Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Der Berg kreißte und gebar eine Maus

Die Operation ESM ist für die Finanzindustrie gut gelaufen. Das Bundesverfassungsgericht urteilte erwartungsgemäß. Selbst die übliche Ermahnung zur Achtung der Demokratie wurde geliefert. Die Aussage ist so richtig wie wertlos, da sie folgenlos ist. Damit sind nun zwei von drei geplanten Operationen der Finanzszene erfolgreich absolviert. Die erste war die Anpassung der EZB an die amerikanische Notenbankpolitik (unbegrenzte Anleihenkäufe). Konkret handelt es sich um den Wechsel von einer Geldwertinstanz zu einer Geldmarktinstitution. Während erste den Interessen der Allgemeinheit dient, ist zweite am Wohl der Finanzindustrie ausgerichtet. Die zweite war die Installation der Schuldengemeinschaft in Europa (ESM) ebenfalls nach dem Vorbild der USA. Beides zusammen verspricht dauerhaften Geldsegen vom alten Kontinent. Nun steht die dritte und zunächst letzte Operation aus, mit der der US-Notenbank ein weiteres Mal frisches Geld abgerungen wird. Um dieses Ziel zu erreichen, wird so ziemlich jede Konjunkturzahl, die kein unrealistisches Wachstum darstellt, als Waffe benutzt. Es kann kein Zweifel bestehen, dass der Kampf früher oder später erfolgreich sein wird. Der Sieg, der möglicherweise schon heute errungen wird, verspricht ein Kursfeuerwerk an den Börsen, das den Ölpreis mitreißen wird.

Das Karlsruher Urteil wird in der hohen EU-Politik als Segnung für ein staatlich vereinigtes Europa interpretiert. Auch hierbei sind die USA Beispielgeber. Die politische Klasse wird nicht müde, seinen Bürgern den Zwang zur Großstaatlichkeit anzudienen. Dabei werden Ängste bedient, als Gebilde kleiner Staaten zwischen den mächtigen Wirtschaftsblöcken USA und China zerrieben zu werden. Die sind so fehl am Platz wie die Hegemonialpolitik Deutschlands vor dem ersten Weltkrieg. Bereits damals wurde Größe als überlebensnotwendig deklariert. Die bittere Konsequenz ist hinlänglich bekannt. Bereits damals gab es oppositionelle Stimmen, die das wirtschaftliche Wohlergehen durch das politische Streben nach staatlicher Größe gefährdet sahen. Diese Opposition war unter anderem im Kreis der aufstrebenden Industrie zu finden. Sie sah ihre Chancen, mit intelligenten Produkten und Leistungen am Weltmarkt gewinnen zu können, durch die zeitgemäße Großmannssucht gefährdet. Für sie waren nicht politische Grenzen, sondern politische Herrschaftsträume geschäftsschädigend.

Der regelmäßige Vergleich von Wirtschafts- und Handelsfreundlichkeit der Staaten spricht eine ähnliche Sprache. Hinzufügen kann man neuere Erkenntnisse der Wohlstands- und Glücksforschung. Diese Wettbewerbe werden nicht von den großen Ländern gewonnen. Ganz im Gegenteil, auf den vorderen Plätzen findet man regelmäßig kleine Staaten mit mehrheitlich hoher demokratischer Kultur. Die USA, die immer noch Glamour ausstrahlen, können da nicht mithalten. Sie sind zwar die größte Wirtschaftsnation, was angesichts ihrer Bevölkerungsgröße kein Wunder ist. Sie bieten aber weder ein besonders gutes Wirtschafts- und Handelsklima, noch steht das Land sozial, bildungsmäßig und vor allen Dingen bezüglich des messbaren Glücks gut da. Noch schlechter sieht die Lage für China aus. Ganz oben auf der Liste der in dieser Hinsicht starken Länder stehen die Schweiz, Dänemark, Schweden, Singapur, Norwegen, Finnland, Österreich, Niederlande. Das sind allesamt sogenannte kleine Länder, die international ausgezeichnet vernetzt sind. Mit Ausnahme von Norwegen verfügen sie über nichts anderes als die Fähigkeit ihrer Menschen, sich smart in der Welt behaupten zu können. Deutschland steht übrigens vor den USA. Angesichts dieses Wissens stellt sich immer wieder die Frage, was der Sinn des Strebens nach den Vereinigten Staaten von Europa ist. Es wirkt irgendwie anachronistisch, einer Zeit entnommen, in der Eroberung und Unterwerfung Reichtum versprach. Das heißt nicht, dass die Europäische Gemeinschaft als loser Staatenbund, der sich dem Frieden und der Kooperation verschrieben hat, anachronistisch ist. Ganz im Gegenteil, derartige Kooperationen, die den Ländern nationale Eigenheiten sozusagen als Programm gewähren, sind hervorragende Grundlagen der Wohlstandsentwicklung.

Im Hinblick auf die Lösung der Geld- und Finanzkrise ist das Karlsruher Urteil unbedeutend. Es hat keine Auswirkung auf die grundlegende Problematik, die sich seit 2008 mit der Einführung des Finanzhilfesystems für Banken stetig verschärft. Das Problem der Eurostaaten ist lediglich eine Fassette eines tiefer liegenden Zusammenhangs. Dieser wurde unter anderem hier skizziert.

Vom Ölmarkt gibt es die US-Bestandsdaten und die jüngste Schätzung der EIA (US-Energieministerium) zu berichten. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die beiden für die Datenerhebung zuständigen Institutionen, liefern beruhigende Zahlen aus den Lagern. Sie lauten wie folgt:

Rohöl: +2,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,2 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 2,3 (DOE) bzw. ein Abbau von 1,5 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt derzeit nur 85 Prozent. Das ist weiterhin die Folge von Abschaltungen wegen des Hurrikans im Golf von Mexiko vor drei Wochen Die Gesamtbevorratung liegt gleichwohl immer noch bei vier Prozent unter dem Vorjahr, wie diese Grafik zeigt. Die Erklärung für die Folgenlosigkeit der Ausfälle liefert die EIA mit der Aussage, dass sich der USA-Verbrauch auf einem 15-Jahres-Tief befindet.

Heute Morgen zeigen die Börsen wenig Leben. Man wartet auf Signale der US-Notenbank zur Geldlockerung. Die Tonne Gasöl kostet 1.002,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 96,92 Dollar und in London zu 115,71 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 77,44 Eurocent.

Unsere Heizölpreise befinden sich am unteren Rand ihres Aufwärtstrends. Derzeit kommt ihnen der wieder erstarkende Euro zugute. Er verhindert einen nennenswerten Anstieg. Die Gefahr für steigende Heizölpreise ist momentan relativ hoch. Sie resultiert aus den gut laufenden Operationen der Finanzindustrie. Konjunkturell gibt es hingegen etwas Dämpfung im Trend. Ich rate zum Heizölkauf, da ich die anstehenden Maßnahmen der FED für sehr preistreibend halte. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen