Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Der Bankenclou

Die IEA (Internationale Energieagentur) sagt es. Die OPEC sagt es nun auch. Auf absehbare Zeit wird es keine Ölknappheit geben. Das Angebot wird längerfristig größer sein als die Nachfrage. Die wird erst in fünf Jahren wieder auf das Vorkrisenniveau klettern. Und selbst das muss nicht sein, wenn der Ausbau alternativer Energien und eine drastische Effizienzsteigerung schnell voranschreiten. Sollte der alte Spitzenwert der Nachfrage doch wieder erreicht werden, ist die Versorgungssicherheit damit nicht automatisch infrage gestellt. Die verfügbaren Ressourcen lassen sogar einen Mehrverbrauch zu. Das ist die Kernbotschaft einer Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Ist die Peak Oil Hysterie der letzten Jahre damit vom Tisch? Es wäre wünschenswert. Die Peak Oil Debatte hat allerdings weiterhin ihre Berechtigung. Denn obwohl es ausreichend Rohstoffe für eine vernünftige Industrialisierung der Welt gibt, muss man der Tatsache ins Auge sehen, dass Erdöl nicht unbegrenzt zur Verfügung steht. Ein Mehrbedarf von 20 Prozent ließe sich laut BGR noch decken. Dazu muss allerdings unkonventionelles Öl hinzugezogen werden. Das ist Öl aus Ölsänden und aus extremen Tiefen. Bei aggressiver Nutzung von Öl könnte das Maximum der Förderung gegen 2035 erreicht sein. Danach ginge es definitiv bergab, wenn es nicht vorher bergab geht, weil gar nicht so viel Öl benötigt wird.

Dass eine mögliche Knappheit von Erdöl zwangsläufig eine Knappheit von flüssigen Kraft- und Brennstoffen verursachen wird, trifft nicht zu. Als Alternative stehen verflüssigte Kohle und Bioöle zur Verfügung. Beide Energieträger werden heute bereits im großen Stil eingesetzt. In Südafrika werden 40 Prozent des Kraftstoffs aus Kohle gewonnen. In Brasilien wird mehr Bioethanol getankt als Benzin. Kohle ist die mit Abstand größte fossile Ressource der Erde. Bioöle stammen aus nachwachsenden Rohstoffen. Um die Verfügbarkeit flüssiger Energieträger muss man sich also keine Sorgen machen. Die Frage ist eher, ob es sinnvoll ist, den Verbrauch weiter zu steigern und ob das der Erde und schließlich der Menschheit gut täte.

Vor diesem Hintergrund gibt es derzeit keinen vernünftigen Grund, dass der Ölpreis steigt. Aber er steigt. Das ist unvernünftig wie alles, was sich im Finanzsystem abspielt. Es tut der Menschheit nicht gut aber es tut ein paar Menschen gut. Wer wie wir glaubte, dass die Krise Auswüchse der Finanzwirtschaft korrigieren würde, sieht sich heute schwer getäuscht. Nichts wird korrigiert. Im Gegenteil die Situation wird immer absurder. Banken verdienen mit der Krise noch mehr Geld. Ihre Angestellten werden noch fürstlicher entlohnt. Letzte Woche erfuhr man aus der Financial Times Deutschland, dass die 30.000 Angestellten von Goldman & Sachs im Durchschnitt 700.000 $ Jahresgehalt einstreichen, soviel wie nie zuvor in der Firmengeschichte. Die Mehrheit dieser Angestellten wird kaum mehr als jeder andere Arbeitnehmer eines Industrielands verdienen. Den großen Rest teilen sich ein paar „Talente“ der Bank. Neidisch? Nein sauer über den staatlich legitimierten Raub unseres Einkommens. Bis zum Ausbruch der Krise gab es die Chance, sich dem Treiben der Finanzwelt durch Nichtteilnahme am Spiel zu entziehen. Schon das konnten viele Menschen nicht für sich in Anspruch nehmen, weil ihre Arbeitsplätze dem Einfluss von Bankern und Privat Equity Leuten ausgesetzt sind und weil sie Öl kaufen müssen. Nun aber haben die Banken Zugriff auf die Geldbeutel aller Staatsbürger. Geschickt eingefädelt. Angesichts des putativen Selbstmords der Finanzwelt ist die Politik eingeknickt und hat der anvisierten Erweiterung der Geschäftstätigkeit auf bisherige Verweigerer zugestimmt. Es fließen Milliarden an steuerfinanzierten Geldern in die Geldhäuser. Den größten Gewinn an Staatsmitteln streichen die ein, die keine Rettungsgelder in Anspruch nehmen, wie die Deutsche Bank und natürlich Goldman & Sachs. Sie verdienen an gigantischen Staatskrediten und an gestiegenen Risikoprämien für Kredit- und Versicherungsgeschäfte. Ganz nebenbei verdienen sie an Aktien und Ölgeschäften. Zugegeben, damit haben sie vor Kurzem auch verloren, allerdings nur wenn sie sich untalentiert verhielten. Es gibt keine Möglichkeit mehr zu entkommen. Wie im Mittelalter dem Klerus, später der Aristokratie ist die Menschheit nun der Bankenherrschaft ausgesetzt. Immer größere Teile des Volkseinkommens werden dort akkumuliert und landen in den Taschen weniger Bankenfürsten. Eine friedliche Art, das Dilemma aufzulösen, ist momentan nicht mehr vorstellbar.

Vergleichsweise friedlich geht es bei den Ölpreisen zu. Die sind zwar höher gestiegen als angemessen wäre. Angesichts der Rallye an den Aktienbörsen wäre allerdings Schlimmeres nicht abwegig. Man darf hoffen, dass die Ölpreise limitiert bleiben, weil Spekulanten an anderen Märkten mehr Chancen wittern und bessere fundamentale Erklärungen für Preissteigerungen haben als im Öl. Heute Morgen kostet die Tonne Gasöl 533 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 63,93 Dollar. Der US-Dollar wird zu 70,39 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise steigen. Die Gegenbewegung zum Preisverfall wird heftig. Fundamental ist es nicht zu rechtfertigen, dass sie mehr Preisauftrieb bringt. Das ist allerdings ein schwaches Argument angesichts der spekulativen Potenz, die Banken und Fonds derzeit haben. Sie verfügen über sehr viel Spielgeld, das jede Vernunft besiegen kann. Gut ist derjenige dran, der seinen Energieverbrauch bereits gesenkt und damit den Einfluss so genannter Investoren auf seine Privatsphäre reduziert hat. Wer das auch versuchen möchte, sei auf unser Logbuch für den Heizölverbrauch verwiesen. Das kann helfen.

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