Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Den Trend in seinem Lauf hält derzeit gar nichts auf

Überraschend gute Bestandsdaten sorgten gestern zwar für heftige Bewegung an den Börsen. Einen adäquaten Preisrückgang bewirkten sie aber nicht. Der Trend blieb unerschüttert. Zwischenzeitlich wurde das Rohöl-Allzeithoch an der NYMEX sogar eingestellt. Ebenfalls trendkonform setzte der Dollar seinen Abwärtskurs fort.

Die Berichterstatter über die Vorratslage DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) sind sich in dieser Woche tendenziell einig. Das kommt der Belastbarkeit der gelieferten Zahlen zu Gute.

Rohöl: +3,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +6,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,2 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,3 Mio. Barrel (API)

Der Rohölvorrat wächst prächtig. Produkte halten ihr Niveau weitgehend. In Summe ergibt sich ein Bestandsaufbau von 2,2 Mio. (DOE) bzw. 6,1 Mio. Barrel (API). Die Importe fließen fast unverändert zur Vorwoche und zum Vorjahr auf hohem Niveau. Die Raffinerieverfügbarkeit könnte besser sein. Das war in der Vergangenheit nicht anders.

Der aktuelle Gesamtbestand ist 7% höher als vor einem Jahr. Rohöl verteuerte sich dennoch um 51%. Der US-Heizölpreis legte um 72% zu. Der Dollar verlor 8,5% gegenüber dem Euro. Vor vier Jahren kostete Rohöl bei annähernd gleicher Bestandslage etwa die Hälfte des aktuellen Preises. US-Heizöl war sogar mehr als 50% billiger. Der Dollar lag gut 30% über dem heutigen Wert.

Die gewaltigen Preisverschiebungen zeugen von einer geänderten Weltsicht. In der wird Öl als ein knappes Gut angesehen und der Dollar als Ausdruck schlechter Haushaltsführung. Kurzfristig betrachtet ist die Ursache für die erneut zur Übertreibung neigenden Börsen in spekulativen Gelüsten kapitalstarker Investmentfonds zu suchen. Längerfristig betrachtet spielen diese Exzesse keine Rolle, da sie durch Über- und Untertreibung ausgeglichen werden. Dennoch ist die Spekulationslust der Menschheit in starkem Maß an der Teuerung des Öls beteiligt. Weil zu viel Geld in Papiergeschäfte fließt und zu wenig Geld in den Auf- und Ausbau der Infrastruktur zur Versorgung investiert wird, sind die Förderkapazitäten zu knapp geworden. Insofern ist die Verteuerung des Öls eine selbsterfüllende Prophezeiung. Darüber hinaus ist die US-Politik mit ihrer Tendenz, in wichtigen Regionen der Erde Unsicherheit und Instabilität zu schüren und die Staatsfinanzen zu ruinieren, erheblich an den Veränderungen der Öl- und Dollarpreise beteiligt.

Der Rohölpreis hat sich mittlerweile wieder deutlich über den langfristig ansteigenden Trendkanal hinausbewegt. Ein klares Signal zur Rückkehr in den Trendkanal ist noch nicht zu erkennen. In der Nacht ist der Preis zwar stark gefallen. Da aber wenig Handelsvolumen dahinter steckte, kann man das nicht unbedingt als Aufbruch zum Abstieg sehen. Vermutlich wird die Übertreibung noch andauern.

Der Gasölpreis steht heute Morgen deutlich unter dem gestrigen Schlusskurs. Die Tonne kostet 489$. Der erwartete Sprung über die 500$-Marke fand noch nicht statt.

Unsere Heizölpreise werden wieder als teuer empfunden. Das hält Verbraucher vom Kauf ab. Die Meinung, dass die Preise in Kürze fallen müssen, baut mehr auf Wunsch denn auf Wirklichkeit. Zwar ist eine kurze Preisentspannung durchaus überfällig. Die Gefahr noch höherer Preise ist aber latent vorhanden. Die Spekulation auf tiefere Preise kann für Verbraucher, die kurzfristig Heizöl beschaffen müssen, zu einer teuren Angelegenheit werden. Wenn der Tank leer ist und eine Notbelieferung ansteht, kommt zum hohen Grundpreis auch noch der Aufschlag für die ?Taxifahrt? des Heizölwagens. Rechzeitige Bestellung mit zwei Wochen Vorlauf macht eine ?Busfahrt? möglich. Die kostet deutlich weniger.

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