Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Der Blick in die Kristallkugel

Seit fast einem Monat fallen die Ölpreise. Charttechnisch ist eine Gegenreaktion längst fällig. Bisher wurde sie durch jämmerliche Konjunkturaussichten verhindert. Gestern ergriff die deprimierte Finanzszene der Mut der Verzweifelung. Sie nutzte einen überraschend gut ausgefallenen US-Materialflussindex für eine ordentliche Kurserholung. Die Ölpreise gingen den Gang mit. Es war ein gelungener Auftakt für eine Gegenbewegung. Ob sie als solche fortgesetzt wird, muss sich noch zeigen. In Anlehnung an den übergeordneten Trend wäre die Fortsetzung durchaus naheliegend. Dieser Trend verläuft seit rund drei Monaten seitwärts. Er spiegelt die Zerrissenheit zwischen bärischen Realmarkteinflüssen und bullischen Attacken der Finanzindustrie wider. Letzte handelt Rohstoffe vollkommen losgelöst von ihrem volkswirtschaftlichen Wert. Ihr geht es einzig darum, durch Wetten auf x-beliebige Stoffe, wie beispielsweise Öl, Früchte oder Getreide, Wertsteigerungen ihrer Finanzeinsätze zu erzielen.

Der Wert des Öls sollte durch Angebot und Nachfrage ermittelt werden. Die Erkenntnis, dass dies Grundprinzip des Markts nicht mehr funktioniert, spricht sich langsam herum. Dass es durch die Maßnahmen zur Rettung der Banken stetig weiter verkommt, ist mittlerweile bis in politische Kreise durchgedrungen. Zu Handlungen hat die Erkenntnis bisher noch nicht geführt.

Neben den zeitnahen Umständen, die das Angebots-Nachfrage-Verhältnis bestimmen, hatten seit jeher langfristige Perspektive am Ölmarkt Einfluss auf die Preisbildung. Dahinter stand in den letzten Jahren immer die Frage nach den verfügbaren Reserven. Die sind in 2009 nur marginal gestiegen. Gleichwohl wurde deutlich mehr Öl gefunden als verbraucht. Denn aus 883.000 Ölbohrungen weltweit wurden 3,2 Prozent weniger Öl gepumpt als 2008. In den wirtschaftlich ergiebigen Regionen Asiens und am Pazifik stiegen die Ölreserven um 18 Prozent. In den Rezessionsregionen Westeuropa und Nordamerika fielen sie um 3 und um 10 Prozent als Folge natürlicher Erschöpfung. In allen anderen Regionen gab es keine nennenswerten Veränderungen gegenüber 2008. Im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion und in den USA stieg dagegen die Förderung trotz des krisenbedingten Desinteresses an Öl.

Wer nun meint, mit derartigen Zahlen eine solide Grundlage für das zukünftig mögliche Ölangebot zu haben, irrt. Leider ist die Verlässlichkeit dieser Zahlen schwach. Bessere Zahlen gibt es aber nicht. Am Beispiel Saudi Arabiens lässt sich die Schwäche der Zahlen demonstrieren. Seit über 20 Jahren sind die Reserven annähernd konstant, obwohl dramatisch viel Öl entnommen wurde. Angesprochen auf die geradezu unglaubliche Konstanz zwischen entnommenem und neu entdecktem Öl, antwortet ein Spitzenmanager der staatlichen Ölgesellschaft Saudi Aramco, dass eben diese Konstanz der Plan sei. Es gibt keinen Verweis auf eventuelle Funde sondern nur auf vorgelegte Bewertungen der Reserven. Das ist der Plan. Ein anderes Beispiel für den orakelhaften Charakter der Öldaten ist die Bewertung venezolanischer Ölreserven. Der US Geological Survey schätzt diese im Orinoco-Becken lagernden Mengen doppelt so groß ein wie die Reserven Saudi Arabiens. Damit wäre Venezuela nicht auf Platz sechs der ölreichsten Länder, wie von BP geschätzt, sondern auf Platz eins. Diese Einschätzung wird nicht mal von dem in große Worte verliebten Staatspräsidenten Hugo Chavez geteilt. Die Crux ist der Entölungsgrad, der der Schätzung zugrunde liegt. Er wurde mit 45 Prozent angenommen. Mehr als 25 Prozent wird aber von den meisten Fachleuten als unrealistisch angesehen. Ein drittes Beispiel ist der dramatische Rückgang der Reserven Großbritanniens. Dass die Erschöpfung tatsächlich so stark voranschreitet, wie neue Zahlen das vermuten lassen, findet keine einhellige Zustimmung der Fachszene. Die renommierte Beratungsgesellschaft Wood Mackenzie sieht die Finanzkrise ursächlich für den Rückgang. Es mangelt schlicht an Krediten für Exploration und Erschließung neuer Quellen. All die Beispiele machen deutlich, dass Angaben über Ölreserven und damit über die zeitliche Reichweite des Öls reine Schätzungen interessierter Kreise mit unterschiedlichen Standpunkten sind. Die einzige allgemeingültige Wahrheit ist, dass es keine verlässlichen Zahlen zum Thema gibt. Dieser missliche Umstand unterstreicht den Casinocharakter von Finanzspekulationen auf Öl.

Das Fazit kann nur lauten, so schnell wie möglich einen maßvollen Umgang mit den definitiv endlichen Ressourcen dieser Erde zu erreichen. Die zeitgemäßen Attribute schneller, höher, weiter, größer müssen durch ein langfristig tragfähiges Maßvoll ersetzt werden.

Der morgendliche Blick auf den Ölpreischart erweckt den Eindruck, dass Maßhalten Einzug ins Börsengeschehen gehalten hat. Die Preise sinken nämlich wieder. Der Eindruck dürfte eine Täuschung sein. Wahrscheinlich ist, dass sie heute weiter steigen werden. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 587,25 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 74,49 Dollar. Der US-Dollar wird zu 71,82 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise steigen. Der Weltmarkt gebietet das. Der Dollar nimmt etwas Druck aus dem Anstieg. Die Gesamtlage zur Preisentwicklung ist unverändert. Das reale Marktgeschehen legt tiefere Preise nahe. Bestimmenden Einfluss hat aber das Gebaren der Finanzindustrie. Wenn die allgemeine Investmentstimmung auf höhere Kurse und mehr Geld verdienen umschlägt, hat der Ölpreis keine Chance, sich dem Treiben zu entziehen, er wird steigen. Gesetz ist der Stimmungsumschwung keineswegs. Die Spekulation auf billigeres Heizöl kann durchaus funktionieren. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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