Umtriebe in den ölrelevanten Krisenregionen dieser Erde erwähnen, die kriegsähnliche Zustände oder gar Krieg hervorrufen. Und wir müssen uns mit dem überkommenen Wachstumsparadigma der letzten 250 Jahre beschäftigen, das die grenzenlose globale Steigerung des Konsums im Namen einer besseren Lebensqualität beschwört. All das treibt die Ölpreise aufwärts, weil es ein ausgewogenes Angebots-Nachfrage-Verhältnis bedroht.

Eine andere Preisrichtung ist auch möglich. Die effektivste Methode ist die Anwendung der Marktprinzipien auf die Finanzwirtschaft. Das bedeutet Zusammenbruch und Neuordnung. Dadurch würden die Ölpreise glatt halbiert. Dass die wirtschaftlichen Lebensgrundlagen der Menschen dadurch zerstört werden, ist eine unzutreffende Behauptung der Finanzbranche. Sie würden sich verändern. Das ist selbstverständlich das Ziel der Maßnahme. Weniger effektiv aber nicht weniger wünschenswert ist eine Politik des Ausgleichs und der Annäherung. Sie würde die Kriegslust erheblich dämpfen und entsprechende bullische Impulse beseitigen. Eine gute Wirkung zeigt schließlich jede Form von Konsumdrosselung. Die damit einhergehende verringerte Ölnachfrage wirkt bärisch auf die Preise.

Derzeit erleben wir eine Phase mit gutem Angebot und schwacher Konjunktur. Der physische Markt hat die beste Voraussetzung, bärisch zu reagieren. Das macht er aber nicht, weil starke Marktteilnehmer selbst in dieser Phase bullische Tatsachen schaffen, die nicht in die Kategorie „Herumdoktern am Finanzsystem“ fallen. Sie bestehen im „Herumdoktern am Versorgungssystem“ zur Gewinnmaximierung. Konkret handelt es sich um unnötige Engpasssituationen bei der Raffinierung von Produkten. Als Gegenmaßnahme zu einem weltweiten Aufbau von Raffineriekapazitäten wurden in den alten Industrienationen Kapazitäten abgebaut. Damit soll jedwede Form von Überversorgung, man könnte auch sagen von Sicherheitsreserve, vermieden werden. Gleiches gilt für die Vorratshaltung von Produkten.

In den USA sind die Produktenvorräte nun knapp. Die Rohölvorräte sind dagegen so hoch, dass insgesamt eine sehr gute Vorratslage besteht. Wie konnte es zur Knappheit der Produktenvorräte vor dem Hintergrund einer sinkenden Ölnachfrage kommen? Durch das Exportieren von Produkten und das Abbauen von Raffineriekapazitäten. Und warum staut sich das Rohöl in den Tanklagern anstatt ebenfalls exportiert zu werden? Weil Rohöl nicht exportiert werden darf. Dieser Umstand führt dazu, dass US-Rohöl billiger ist anderes Rohöl in der Welt. Der Preis drückt eine Überflusslage aus. Warum hielt man die Raffineriekapazität nicht aufrecht, um das überschüssige Rohöl in exportierbare Produkte zu wandeln? Weil man mit der künstlichen Verknappung mehr Geld verdienen kann. Bei dieser Überlegung standen die Partner aus dem Finanzzirkus mit Sicherheit als Berater zur Seite.

Die aktuellen US-Bestandsdaten bestätigen die beschriebene Lage. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die beiden für die Datenerhebung zuständigen Institutionen, melden Aufbauten bei Rohöl. Für die Produkte geben sie divergente Zahlen heraus. Den Daten des DOE wird mehr Gewicht gegeben. Die sehen die Heizöl- und Dieselvorräte auf einem saisonalen 12-Jahres-Tief. In den starken Heizölregionen der USA sind sie sogar auf ein Allzeittief seit Beginn der Datenaufzeichnung gefallen. Die Zahlen lauten im Einzelnen wie folgt:

Rohöl: +2,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -2,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,8 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,2 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 2,4 (DOE) bzw. 4,3 (API) Mio. Barrel. In Anbetracht der geringen Produktenbestände ist die Raffinerieauslastung mit 87 Prozent zu niedrig. Die Gesamtbevorratung ist vor dem Hintergrund einer sinkenden Nachfrage hingegen üppig. Sie liegt auf Vorjahresniveau, wie diese Grafik zeigt.

Die beschriebene Lage lässt keinen nennenswerten Rückgang der Ölnotierungen, insbesondere der für Heizöl wichtigen Gasölnotierungen, als Konsequenz der eigentlich guten Versorgungslage erwarten. Allenfalls werden die Kurse seitwärts tendieren. Seit Wochen liegt genau dieses Bild vor. Heute Morgen kostet die Tonne Gasöl 1.000,00 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 92,02 Dollar und in London zu 113,26 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,33 Eurocent.

Unsere Heizölpreise befinden sich in guter Richtung. Sie sinken. Die Lage an den Börsen und die Versorgungslage im Binnenmarkt machen es möglich. Der übergeordnete Trend ist nicht eindeutig zu identifizieren. Ich sehe ihn seitwärts gerichtet. Kurzfristig kann dabei etwas mehr Rückgang herausspringen. Die Chance auf nennenswert tiefere Heizölpreise im Winter reduziert sich mit der skizzierten Faktenlage in den USA. Dessen ungeachtet bleibt die ohnehin einflussreichere Schräglage der Finanzsysteme als Grund für einen ordentlichen Preisabgang selbstverständlich erhalten. Hierauf zu spekulieren, ist aber wegen der uneinschätzbaren politischen Reaktionen nicht ratsam. Die Strategie kann nur darin bestehen, jederzeit für die Mitnahme eines Preisrückgangs bereit sein. Dazu brauchen Sie Geld und ein freies Volumen im Tank. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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