Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Der Bär lässt sein Fell noch nicht verteilen

Öl wird nicht billiger, jedenfalls nicht in diesen Tagen. Weder die herbeigeredete Rezession noch die Aussicht auf Wiederaufnahme der libyschen Öllieferungen bringen Investoren zum Ausverkauf ihrer Ölpapiere. Die Anzahl gehaltener Kontrakte ist so hoch wie zu besten Spekulationszeiten vor der Finanzkrise 2008. Gleiches gilt für die bullische Einstellung der Finanzszene. Diese war allerdings im Frühjahr 2011 noch höher als heute. Eine gewisse Abkühlung ist also zu beobachten. Sie reichte, um den drohenden Abflug der Preise zu stoppen. Sie reichte sogar, um einen schwachen Abwärtstrend zu etablieren. Sie reicht nicht, um das Preisniveau zügig zu drücken.

Die Aktienmärkte fungieren allenfalls als Vorbote einer wirtschaftlichen Entwicklung. Sie sind keinesfalls das Messinstrument der aktuellen Konjunktur. Die jüngste Fluchtbewegung aus Unternehmenspapieren mag eher Ausdruck einer Ratlosigkeit zur Schuldenproblematik sein als die Vorwegnahme einer Wirtschaftsentwicklung. Natürlich kann das eine das andere zur Folge haben. Noch ist der Absturz der Konjunktur aber nicht eingetreten und noch ist die Ölnachfrage nicht zusammengebrochen. In den alten Industriestaaten fällt sie gerade moderat, während sie in den neuen Industriestaaten weiter steigt. Unter Ökonomen ist noch nicht einmal geklärt, ob der Rückgang des Ölkonsums in reifen Industrienationen negativ bewertet werden muss oder ob er eine notwendige Bedingung für die Zukunftsfähigkeit einer Volkswirtschaft ist. Insofern ist die relative Ruhe an den Ölbörsen nachvollziehbar. Sie wird vermutlich erst aufgegeben, wenn Öl nachweislich ein Ladenhüter ist. Das ist es heute nicht. Partiell ist die Versorgungslage sogar ein wenig angespannt. Im Nordseeraum ist das beispielsweise der Fall.

Für Entspannung soll die Rückkehr des libyschen Öls sorgen. Dieses für Europa wichtige Öl fließt seit Ausbruch der Kämpfe zur Befreiung Libyens von seinem Diktator kaum noch. Es ist wegen der günstigen Eigenschaften, auf die europäische Raffinerien eingestellt sind, nur schwer durch andere Ölsorten zu ersetzen. Die von der OPEC als Ausgleich bereitgestellten Mengen fanden keinen adäquaten Absatz, weil sie libysches Öl nicht vollwertig ersetzen können. Gestern wurde die Wiederaufnahme der Lieferung kurzzeitig an den Börsen gehandelt. Die Erkenntnis, dass ein sich abzeichnendes Ende der Kämpfe nicht mit der Öffnung von Ölhähnen gleichzusetzen ist, machte den Handelsansatz obsolet. Heute scheint das Ende der Kämpfe sogar fraglich zu sein.

Weniger preisrelevant ist die Kunde von der Reduzierung saudischer Lieferungen. Diese nimmt der Markt aus den genannten Gründen ohnehin nicht auf. Somit kann er auf sie verzichten.

Was kann man nun realistischerweise von den Ölbörsen als Preisinstrument erwarten? Sie werden die hohe Unsicherheit zur konjunkturellen Entwicklung berücksichtigen. Mehr als das werden sie auf die gemessene Nachfrage reagieren. Beide Aspekte sind im Abwärtstrend, der sich im letzten Vierteljahr gebildet hat, enthalten. Sobald die Nachfrage steigt, werden die Ölpreise wieder steigen. Einen krachenden Abgang der Preise wird es erst geben, wenn die Nachfrage einen ruckartigen Bremsvorgang erfährt.

In den letzten zwei Wochen haben wir das Fell des Bären an den Ölbörsen wohl zu früh verteilt. Die Panik der Finanzszene hat die Erwartung, erneut einen Abgang wie vor drei Jahren erleben zu dürfen, in unangemessener Weise stimuliert. Heute ist nicht 2008. Das Schuldenchaos kommt nicht überraschend. Es kommt mit Ansage. Es ist ohne fundamentale Brüche nicht lösbar. Das Finanzsystem kann aber durch den Glauben daran solange am Leben erhalten werden, wie Menschen dies zulassen.

Heute Morgen tendieren die Ölpreise fester. Charttechnisch ist derzeit kein weiterer Preisrückgang zu erwarten. Es bedarf neuer fundamentaler Signale, um einen solchen voranzubringen. Die Tonne Gasöl kostet 949,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 85,51 Dollar und in London zu 108,95 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 69,37 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben ein wenig nach. Dabei hilft der Dollar wieder einmal. Ein Abwärtstrend ist erkennbar. Aktuell rechnen wir allerdings nicht mit seinem nennenswerten Fortschritt. Kurzfristig scheint uns das Abwärtspotenzial an den Ölbörsen aufgebraucht zu sein. Selbst an den Aktienmärkten ist der panikartige Abgang gestoppt, obwohl politisch nichts geschehen ist, was zu einer Änderung der Gesamtlage taugt. Wer Heizöl deutlich unter den gegenwärtigen Tageskursen kaufen möchte, wird aus heutiger Sicht einen längeren Atem benötigen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das beginnt mit dem Vermessen desselben. Hierzu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab und www.esytrol.com.

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